Regierungsbeschluss: 20 Prozent der Erwachsenen sollen sich fortbilden

  • Zur Umsetzung der LLL-Strategie soll im Herbst eine Plattform gegründet 
werden.
    foto: apa/ots/alpine gastgeber

    Zur Umsetzung der LLL-Strategie soll im Herbst eine Plattform gegründet werden.

Derzeit liegt die Quote bei 13,7 Prozent - Ausgaben für Bildung sollen bis 2020 von 5,4 Prozent des BIP auf sechs Prozent steigen

Die demographische Entwicklung spricht für sich. Die Anzahl junger Menschen, die ins Erwerbsleben eintreten, wird immer geringer. Nicht nur deshalb ist es wichtig, das lebenslange Lernen zu fördern und auch Personen, die bereits im Beruf stehen, zu motivieren, sich fortzubilden. Die Bundesregierung legt eine neue Strategie für "lebensbegleitendes Lernen", wie sie es nennt, vor. Dabei handelt es sich um ein Strategiepapier ("LLL 2020"), das von Bildungs-, Wissenschafts-, Wirtschafts- und Sozialministerium gemeinsam erarbeitet und am Dienstag vom Ministerrat beschlossen wurde.

Risikoschüler im Lesen halbieren

Zentrales Ziel des Papiers: Die Weiterbildungsbeteiligung Erwachsener soll von 13,7 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 gesteigert werden, womit Österreich ähnliche Beteiligungsquoten wie die skandinavischen Länder aufweisen würde. Bis 2020 soll außerdem der Anteil der Risikoschüler im Lesen von derzeit 28 Prozent halbiert, der Anteil von Lehrlingen, die die Berufsreifeprüfung ablegen, von zwei auf zehn Prozent erhöht werden. Der Anteil der 15- bis 24-Jährigen, die weder arbeiten noch in Ausbildung sind, soll von 7,8 auf 6,4 Prozent gesenkt und die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen von 41,1 auf zumindest 50 Prozent erhöht werden. Zudem sollen die Ausgaben für Bildung von 5,4 Prozent des BIP auf sechs Prozent gesteigert werden.

Die österreichischen LLL-Strategie sieht das lebensbegleitende Lernen als Querschnittsmaterie unterschiedlicher Politikfelder, sei es Bildungspolitik, Arbeitsmarktpolitik, oder Finanzpolitik, betonte Bildungsministerin Schmied. "Nur indem diese Politikfelder effektiv ineinandergreifen, können die Rahmenbedingungen für lebensbegleitendes Lernen nachhaltig verbessert und alle Bevölkerungs- und Altersgruppen stärker als bisher in lebensbegleitende Lernprozesse einbezogen werden", so Schmied. Sie betonte, dass bei dem Konzept die Lernenden, nicht die Zuständigen im Vordergrund stehen.

"Berufsbegleitende Studieren ermöglichen"

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bekannte sich dazu, dass bei den Weiterbildungsmaßnahmen auch die Universitäten eine große Rolle spielen. "Wir müssen vermehrt das berufsbegleitende Studieren ermöglichen", so Töchterle. Er bezeichnete die Bologna-Struktur auch als "Weiterbildungs-Struktur" und forderte, dass die Universitäten bei der LLL-Strategie "massiv einbezogen" werden. 

Sozialminister Rudolf Hundstorfer sprach sich erneut für eine Ausbildungsgarantie bis 18 aus. "Meine Vision ist, dass jeder Schüler spätestens einen Monat vor dem Ende der Schulpflicht weiß, welchen weiteren Bildungsweg - Lehre oder Schule - er besucht. Alle Jugendlichen sollen bis zu ihrm 19. Lebensjahr in Bildung oder Ausbildung sein."

"Generation Unruhestand"

Anstrengungen müssten im Zusammenhang mit dem lebensbegleitenden Lernen auch für Menschen im fortgeschrittenen Erwerbsalter und in der nachberuflichen Lebensphase unternommen werden. Hundstorfer: "Die Menschen sind heute durchschnittlich 25 Jahre in Pension. Bildung macht die Potenziale dieser Menschen nicht nur länger nutzbar, sondern steigert auch die persönliche Lebensqualität." Er sprach in diesem Zusammenhang von der "Generation Unruhestand".

"Einstellung der Unternehmer ändern"

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner nahm auch die Unternehmer in die Pflicht, die sich oftmals gegen die Fortbildungswünsche der Mitarbeiter stellen würden, aus Angst, der Mitarbeiter könnte, sobald er besser qualifiziert ist, das Unternehmen verlassen. "Wir müssen auch die Einstellung der Unternehmer ändern. Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt maßgeblich vom Bildungsniveau und der Bildungsbereitschaft der Menschen ab. Nur mit gut qualifizierten Fachkräften können unsere Unternehmen ihre internationale Qualitäts- und Innovationsführerschaft ausbauen und den Aufschwung weiterhin offensiv gestalten", so Mitterlehner.

Jährlicher Umsetzungsbericht

Zur Umsetzung der Strategie soll im Herbst eine Plattform gegründet werden, der die wesentlichen Akteure angehören sollen. Zudem wird eine "Task Force", bestehend aus Vertretern der vier involvierten Ressorts, geschaffen, die einen jährlichen Umsetzungsbericht der Strategie an den Ministerrat abliefern soll. Für 2020 ist ein Abschlussbericht geplant. (rwh, APA, derStandard.at, 6.7.2011)

Link zum Strategiepapier

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