Wien - Die Deals des Geigenhändlers und "Weltbürgers" Dietmar M.
(Landeshauptmann Erwin Pröll 2005 bei der Überreichung des Großen Goldenen
Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland NÖ an M.) interessieren auch das
FBI in Washington. Dort haben Ermittler des Department for Art Crime laut dem
Standard vorliegenden Informationen kürzlich geschädigte Kunden M.s befragt.
Der inzwischen insolvente Geigenhändler hat die US-Ermittler schon 2003
interessiert. Damals hat das New Jersey Symphony Orchestra (NJSO) die aus 30
Instrumenten bestehende "Golden Age Collection" des Multimillionärs Herbert
Axelrod gekauft. M. soll ein überhöhtes Wertgutachten erstellt haben. Kunstmäzen
Axelrod landete wegen Betrugs im Gefängnis, das NJSO musste die Sammlung, deren
Wert Axelrod mit 49 Mio. Dollar angegeben und um 17 Mio. verkauft hatte (was dem
wahren Wert eher entsprach), mit hohen Verlusten versilbern.
Aus dem bisher letzten Bericht von Masseverwalter Jörg Beirer von Ende 2010
erschließen sich jedenfalls seltsame Geschäftspraktiken. "Streichinstrumente im
Wert von bis zu einer Million Euro und darüber werden in Koffern transportiert,
um sie einem Investor zu zeigen, der dann bereit ist, Millionen für ein
zukünftiges Geschäft zur Verfügung zu stellen. Ohne den wirklichen Wert und den
Eigentümer zu kennen und ohne Beleg, dass ihm die Instrumente verkauft ...
wurden", schrieb Beirer. Und: "Dass auch namhafte Finanzinstitute die
Streichinstrumente als Sicherheit für Kredite ... nahmen, ohne sie gesehen und
bewertet zu haben, kann als Indiz dafür gelten, dass der lockere Geschäftsgang
mit hohen Beträgen branchenüblich ist." Die Banken bangen um 30 Mio. Euro.
Was Anzahl und Wert der Geigen betrifft, kommt Beirer anhand der Darstellung
der Geschädigten zu einem stattlichen Befund: "Der Wert der bisher
verfahrensgegenständlichen Musikinstrumente beträgt rund 122 Mio. Euro, das sind
1,634 Mrd. Schilling." (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2011)