Nach Model-WG: Wiedersehen mit Magalie

5. Juli 2011, 12:52
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Sie flog wegen rassistischer Sager aus der Puls 4-Castingshow "Austria's next Topmodel" - Nun ist Magalie Berghahn wieder da: Auf "Austria 9" kauft sie Rasenmäher, interviewt FP-Politiker - und sich selbst

Magalie hat also einen Nachnamen. Immerhin. Als sie Topmodel werden wollte, musste sie nämlich darauf verzichten. So wie bei allen früheren Versuchen, öffentlich Karriere zu machen: Wenn überhaupt stand ihr Vorname unter den Bildern, wenn Magalie - regelmäßig - in Zeitungen auf Strandfotos auftauchte. Jetzt ist die Schöne aus Oberösterreich aber wieder da. Nicht als Pin-Up - sondern als TV-Reporterin. Da hat man einen Nachnamen: Berghahn.

Ich fand Magalie am Sonntag wieder. Beim Schlechtwetter-Zappen. Auf "Austria 9" lief ein Regionalmagazin: „Oberösterreichs 4-Viertel". Eine Redakteurin machte ein Interview im "On" (also mit sich selbst im Bild). Dem Interview folgte eine Straßenumfrage. Plötzlich riss es mich: War da nicht die gleiche Frau als Befragte aufgetreten, die Sekunden zuvor - im gleichen Beitrag - noch einen Politiker interviewt hatte? Die Meinung der "Passantin" verstärkte die Politiker-Aussage. Kurz darauf saß die Redakteurin in einer Fahrradrikscha - wieder neben dem wichtigen Politiker. Ihr Gesicht schien bekannt. Die Stimme auch. Am Ende bestätigte der Schlussroller: Magalie.

Austria's Next Topmodel

Magalie ist TV-Beobachtern keine Unbekannte. Anfang 2011 war sie Kandidatin beim Puls 4-Modelcasting "Austria's Next Topmodel". Sie gab die Luxus-Tussi - und sprengte sich mit einem rassistischen Rülpser aus der Sendung.

Davor hatte Magalie gut unterhalten: Laut Insert war sie 21 - laut Sender-Homepage 20 Jahre alt (oder umgekehrt). Sie sah aber mindestens sechs Jahre erwachsener aus - und trat auch so auf. Auch ihre On-Air-Biographie legte ein höheres Alter nahe: Angeblich war sie schon rund fünf Jahre mit einem wohlhabenden Mitdreißiger zusammen. Der, hieß es, habe davor "jahrelang" um das Mädchen geworben, das er in einer Disco entdeckt habe: Dass Zuseher rechnen, war nicht einkalkuliert.

Luxus und Dober-Dogge

"Magalie liebt ihr Dogge", hieß es: Ein Dobermann kam ins Bild. (Oder war es umgekehrt? Egal.) Magalie frönte dem Luxus: Sie flog von Linz nach Wien - von dort ging es per Limousine in die Model-WG. Gut möglich, dass Letzteres gescripted war: Die Oberösterreicherin gab die Antagonistin zu einer anderen Kandidatin, einer armen Migrantin, die nach dem tragischen Tod der Mutter die Geschwister großzog.

Magalies Leben finanzierte ihr Freund. Weil Klischees Pflicht sind, kam es noch dicker: Er habe auch Magalies Brust-OP gezahlt. Hieß es. Und: Sein Wohlstand stamme aus der Nacht- und Event-Gastronomie. Aber Magalie sei fertige Optikerin. Spätestens nun begannen ein paar Leute zu googeln: Man fand unter anderem auch einen kurzen, älteren Bericht über Optikerlehrlinge in Tirol. Im Bild: Magalie. On Air hieß es einmal "Meisterin". Wieder wurde gerechnet, gelacht und gelästert.

"Neger-Oide"

Nicht lange: Magalies - sagen wir - offensive Großraumdisco-Poserei zog in der Show nicht. Also ließ sie ihrem Unmut darüber, dass eine Andere - die spätere Siegerin - erfolgreicher war, vor laufender Kamera freien Lauf: Sie nannte die dunkelhäutige Rivalin "Neger-Oide", die "in Nigeria" (oder war es Kenia?) antreten solle. Das hier sei eine österreichische Sendung.

Die deutschen Macher der Sendung reagierten prompt. Sie warfen Magalie aus der Show. Zuvor kam es zum Showdown. Die Oberösterreicherin bewies dabei eindrucksvoll, dass sie tatsächlich nichts kapiert hatte: Sie habe, entschuldigte sie sich, doch persönlich nichts gegen die andere Kandidatin. Das N-Wort sei aus Enttäuschung rausgerutscht. Auf den Unterschied zwischen persönlicher Affekt-Flegelei und pauschalem Rassismus in Sprach- und Verhaltensmustern ging niemand ein: In diesem Rahmen wäre das so gut gemeint wie fruchtlos gewesen.

Ein Opfer

Ein paar Interviews in Regional- und Onlinemedien folgten noch: Magalie war eine echte Österreicherin - also das erste Opfer deutscher Aggression. "Austria's next Topmodel" habe ihr Leben zerstört. Sie habe den Job als Optikerin verloren, "weil niemand mehr bei mir einkaufen wollte", stand in den "Salzburger Nachrichten". Sie werde seither (?) auch als Model nicht gebucht. Magalie erklärte auch sinngemäß, dass Lena Gercke, die Moderatorin der Castingshow, im Team so beliebt sei wie Brechdurchfall. Ihre "Sager" seien gescripted und mühsam abgelesen gewesen. Nichts davon überrascht. Aber dass es Magalie erst auffiel, als sie aus dem Rennen war, wirkte billig.

Eines war gewiss: Magalie würde wieder auftauchen. Misswahlen und Modelcontests schieden altersbedingt aus, aber ein lokales Polit-Ticket oder eine Disco Half-Hit-Wonder-Karriere sollte drin sein: Diese Frau wollte es - das war klar zu sehen.

Dass es so schnell gehen würde, überrascht aber: "Oberösterreichs 4-Viertel" ist ein alle vier Wochen ausgestrahltes Magazin. In der ersten und der zweiten Sendung - nachzusehen in der A9-Mediathek - findet sich kein Hinweis auf die Schöne mit dem hässlichen Vokabular. In der dritten Sendung besucht sie aber ein Lagerhaus (im Designer-Outfit) und kauft einen Rasenmäher. Danach hält sie ein Mikro: Magalie Berghahn steht im Schlussroller.

Miss am Rande

Vier Wochen später: Ein großer Schritt für Magalie. Denn im Ankünder steht, dass die Miss Linz, "das Model Magalie" und noch ein Model Linz erkunden würden. Da keine der Damen reden darf, bleibt unklar, wer die Miss ist - aber Magalie ist immer in der Bildmitte. In einem anderen Beitrag hält (ziemlich sicher) sie das Mikro und stellt vorformulierte Fragen. Magalie steht im Abspann.

In der Julisendung ist Magalie dann voll im On: Das Wannabe-Model interviewt FP-Landesrat Martin Haimbuchner - und eröffnet mit der Vorlage, dass "die FPÖ sich ja sehr um unsere Heimat kümmert" (sinngemäß). FP-Logos kommen ins Bild. Bei anderen Politikern verzichtet A9 auf derlei. Dann taucht (wenn ich mich nicht sehr getäuscht habe) Magalie in der Meinungsumfrage ihres Beitrages auf - und fährt mit Haimbuchner in der Rikscha. Sie steht im Schlussroller.

Freilich: Das ist gewiss nicht das Ende der Fahnenstange. Ein Indiz dafür findet sich in den "Eventreports" des Welser Online-Stadtmagazins "Wels im Bild" (bis nach der Mitte hinunterscrollen): Dort wird Magalie Berghahn als "Moderatorin von Austria 9 TV" geführt. Auf der Homepage des Senders ist davon zwar nichts zu lesen - aber das wird sich schon noch ändern. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 5.7.2011)

  •  Magalie Berghahn war wegen rassistischer Sager aus der Show "Austria's next Topmodel"geflogen - jetzt ist die Oberösterreicherin bei Austria 9.
    foto: puls 4

    Magalie Berghahn war wegen rassistischer Sager aus der Show "Austria's next Topmodel"geflogen - jetzt ist die Oberösterreicherin bei Austria 9.

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