Kinderwunsch der Männer nimmt in Österreich signifikant ab

Interview | Katrin Burgstaller
5. Juli 2011, 10:40
  • Wolfgang Mazal: "Wer sich mit dem Kinderthema konfrontiert, muss auch bereit sein, sich 
dem Unplanbaren zu stellen."
    foto: standard/cremer

    Wolfgang Mazal: "Wer sich mit dem Kinderthema konfrontiert, muss auch bereit sein, sich dem Unplanbaren zu stellen."

  • Warum sich immer weniger Männer fortpflanzen wollen, kann nicht abschließend geklärt werden. Weil: "Das Geld für komplexe Männerforschung fehlt", sagt Mazal.
    foto: apa/dpa/julian stratenschulte

    Warum sich immer weniger Männer fortpflanzen wollen, kann nicht abschließend geklärt werden. Weil: "Das Geld für komplexe Männerforschung fehlt", sagt Mazal.

Warum immer mehr Männer den "Spagat" zwischen Familienernäher und Vaterschaft "ablehnen" erklärt Familienforscher Wolfgang Mazal

Zur niedrigen Geburtenrate hierzulande tragen nicht nur die Frauen bei - auch immer mehr Männer begeben sich in den "Zeugungsstreik". Im Gespräch mit derStandard.at analysiert Familienforscher Wolfgang Mazal die Gründe für diese Entwicklung. Viele Unternehmer würden nur in Sonntagsreden Familienfreundlichkeit signalisieren. An der konkreten Umsetzung hapert es jedoch. Zudem würden immer mehr junge Männer dem Spagat zwischen Familienernährer und der Vaterschaft ablehnen. Über das "perfekte Projekt Kind", die Frage, ob die Politik der ÖVP Teil des Problems ist und darüber, was Männer eigentlich wollen, sprach er mit Katrin Burgstaller.

***

derStandard.at: Sie haben einmal gesagt, die Einstellung der Gesellschaft zu Kindern muss sich verändern. Wie ist die Gesellschaft denn zu Kindern eingestellt?

Mazal: In vielen öffentlichen Kommunikationen, insbesondere auch in der Arbeitswelt, wird das Kind heute als eine Einschränkung empfunden und dargestellt. Kinder gelten als Hindernis in der beruflichen und persönlichen Entfaltung von Frauen und Männern. Kinder werden oft als Karrierehemmnis kommuniziert und erfahren. Das ist ein klares Indiz dafür, dass wir Kinder nicht als positiv und bereichernd, sowohl für die Individulabiografie als auch für die Gesellschaft empfinden.

derStandard.at: Man hört öfters von Bürgern, die gegen Lärm aus benachbarten Kindergärten mobil machen. Glauben Sie, dass Kinder auch im persönlichen Erfahrungsbereich als Problem gelten?

Mazal: Für mich ist es sehr fragwürdig aus Einzelphänomenen einen Gesamtrückschluss zu ziehen. Ich sehe im Privatbereich sehr viel positives Engagement für Kinder. Ich hoffe, dass das Einzelfälle sind. Wenngleich die breite öffentliche Kommunikation dieses Einzelfalles die Wahrnehmung bestimmt. Das viel größere Problem ist das Kind- und Karrierethema.

derStandard.at: Früher galten Kinder als Inbegriff des Soliden. Würden Sie dem zustimmen?

Mazal: Ich würde das nicht mit Solidität verwechseln. Ich würde sagen, das ist ein Mensch, der sich auch der Unplanbarkeit und der Offenheit des Lebens stellt. Jeder, der Kinder hat und mit Kindern lebt, weiß, dass das Planbare und Solide für diese Lebenssituation nicht zutrifft. Wer sich mit dem Kinderthema konfrontiert, muss auch bereit sein, sich dem Unplanbaren zu stellen.

derStandard.at: Werden Kinder heute stärker als früher als Risikofaktor wahrgenommen?

Mazal: Kinder werden mit Sicherheit unter zwei Gesichtspunkten anders wahrgenommen als früher. Auf der einen Seite gibt es einen enorm hohen Anspruch an das Individuum. Man möchte mit dem Kind ein perfektes Projekt hinlegen. Das war früher nicht der Fall. Das Kind wurde früher mit einer größeren Selbstverständlichkeit erlebt und nicht als Zwang zu einem perfekten Projekt. Kind wird in Zusammenhang mit der Überforderung, die aus dem Idealbild entsteht, als Einschränkung wahrgenommen. Junge Menschen sagen zum Beispiel oft, "zuerst möchte ich noch viel reisen, zuerst muss ich noch viel erleben, dann kriegen wir Kinder". Das sind für mich auch bedrückende Zugänge. Damit zeigen diese Menschen, dass sie Kinder als vorläufiges Ende vom guten Leben assoziieren. Das ist eine verkürzte Wahrnehmung, die die Gesellschaft, die Werbung, die Arbeitswelt, kommuniziert.

derStandard.at: Auch Männer tragen zur geringen Geburtenrate bei. Neben dem Geburtenstreik spricht man von der Zeugungsverweigerung. Was ist das Problem der Männer?

Mazal: Dazu gibt es unterschiedliche Theorien und das Thema ist noch nicht sehr gut beforscht. Zum Teil führen das Forscherkollegen darauf zurück, dass jetzt Männer in die Familienphase treten, die selbst in Kleinstfamilien aufgewachsen sind, dementsprechend gestalten sie ihre eigene Familiengründung. Allerdings ist dieser Effekt in anderen Ländern, wo Männer ebenfalls aus Kleinstfamilien kommen nicht beobachtbar. Das ist ein statistisches Sonderphänomen in Österreich. In Österreich nimmt der Kinderwunsch der Männer signifikant ab, während das in anderen Ländern nicht der Fall ist.

derStandard.at: Warum wollen immer weniger Männer in Österreich Kinder bekommen?

Mazal: Das ist auf viele Faktoren zurückzuführen. Das mag zusammenhängen mit dem als stark männerfeindlich empfunden Scheidungsfolgenrecht. Viele Männer mögen sich denken, wenn es zu einer Scheidung kommt, sehen sie ihr Kind nicht mehr und dürfen nur mehr dafür bezahlen. Valide erforscht ist die Ursache noch nicht. Wir haben zu wenig Geld für komplexe Männerforschung in Österreich.

derStandard.at: Sie haben bei einer Podiumsdiskussion gesagt, von Männer wird einerseits erwartet, dass sie die Familie ernähren und andererseits auch ein aktives Familienleben führen. Sind sie damit überfordert?

Mazal: Die Erwartungshaltung an die Männer ist nach wie vor sehr traditionell und ist gleichzeitig angereichert mit der Erwartung, er muss sich auch um die Familie mehr kümmern. Das ist ein Spagat, den junge Männer mit Sicherheit auch ablehnen.

derStandard.at: Und was wollen die Männer eigentlich? Wollen sie arbeiten oder sich mehr um die Kinder kümmern?

Mazal: Junge Männer wollen die Erwerbsarbeit nicht aufgeben, möchten sich aber auch stark an die Familie orientieren.

derStandard.at: Was ist die Lösung?

Mazal: Männer sollten weniger in der Erwerbsarbeit tätig sein, sich dafür mehr der Familie widmen. Und umgekehrt. Frauen sollten sich mehr der Erwerbsarbeit zuwenden, dafür weniger Familienarbeit leisten. Das wünschen sich die jungen Menschen. Aber die Arbeitswelt muss ihnen das auch ermöglichen. Wenn ich im Hörsaal frage, "was erwarten Sie sich?" Sagen alle: "Wir wollen arbeiten und eine Familie gründen." Wenige Jahre später dreht sich das Bild. Der Mann ist am Überstundentrip und sagt, er muss Karriere machen, man erwartet ja von mir, dass ich viel Kohle bringe. Die Partnerin ist oft frustriert, weil sie merkt, sie wird nicht auf den Karrieretrip gelassen, weil die Familienfrage nicht gelöst ist.

derStandard.at: Sie hat keine Kinder und macht trotzdem keine Karriere?

Mazal: Sie macht trotzdem keine Karriere, weil ihr vom Arbeitgeber unterstellt wird, sie wird womöglich schwanger. Die Frage, ob die Familienplanung abgeschlossen ist, sollte kein Arbeitgeber mehr stellen. Sie ist letztlich rechtswidrig. In der Sonntagsrede geben sich Unternehmen familienfreundlich in der konkreten Handlung wird bei einer Schwangerenmeldung Panik signalisiert. Nach dem Motto: Wie stellen sie sich das vor, wie soll es weiter gehen.

derStandard.at: Egal ob eine Frau Kinder hat oder nicht, sie ist jemand, der potenziell schwanger wird oder durch Krankheit des Kindes ausfällt? So werden Frauen in der Arbeitswelt wahrgenommen?

Mazal: Ja. Und genau deshalb sollte man den Männern ermöglichen, dass sie sich um ihre Kinder kümmern. Dann reduziert sich die Problemlage für die Frauen.

derStandard.at: Wenn Familien ihre Kleinkinder extern betreuen lassen, werden die Mütter nach wie vor in unserer Gesellschaft als Rabenmütter wahrgenommen. Versagen hier nicht gerade auch konservative Politiker?

Mazal: Ich bin mir nicht sicher, ob Konservative wirklich an diesem Meinungsbild in der Gesellschaft so stark beteiligt sind. Vor zwei Jahren hat der katholische Familienband eine Veranstaltung gemacht unter dem Titel "das Ende der Rabenmütter". Manchmal sind diese angeblich so konservativen Kreise weiter, als sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

derStandard.at: Gerade die "Familienpartei" ÖVP strapaziert den Leistungsbegriff vielfach. Erzeugt man so ein gedeihliches Klima, in dem viele Kinder zur Welt kommen sollen?

Mazal: Ich sehe da kein Problem, wenn man - dies betrifft vor allem die Wahrnehmung - auch jene Leistung anerkennen würde, die in der Betreuung und Erziehung von Kindern steckt. Die Frage "arbeitest du oder bleibst du bei den Kindern" ist da sehr verräterisch, weil sie signalisiert, dass Kindererziehung keine Arbeit sei. Der Leistungsbegriff wird nur dann ein Problem für die Familie, wenn als Leistung ausschließlich die Leistung im Erwerbsprozess anerkannt wird. Das ist aber, soweit mir bekannt, gerade nicht die Linie der ÖVP.

derStandard.at: Die Wirtschaft verlangt von den Jungen Flexibilität und globale Verfügbarkeit. Auch die ÖVP gilt als wirtschaftsfreundliche Partei. Ist sie mit diesem Programm vielleicht auch ein Teil des Problems?

Mazal: Ich glaube, dass Wirtschaft und Familie nicht als gegensätzliche und nur schwer zu vereinbarende Lebensbereiche gesehen werden dürfen. Im Gegenteil: Wirtschaft braucht Familie und umgekehrt. Unternehmen müssen endlich einsehen, dass sie gute Arbeitskräfte finden, wenn sie ermöglichen, das Familienthema zu lösen. Insofern sollten Unternehmen in puncto Flexibilität mit gutem Beispiel vorangehen und jene Flexibilität, die sie von Mitarbeitern fordern, selbst unter Beweis stellen, wenn Mitarbeiter ein Familienproblem haben. Ich kenne etliche Unternehmen, denen das sehr gut gelingt, und sehe, dass sich dieser Zugang auch wirtschaftlich lohnt. In Zukunft wird es übrigens im Kampf um knapper werdende qualifizierte Mitarbeiter wichtig sein, wenn man den Arbeitnehmern ein Angebot auch unter dem Blickwinkel der Vereinbarkeit von Familie und Erwerb machen kann. So gesehen ist es wirtschaftsfreundlich, wenn man die Wichtigkeit des Familienthemas betont.

Und schließlich ist noch zu bedenken, dass "Flexibilität" zwar ein hoher Wert ist, dass es aber auch andere Werte - etwa „Stabilität" - gibt. Letztlich geht es darum, eine ausgewogene Balance zwischen diesen Werten zu finden, was auch im Interesse der Unternehmen ist: Für mich ist Wirtschaftspolitik nur dann gut, wenn sie auch für Familien gut ist. Insofern freue ich mich auch darüber, dass Bundesminister Mitterlehner derzeit wirklich versucht, Wirtschaftspolitik und Familienpolitik zu verbinden.

derStandard.at: Die Großeltern von heute sind vielfach mobiler als frühere Generationen. Sie stehen für die Betreuung ihrer Enkel nicht mehr in dem Ausmaß wie früher zur Verfügung. Welche Konsequenzen hat das?

Mazal: Tatsächlich müssen sich junge Eltern die Kinderbetreuung heute in stärkerem Maß unabhängig von ihren Eltern organisieren als früher. Dies geschieht auch insbesondere durch neue soziale Netze, etwa im Freundeskreis. Und außerdem kann man - trotz mancher Schwächen - heute doch ein viel breiteres außerfamiliales Angebot an Kinderbetreuung als früher zurückgreifen, das im Übrigen auch weiterhin mit vielen öffentlichen Geldern ausgebaut wird. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 5. Juli 2011)

WOLFGANG MAZAL, geboren 1959 in Wien, ist Professor für Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Wien und Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung.

Share if you care
Posting 776 bis 825 von 2603

Was wollen Sie Kasperl mir von Pflichten erzählen? Aber kein Problem dieser Typ Mann hat zunehmend Probleme und dafür die Foren zum Raunzen.

Außer schimpfen können Sie echt nichts. Mit Ihnen würde ich nie Kinder in die Welt setzen.

Keine Sorge, ich bin mir ganz sicher, dass wir uns auch im "Real-Life" aus dem Weg gehen würden. Und das ist auch gut so, denn es besteht kein Grund das nicht zu tun.

Übernehmen Sie mal als Frau Pflichten. Dauernd fordern und wollen und nie Verantwortung übernehmen.

Und auch mehr Pflichten

Den was glauben sie, wer muss sich um das Kind kümmern - täglich - wenn der Mann einmal weg ist.

Frau muss sich da ebenfalls nicht drum kümmern.

z.B. Entferner Bekannter hat sich mit einem Mädel vergnügt. Kind hat er jetzt zu verorgen.

Das glaube ich Ihnen schon, aber in der Regel hat die Frau das Kind. Das ist ja das, was hier im Forum auch so angeprangert wird.

So sieht es das Scheidungsrecht vor. Was wollen Sie mir sagen? Frauen wollen die Kinder ja haben. Ansonsten würden sie diese nicht großziehen.

Frauen wollen die Kinder ja haben

Ich gehe davon aus, dass Männer die Kinder ebenfalls möchte. Andernfalls wäre ihre Aussage ganz schön traurig.

Das ist ja das Problem an der Sache. Wenn die Männer eh keine Kinder wollen würden, bräuchte man darüber erst gar nicht streiten.

Depp der Nation usw.
ich habs nicht gelesen,
aber könnte vielleicht interessant sein,
"So wird der Mann ein Mann",
da ist dann ev. nix mehr mit Depp der Nation
http://www.amazon.de/So-wird-M... 3778792180

männer können in ihrem leben nur zwei fehler machen: heiraten und kinder kriegen.

Nicht nur die Werbung ist Schuld

Wenn eine Frau Kinder bekommt, scheidet sie für 3-5 Jahre aus dem Erwerbsleben aus (bei 2 Kindern). Selbstverständlich ist das ein Problem für den Arbeitgeber. Sie kann aber nicht weiter arbeiten weil:
- Es so gut wie keine Betreuungsplätze für Kleinkinder gibt
- Die Schule heute ohne massive elterliche Unterstützung nur mehr für Hochbegabte alleine zu schaffen ist. Ok, Nachhilfe ist noch eine Lösung

Das betrifft Männer genauso. Denn nicht nur für die Frau fällt ein großer Teil des Familieneinkommens weg. Gleichzeitig wird heute erwartet, dass Männer sich ebenfalls in die Kinderbetreuung einbringen - und viele wollen das auch. Aber Alleinverdiener plus Kinderbetreuung ist schon heftig.

gibt es auch männer, die überlegen, die ersten jahre zuhause zu bleiben?

ja

aber die Partnerin kann ich nicht zwingen arbeiten zu gehen :-) So wurde mir es von zuständiger Stelle erklärt :-)

sicher, aber der Gedanke scheitert am Geld bzw. am Job.

Nur wenn Sie eine Brut/Wurfmaschine ist.

ansonsten "fällt Sie länger aus".
Kinderbetreunung ist ebenfalls ein 150% Job, nur mit dem Unterschied, dass es hier auch um Liebe geht.

Die Blödeste aller Bemerkungen ist die:

Ich bleib beim Kind daheim, solange es geht...
Was? Du willst die ganze Zeit nix tun?!

Unsere Gesellschaft ist zur Produktions- und Verwaltungsmaschine mutiert.

Führt Sie zurück in ein menschengerechtes Leben,
und Ihr werdet glückliche Kinder sehen.

Wennst für die Wirtschaft, sprich die oberste "Elite", die sich schamlos an der Masse bedient, nix tust, bist sofort ein Nichtsnutz.

Ich empfehle gerade jetzt ORF 2, da geht's um Müßiggang.

Diese Welt stinkt.

Na na na....

Das erste Kind mit 3 und das zweite mit 5 in den Kindergarten zu geben, macht eine Frau nicht zur Brut/Wurfmaschine.
In anderen Ländern (Frankreich, Skandinavien, etc.) ist es ganz normal, dass Kinder schon früher fremdbetreut werden, ohne, dass diese Länder deshalb von psychisch Kranken bevölkert werden. Der Mensch ist nun mal ein Rudeltier und in einem Rudel können Kinder auch mal von Artgenossen betreut werden.

Völlig richtig!

Im Hinblick auf die gegebenen sozialen Verhältnisse kann man die Kinderbetreuung außerhalb der Familie nur gut heißen, für die Eltern ebenso wie vor allem für die Kinder. Dass dies in Frankreich und den skandinavischen Ländern seit Jahr und Tag sehr gut funktioniert, dürfte in Österreich aber vor allem deshalb auf Ignoranz und Unverständnis stoßen, als hier immer noch tradierte Wertvorstellungen (mögen sie auch noch so überholt sein) gelten, sowie die damit verbundene Auffassung, dass Kinder quasi persönliches Eigentum sind. Und diese ganze Verquastheit hat ihr Fundament in einer konservativen Familienpolitik, die sich durch alle Parteien zieht. So schauts aus!

Mich würde interessieren...

...wie alt die erste Generation solchermaßen fremdbetreuter Kinder ist und wie es ihnen geht, wie sie dazu stehen, wie sie ihre Eltern sehen und wie das System. Und vor allem, ob sie ihre eigenen Kinder auch femdbetreuen lassen und ob sie überhaupt eine Familie wollen.

Weiters ist es so, dass in Kindertagesstätten nur eine Person für mindestens ein oder zwei dutzend Kinder zur Verfügung steht. Vor allem wenn man Babies mitbetreut kann das zu Engpässen führen, was Zuwendung betrifft. Grundsätzlich ist es für Kinder sußer, in verschiedenen Altersgruppen zusammenzusein, da Kinder von den älteren lernen, und ältere Fürsoge lernen. Wäre auch in der Schule wichtig, nicht nach Alter zu trennen sondern das aufzuweichen.

"Erste Generation fremdbetreuter Kinder"???

Ehrlich, ich verstehe Ihre diesbezügliche Frage nicht. Das Bewusstsein dafür, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, hat sich erst so gegen Ende des 19. Jahrhunderts durchgesetzt, blieb aber noch eine Weile folgenlos. Hingegen war es - quer durch alle sozialen Schichten! - gängig, den Nachwuchs jemandem anzuvertrauen, der besser dafür geeignet war oder schien (Ammen, Adoptiveltern etc.) Im Hinblick darauf, dass die meisten Verbrechen bzw. Vergehen im engsten Familienkreis stattfinden, halte ich eine pädagogisch kompetente "Fremdbetreuung" für weitaus besser!

Mich würde interessieren...

...wie alt die erste Generation solchermaßen fremdbetreuter Kinder ist und wie es ihnen geht, wie sie dazu stehen, wie sie ihre Eltern sehen und wie das System. Und vor allem, ob sie ihre eigenen Kinder auch femdbetreuen lassen und ob sie überhaupt eine Familie wollen.

Weiters ist es so, dass in Kindertagesstätten nur eine Person für mindestens ein oder zwei dutzend Kinder zur Verfügung steht. Vor allem wenn man Babies mitbetreut kann das zu Engpässen führen, was Zuwendung betrifft. Grundsätzlich ist es für Kinder sußer, in verschiedenen Altersgruppen zusammenzusein, da Kinder von den älteren lernen, und ältere Fürsoge lernen. Wäre auch in der Schule wichtig, nicht nach Alter zu trennen sondern das aufzuweichen.

...haben Sie Kinder?

Was geht Sie das denn an?

Es würde Ihre Argumentation legitimieren...

Sonst ist es nix als heiße Luft...

Wach ich, träum ich, oder...

was? Inwiefern bedarf meine "Argumentation" irgendeiner "Legitimierung" durch das Vorhandensein leiblichen Nachwuchses? Mir ist schon bewusst, dass Sie es gut und freundlich gemeint haben und ich weiß das auch sehr zu schätzen. Hingegen bin ich der Meinung, dass Privates nicht unbedingt zum konstruktiven Diskurs beiträgt. Aber, um die offensichtliche Neugier zu befriedigen: Ich habe vier Kinder (mit sehr unterschiedlichen Erfolgen) sowie deren Kinder und eine noch weit größere Anzahl junger Menschen aufgezogen bzw. betreut bzw. deren Ausbildung betrieben.

Ich habe ein Kind und gebe ihm recht auch wenn er kein Kind hat und aus.

Oder anders gefragt:

Warum muss in unserer Gesellschaft jemand anderer mein Kind betreuen?
Warum sind die Kinder die von der Tante betreut werden nicht Ihre? Weil si Kinder betreuen muss, hat sie keine Zeit zum Kinder Kriegen?!
Die die welche kriegen, müssen sie in Betreuung geben bei welchen die keine kriegen können, weil sie keine Zeit haben, oder auch in Betreuung geben müssten.

Die "jeder betreut den Anderen" Gesellschaft, in der niemand Zeit für den anderen hat.

Vielleicht weil es für Kinder GUT ist, mit vielen anderen Kindern zusammenzukommen, Freundschaften aufzubauen, andere Erwachsene kennenzulernen, etc.?
Ich sage ja nicht, dass jedes Kind möglichst früh fremdbetreut werden MUSS, ich sage nur, dass das per se nichts Schlimmes ist. grundsätzlich bin ich für 100%ige Wahlfreiheit der Eltern.
Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, aber dem man beginnen muss, ein wenig loszulassen, die Kinder anderen Einflüssen auszusetzen. Meinen Sie es ist gut, wenn ein Kind erst in der Volksschule zum ersten Mal mit fremden Kindern in Kontakt kommt?

Ich sag aj nix gegen andere Kinder, ich stelle die Ersatzmutter in Frage!!!!

als ob jede kindergartentante auch grad im gebärfreudigen alter ist. die ist dann halt auch ein paar jahre nicht im job, die andren 40 ist sie tante.

wenns selber kinder bekommt hat sie sogar den vorteil, dass sie im kindergarten ihre eigenen kinder mitbetreuen kann UND dafür auch noch geld kassiert.

win - win situation sozusagen.

warum ersatzmutter? erstens gibt auch - wenige aber doch - kindergartenonkels. zweitens wer sagt, dass die betreuerInnen im kindergarten "ersatz" für die eltern sein sollen? die eltern kümmern sich doch trotzdem um das kind, auch wenn es in den kindergarten geht - morgens, nachmittags (wenn es ein halbtagskindergarten ist) u abends. ich versteh ihr problem nicht - es gibt soviele einzelkinder denen sterbenslangweilig zuhause ist, die wahnsinnig gern in den kindergarten gehen! sie tun gerade so, als müssten die zur zwangsarbeit.

Wer hat denn vom Kindergarten geredet?

Ja aber wie wollen Sie das anders bewerkstellugen?

Eine Stunde am Spielplatz mit immer wechselnden Kindern in einer großen Stadt ist nicht das Selbe. Und eine Kidnergartentante wird nicht zur Ersatzmutter, es sei denn die beziehung zur Mutter war vorher schon problematisch. Wenn nicht, ist die Mutter immer die Mutter und der Vater immer der Vater.
Außerdem legen die Kindergartentanten die ich kenne ihr Verhältnis zu den Kindern ganz bewußt so an, eben NICHT eine Ersatzmutter, sondern ein für die Kinder neuer "Typ" von Mitmensch, von dem sie auch eine Menge lernen können.

Freund, Sie verennen sich....

lesens einfach was ich schreibe, und versuchens zu verstehen was ich meine. Interpretierens nicht irgend einen Schwachsinn, der Ihnen in den Kram passt, hinein.

oder anders: Meine Kinder haben Freunde weit über diese Welt verstreut, Gross und Klein. Und einige sehen Sie täglich. Sie gehen in Kindergärten und Schulen, und.......

Als die Franzosen
noch gute Philosophen und gute Filmemacher hatten ,
wurdrn die Kinder nicht kurz nach der Geburt
in den Hort gegeben .

dann müssts ja die allerbesten österreichischen philosophInnen und filmemacherInnen geben... fällt mir gleich eineR ein... gleich...

Als es weder in FR noch in AT flächendeckende Kinderbetreuung gab, gab es in FR dennoch mehr große Filmemacher und Philosophen pro Million Einwohner. Da waren wohl andere Faktoren dafür verantwortlich...

"Da waren wohl andere Faktoren dafür verantwortlich..."

auch ,
da können sie recht haben ,
die individuelle Entwicklung ,
die zwar auch für unsere Kindergärten ... von Pädagogen behauptet wird ,
aber nur aus Mangel betont wird ,
ist doch ,
im Vergleich zu Lebenswegen der Vergangenheit
sehr karg .

Der baldige Einstieg
in eine gute Umgebung (staatliches Erziehungssystem) sollt ja eine Chancengleichheit bringen . Von dieser Chancengleichheit entfernt sich unsere Gesellschaft ,
auf der anderen Seite fehlt , durch die Normierung ,wie ich meine ,
Perspektive ,
die sich z.B. in Philosophie entwickelt ....

Wozu will ich ein Kind, wenn es dann "Fremdbetreut" werden muss?

Kaufst Du dir ein Auto, ums dann - ausser wenn du schläfst - einer "Autotante" zur Betreung zu übergeben????

Da gehts nicht um psychische Krankheiten, da geht´s schlicht um die Sinnfrage.

Jetzt weiss ich warum so viele Männer die ersten Jahre in der Garage verbringen - das ist um das Auto aus dem gröbsten rauszupflegen, damit es keinen seelischen Schaden erleidet und nicht neurotisch wird.

Wieder was gelernt.

Hi Lectrice, Sie haben natürlich sofort alles durchschaut!

Reife Leistung, Bravo!!!

aber bleibst du die ersten jahre den ganzen tag zuhause, um auf das auto aufzupassen?

Für ein Auto nicht, FÜR EIN KIND SCHON.

Das Auto ist mir "wurscht".

warum dann der hinkende vergleich mit dem auto....

...war nicht für Sie ;-)!

Jedes Elternpaar muss das für sich entscheiden, mir geht es nur darum, dass es für die Kinder keinen Schaden bedeutet, da gibt es Millionen Gegenbeispiele.
Hauptsächlich aber war mir Ihr Beispiel zu extrem, ab 5 ist ohnehin Kindergartenpflicht, ab 6 Schulpflicht und mit 3 in den Kindergarten zu kommen, ist für das Sozialverhalten nicht das Schlechteste.
Man muss das Kind ja nicht 12 Stunden am Tag in den Kindergarten geben, wenn ein oder beide Elternteile Teilzeit und/oder zeitversetzt arbeiten kommt man oft mit 6 Stunden durch. Natürlich muss der Vater dann auch seinen Teil tun.

Mir gehts nicht um "müssen", ich möchte die Freude erleben mein Kind kennenlernen zu können, seine Schritte mitzuverfolgen, was es lernt usw.,

Posting 776 bis 825 von 2603

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.