Lese-Festival im MQ

5. Juli 2011, 11:40
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Lesungen u.a. mit Sabine Gruber, Peter Henisch, Josef Haslinger, Melinda Nadj Abonji, Franz Schuh und Maja Haderlap

Wien - Am Donnerstag (7. Juli) startet ein Lesesommer, der auch Fans österreichischer Literatur mit neuer Lektüre versorgt. Denn wie schon in den vergangenen Jahren bietet das erfolgreiche O-Töne-Lesefestival im Museumsquartier in den kommenden Wochen wichtige heimische Buchpremieren. Eröffnet wird mit der Präsentation von Sabine Grubers Roman "Stillbach oder Die Sehnsucht" (C.H. Beck).

Österreichisch-europäische Double-Features

An den folgenden Donnerstagen gibt es aus Anlass des 10-Jahres-Jubiläums des Kulturareals "österreichisch-europäische Double-Features", an denen nicht nur wichtige europäische Gegenwartsautoren wie die Schweizer Buchpreis-Gewinnerin Melinda Nadj Abonji (liest am 14.7. aus "Tauben fliegen auf") oder der Rumäne Mircea Cartarescu ("Der Körper" am 4.8.) lesen, sondern auch einige der wichtigsten österreichischen Neuerscheinungen der neuen Literatur-Saison vorgestellt werden.

Auf Gruber folgt etwa die Kärntner Slowenin Maja Haderlap, die am 14. Juli ihr Romandebüt "Engel des Vergessens" (Wallstein Verlag) präsentieren wird, das als "Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes" angekündigt wird. Wenige Tage davor wird sie mit einem Auszug aus dem Buch beim Wettlesen um den Bachmann-Preis antreten. Ihr Konkurrent Daniel Wisser bringt erst im September auf den Markt, worauf er in Klagenfurt einen Vorgeschmack bietet: "Standby", ein Roman über das Wochenende eines Callcenter-Leiters, erscheint bei Klever.

Am 4. August gibt Franz Schuh einen Ausblick auf "Der Krückenkaktus. Erinnerungen an die Liebe, die Kunst und den Tod", der Ende August bei Zsolnay erscheint. In Erzählungen, Essays und Gedichten geht er laut Ankündigung "der Frage des moralischen Urteilens und der Frage, was 'gut' ist, nach" und "erzählt von großen Geistern, kleinen Beobachtungen und ewigen Themen".

Neuer Haslinger-Roman

Einen Star-Torwart der tschechoslowakischen Eishockey-Nationalmannschaft der 1930er Jahre stellt Josef Haslinger in seinem Mitte August bei S. Fischer erscheinenden Roman "Jachymov" in den Mittelpunkt, eine traurige Familiengeschichte als Spiegel der Tragödien des 20. Jahrhunderts. Eine Woche nach seiner O-Töne-Lesung am 11. August stellt Evelyn Schlag im Museumsquartier "Die große Freiheit des Ferenc Puskas" vor (Zsolnay): keine Biografie des ungarischen Fußballidols, sondern ein Roman rund um die Niederschlagung des ungarischen Aufstandes 1956.

Zum Abschluss liest Peter Henisch am 25. August aus "Großes Finale für Novak", den der Residenz Verlag als "Roman mit Knalleffekt und voll leiser Ironie" ankündigt: Ein Mann entdeckt im Krankenhaus dank der Kassetten einer indonesischen Krankenschwester seine Liebe zur Oper und findet sich nach seiner Entlassung im lärmenden Alltag nicht mehr zurecht.

Bei Residenz erscheint Ende des Sommers auch der neue Roman von Peter Rosei: "Geld!" entführt in einem "scharfsinnigbösen Puzzle mit komödiantischen Zügen" in die Welt der Pharmakonzerne, Investmentbanker und Werbeagenturen. Außerdem kündigt der Verlag u.a. das Romandebüt "Kickboxen mit Lu" des in Wien lebenden jungen Grazers Roman Marchel sowie ein Hausbuch für alle Lebenslagen von Christine Nöstlinger an: "Eine Frau sein ist kein Sport" versammelt aus Anlass des 75. Geburtstags der Autorin (13. Oktober) ihre schönsten, witzigsten und bissigsten Glossen. Zum 90. Geburtstag von Ilse Aichinger am 1. November bringt die Edition Korrespondenzen unter dem Titel "Es muss gar nichts bleiben" einen Interviewband mit der Autorin.

Balkan-Reisereportage

Wenn Thomas Glavinic' Balkan-Reisereportage "Unterwegs im Namen des Herrn" und Ilija Trojanows in der Antarktis spielender Roman "Eistau" von Zsolnay mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren ausgeliefert wird, ist die Ferienzeit schon so gut wie vorbei. Ende August bringt Deuticke auch den neuen Roman des Vorarlbergers Christian Mähr heraus ("Das unsagbar Gute"), in dem eine pensionierte Chemielehrerin ein illegales Drogenlabor betreibt, sowie einen neuen Kolumnenband von Daniel Glattauer ("Mama, jetzt nicht!"). Während Elfriede Hammerls "Kleingeldaffäre" bereits ab 25. Juli in den Buchhandlungen liegt, heißt es auf Michael Köhlmeiers gesammelte Märchen und Sagen aus Österreich ("Das Sonntagskind") bis Ende September warten.

Ab 9. September ist der neue Roman von Marlene Streeruwitz lieferbar: "Die Schmerzmacherin" lässt die Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma in den Abgrund von geheimen, brutalen Machenschaften blicken. Ebenfalls bei S. Fischer liefern sich ab 12. August Christoph Ransmayr und Martin Pollack in "Der Wolfsjäger" drei polnische Duette und gibt der auch in Wien bekannte junge Regisseur Nuran David Calis mit "Der Mond ist unsere Sonne" sein erzählerisches Debüt.

Im Salzburger Verlag Jung und Jung erzählt Peter Handke "Die Geschichte des Dragoljub Milanovic", des ehemaligen Direktors des serbischen Radios und Fernsehens. "Die virtuelle Forelle" heißt ein Gedichtband von Erwin Einzinger. Bei Droschl kommt Mitte September der Erzählband "Goldfischgedächtnis" von Monique Schwitter heraus.

Im August hat der deutsche Verlag Schöffling & Co zwei österreichische Erzählerinnen unter seinen Neuerscheinungen: Margit Schreiners "Die Tiere von Paris" ist "das ironische Selbstgespräch einer Alleinerziehenden". "Verlass die Stadt" das erste Buch der jungen Oberösterreicherin Christina Maria Landerl, "ein Buch über das Suchen und das Nicht-Finden" und gleichzeitig "ein vielschichtiges Bild der Stadt Wien".

Schauplatz 50er Jahre

In die 1950er Jahre führt sowohl Elisabeth Reicharts Roman "Die Voest-Kinder" (im Otto Müller Verlag, wo auch Andrea Grills erster Gedichtband "Happy Bastards" angekündigt wird), als auch die Wiederentdeckung des 1963 erschienenen Romans "Die Herren Söhne" von Peter von Tramin durch den Metro Verlag (wo u.a. auch "Das Wiener Dekameron" von Christoph Braendle erscheint). Der Picus Verlag hat u.a. Walter Kohls Roman "Das leere Land", das Dichterdrama "Absturz aus dem Himmel" von Egyd Gstättner und einen Band mit neuen Krimis von Stefan Slupetzky ("Halsknacker") im Angebot.

Bereits erschienen ist der dritte Thriller des Duos Schilddorfer & Weiss ("Teufel", Langen Müller). Krimifreunde können sich auch auf den dritten Fall von Georg Haderers Polizeimajor Schäfer ("Der bessere Mensch") und den zweiten Fall des von Bernhard Aichner ersonnenen eigenwilligen Duos Broll und Baroni ("Für immer tot") freuen, die Haymon ankündigt. Weiters im Innsbrucker Verlag u.a. ein neues Faustini-Abenteuer von Wolfgang Hermann ("Die Augenblicke des Herrn Faustini"), Erzählungen von Irene Prugger ("Letzte Ausfahrt vor der Grenze"), ein Gedichtband von C.W. Bauer ("mein lieben mein hassen mein mittendrin du") sowie ein "Bestiarium" von Michael Stavaric und der bildenden Künstlerin Deborah Sengl: "Nadelstreif & Tintenzisch".

Im Leykam Verlag erscheint u.a. der Dreiecksroman "Bildstill" des jungen Wieners Georg Petz, bei Folio u.a. ein neuer Mira-Valensky-Krimi von Eva Rossmann ("Unterm Messer") und Klemens Renoldners Familienroman "Lilys Ungeduld". Braumüller kündigt u.a. mit "Goodbye Rock'n'Roll" von Clemens Haipl und Max Witzigmann den E-Mail-Roman zweier junger Väter sowie den Essay "Kleine Landeskunde" von Alfred Goubran an. Zwei Litaneien von Josef Winkler ("Die Wetterhähne des Glücks und Die Totenkulturer von Kärnten") und ein Essayband von Marie-Therese Kerschbaumer ("Freunde des Orpheus") finden sich im Programm des Wieser Verlags, die Romane "Versuch den Blitz einzufangen" von Manfred Chobot und "Kirchstetten" von Kurt Leutgeb in der Herbstankündigung des Limbus Verlags.

Erst im Oktober erscheint bei Suhrkamp ein Band mit Essays und Reden von Robert Schindel ("Man ist viel zu früh jung"), und für den Herbst sind im Ritter Verlag u.a. von Gerhard Rühm verbreitete "lügen über länder und leute" sowie der "ozeanische Monolog" "Die Seemansbraut oder Undines Rettung" von Franzobel angekündigt. (APA)

derStandard.at/Kultur wird wieder Videos von O-Töne-Lesungen bringen.

Zum Weiterlesen

  •  Das Literaturfestival O-Töne wird heuer wird mit der Präsentation von Sabine Grubers Roman "Stillbach 
oder Die Sehnsucht" eröffnet.
    foto: standard/heribert corn

    Das Literaturfestival O-Töne wird heuer wird mit der Präsentation von Sabine Grubers Roman "Stillbach oder Die Sehnsucht" eröffnet.

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