Eine Pleite ist eine Pleite ist eine ...

Kommentar |

Was bei der Zentralbank in gutes Geld getauscht werden will, muss ein gutes Rating haben

Forrest Gump hat es wohl am schönsten gesagt: Dumm ist der, der Dummes tut. Wenn sich europäische Zentralbanker und Wirtschaftspolitiker wieder einmal darüber echauffieren, dass die Ratingagenturen nicht genug Milde im Falle Griechenlands walten lassen, sollten sie eines nicht vergessen: Ihre eigenen Regeln heben die Ratingagenturen auf jenes Podest, von dem sie die Politiker wieder stoßen wollen. Doch was bei der Zentralbank in gutes Geld getauscht werden will, muss ein gutes Rating haben.

Mittlerweile steht ja fest, dass griechische Staatsschulden jeglichem vernünftigen Qualitätskriterium nicht mehr genügen. Aber Europas Politiker und Banken hätten gerne, dass die Ratingagenturen und Finanzmathematiker wieder von der Finanz-Alchemie der Vorkrisenzeit Gebrauch machen. Vor 2008 gab es gute Ratings ohne gute Bonität. Nun sollen die Agenturen einen Schuldenschnitt für Griechenland durchgehen lassen, ohne dass sie ihn als Schuldenschnitt abstempeln. Denn was sonst ist es, wenn die Griechenland-Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten?

Da helfen noch so komplexe Strukturen nicht, auch der Ringelspiel-Vorschlag der französischen Banken kann diese Wahrheit nicht verbergen. Eine Pleite ist eine Pleite ist eine Pleite ... Es waren genau jene Konstruktionen, die die wahre Bonität von Schuldnern verbergen sollten, die uns in die jüngste Krise gestürzt haben. Wer hofft, dass sie uns nun aus dem Schuldensumpf ziehen, hat nichts gelernt. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2011)

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