Doku: "Universum" sieht die Farbe Lila

5. Juli 2011, 18:20
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Naturfilmer Alfred Vendl mit "Grenzen des Lichts" - Ab Sommer "Faszination Erde" - Kühle Distanz zu Servus TV

Wien - An sehr reale Grenzen des Lichts stößt Naturfilmer Alfred Vendl Dienstagfrüh im Tiergarten Schönbrunn. Der Morgenhimmel zeigt sich im rasanten Spiel aus Sonne und Wolken - gut und schlecht zugleich: Herkömmliche Außenaufnahmen brauchen viel Licht, die Thermokamera hingegen tut sich mit Schatten leichter, um Temperaturunterschiede an Oberflächen besser sichtbar zu machen. Für Vendl und Team bedeutet das an diesem Morgen: fliegende Wechsel vor den Flamingos. Die spazieren einstweilen unbeeindruckt weiter.

Nach "Grenzen der Wahrnehmung" (2002) und "Zeit" (2008) loten Alfred Vendl und Steve Nicholls im Dezember "Grenzen des Lichts" aus. Die Doku über die Welt im UV-, Infrarot-, Röntgenblick bildet den Abschluss der Trilogie.

"Universum-Dokus" sind am internationalen Rechtemarkt gefragt. Vendls Verkaufsschlager, "Das Genie der Natur", bekommt zwei Fortsetzungen. Mehr als 65-mal verkaufte der ORF das Original seit 2006.

Mit Bildern erzählen

Der frühere Kameramann ist ein Mann der Bilder: "Ich mag sprechende Köpfe nicht." Für den ORF drehte er in den 1970er-Jahren 60-Minuten-Dokus über Fechten und Pferde - ohne Moderator. Der ORF zeigte die Filme damals im Hauptabend. "Das wäre heute nicht möglich. Die Faulheit des Publikums erlaubt das nicht", sagt Vendl. Widerstände von Fernsehredaktionen ob des beharrlichen Schweigens sind ihm bekannt. Der ORF schloss sich der Kritik bisher nicht an, aber: "Ich weiß nicht, wie es in Zukunft sein wird." Vendl meint den Führungswechsel an der "Universum"-Spitze: Der Brite Andrew Solomon ist seit fünf Monaten Chef der Abteilung. Künftige Projekte: "Faszination Erde" in sechs Teilen ab 21. Juli, ab Herbst Dokus über Nairobi und Kurt Mündls 3-D-Monster.

Solomons Vorgänger Walter Köhler zeigt mittwochs Naturfilme unter dem Label "Terra Mater" auf Servus TV. Das Klima zwischen den Konkurrenten? Solomons zurückhaltende Antwort weist auf kühle Verhältnisse: "Wir sprechen miteinander, werden das auch weiter tun."

Die Alleinstellung des ORF bei Naturdokus im Rechtehandel sei vorbei. Einigend und dennoch trennend erlebt Solomon "die weltweite Suche nach der besten Dokumentation". Die stärkere Nachfrage treibt den Preis nach oben, immerhin: "Die Anbieter versuchen, fair zu sein. Der Markt ist reifer geworden." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 6.7.2011)

  • Das Auge der Infrarot-Kamera taucht junge Maid, Sonnenblumenfeld und Himmel in einheitliches Blassflieder: "Grenzen des Lichts" von Alfred Vendl im Dezember im ORF.
    foto: orf

    Das Auge der Infrarot-Kamera taucht junge Maid, Sonnenblumenfeld und Himmel in einheitliches Blassflieder: "Grenzen des Lichts" von Alfred Vendl im Dezember im ORF.

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