Gute, alte Freunde

11. Juli 2011, 17:01
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Die "Freunde der Salzburger Festspiele" unterstützen das Kulturfestival seit genau 50 Jahren und bleiben auch in Krisenzeiten treu

Man schrieb das Jahr 1920, als Hugo von Hofmannsthals Theaterstück "Jedermann" in der Regie von Max Reinhardt zum ersten Mal auf dem Salzburger Domplatz aufgeführt wurde. Obwohl die Idee eines Musikfestivals schon lange Zeit zuvor aufgekommen war, gilt dies als die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. Sie etablierten sich rasch und wurden von Königen, Millionären und anderen Berühmtheiten besucht, doch während des Zweiten Weltkrieges verloren sie massiv an Bedeutung.

Ab 1945 ging es zwar wieder bergauf, aber der Glanz aus vergangenen Zeiten fehlte. 1960 wurde das große Festspielhaus eröffnet, ab sofort waren 2.200 Plätze mehr zu füllen. Das nahm der damalige Festspiel-Präsident Bernhard Paumgartner ein Jahr später zum Anlass, Festspielfans aus aller Welt zusammenzutrommeln und den Verein "Freunde der Salzburger Festspiele" zu gründen.

Größter privater Sponsor

In diesem Jahr feiert der Verein, der als größter privater Sponsor der Festspiele gilt, sein 50-jähriges Bestehen. Bei der Gründung anno 1961 hätte man sich wohl nie erträumt, einmal über ein Jahresbudget von drei Millionen Euro zu verfügen. "Eines ist jedenfalls sicher, Mittel wird ein solcher Körper keine haben", schrieb der erste Präsident Philipp von Schoeller damals in einem Brief. Heute bringen die knapp 5.000 Mitglieder alleine für den Spielplan zwei Millionen Euro pro Saison auf, was rund vier Prozent des Gesamtbudgets der Festspiele sind. 2012 wird um 400.000 Euro aufgestockt.

Bauprojekte und Festspiel-Dialoge

Darüber hinaus werden Projekte wie die Übertitelungsanlagen in den Festspielhäusern, die Klimatisierung von Spielstätten oder die Website der Festspiele mit Unterstützung der "Freunde" umgesetzt. Immer wieder wird auch Geld für Bauprojekte aufgebracht, etwa für das neue Dach der Felsenreitschule oder für die bevorstehende Sanierung des Bühnenturms. Seit 1994 organisieren die "Freunde der Salzburger Festspiele" alljährlich die Festspiel-Dialoge, Gesprächsrunden rund um das jeweils aktuelle Festspiel-Motto.

Konkret beträgt der Jahresbeitrag der rund 3.000 ordentlichen Mitglieder 120 Euro, die rund 1.660 Förderer tragen mit je 1.000 Euro pro Jahr zum Budget bei. Ein Großteil der Unterstützer stammt aus Österreich und Deutschland, der Rest aus den USA, Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und Japan. Wer 10.000 beziehungsweise 50.000 Euro pro Jahr spendet, wird im Silver-Club (22 Mitglieder) beziehungsweise Golden-Club (fünf Mitglieder) aufgenommen.

Für Nachwuchs ist gesorgt

Für ihr Engagement werden die Mitglieder nicht nur bei der Kartenvergabe bevorzugt, sondern auch mit der kostenlosen Teilnahme an Veranstaltungen belohnt: Künstlerbegegnungen, Operneinführungen, Blicke hinter die Kulissen. Für Nachwuchs ist bereits gesorgt: Der Verein "Next Generation" besteht aus Erwachsenen bis 45 Jahren, die pro Mitglied und Jahr 500 Euro für Projekte zur Verfügung stellen. Die "Jungen Freunde der Salzburger Festspiele" bestehen aus Kulturinteressierten bis 26 Jahren, der Jahresbetrag beläuft sich auf 30 Euro. Unter dem Motto "Nicht nur konsumieren" werden Gespräche und Workshops mit Opernstars, Theaterspielern und Regisseuren organisiert.

Krise und Finanzskandal

Wie haben sich Wirtschaftskrise und der Finanzskandal rund um den einstigen Technischen Direktor Klaus Kretschmer auf die Spendierfreudigkeit der Mitglieder ausgewirkt? "Kaum", sagt "Freunde"-Präsident Heinrich Spängler. "Jene Firmen die Mitarbeiter kündigen oder Filialen schließen mussten, haben die Förderschaft gekündigt oder ausgesetzt, aber seit dem Vorjahr nimmt die Zahl der Förderer wieder zu." Nach dem Kretschmer-Skandal habe man alle Mitglieder und Förderer per E-Mail über die künftige bessere Kontrolle der Festspiele informiert. "Die Reaktion eines Mitglieds: 'Wegen eines schwarzen Schafes schlachtet man nicht gleich die ganze Herde'", so der Präsident.

Pläne für die Zukunft

Der aus einer Salzburger Bankiersfamilie stammende Spängler fordert schon lange die steuerliche Absetzbarkeit von kulturbezogenen Spenden. Er ist davon überzeugt, auf diesem Wege weitere Förderer zu gewinnen. Genau das ist eines der Ziele der "Freunde" für die nächsten Jahre. Der Nachwuchs "Next Generation" soll ausgebaut, Spenden für die Sanierung des Bühnenturms gesammelt werden. Zu guter Letzt will man dem Vereinsmotto treu bleiben: "Da sein, wenn wir gebraucht werden, aber nicht einmischen." (mak, 11. Juli 2011 derStandard.at)

  • Heinrich Spängler ist seit 1999 Präsident der "Freunde der Salzburger Festspiele".
    foto: bankhaus spängler

    Heinrich Spängler ist seit 1999 Präsident der "Freunde der Salzburger Festspiele".

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