CDU: Partys mit hunderten und tausenden Gästen würden "öffentliche Sicherheit und Ordnung" gefährden
Eigentlich wollte Thessa aus Hamburg nur mit ein paar Freunden ihren 16. Geburtstag feiern. Schnell war die Einladung über das soziale Netzwerk Facebook ausgesprochen. Doch leider setzte Thessa ein Häkchen falsch: Statt nur ihre Freunde einzuladen, erfuhr die ganze Facebook-Community von der Sause.
1.600 Gäste
Und dann standen abends 1.600 "Gäste" vor der Tür. Es kam zu Ausschreitungen, die Polizei nahm acht Teilnehmer fest. Ähnlich verlief eine Facebook-Party in Wuppertal mit 800 Gästen. Es gab 41 vorübergehende Festnahmen und 16 Verletzte. Die Kosten beliefen sich auf 120.000 Euro, für die wohl der Steuerzahler aufkommen muss. Da die Einladung anonym eingestellt worden war, kann niemand in Regress genommen werden.
"Massives Sicherheitsproblem"
Einige deutsche Länder-Innenminister sind daher seit Neuestem in höchster Alarmbereitschaft. "Wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, müssen Facebook-Partys im Vorweg verboten werden", sagt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Auch sein bayerischer Amtskollege Joachim Herrmann (CSU) warnt, dass aus einer harmlosen Einladung ein "massives Sicherheitsproblem" werden könne.
"Mit Verboten kommen wir da nicht weiter"
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hingegen meint: "Mit Verboten kommen wir da nicht weiter. In Deutschland denkt auch keiner darüber nach, den Fußball zu verbieten, nur weil es gelegentlich am Rande durch einige Krawallmacher zu Problemen kommt." Er setzt auf verstärkte Zusammenarbeit mit Facebook. Die Aufrufe zu Massenpartys müssten aus der Anonymität geholt werden. Denn, so Jäger: "Es gibt auch eine beschränkte Mithaftung einer solchen Plattform, wenn Schäden entstehen."
Einen Aufruf für eine Mega-Party mit 50.000 Menschen in Bochum hat Facebook mittlerweile gelöscht. Der Initiator wollte die Massen auf einen Platz bitten, auf den nur 2000 Menschen passen. Chaos zu produzieren sei nicht im Sinne von Facebook, erklärte ein Sprecher. (bau/ DER STANDARD Printausgabe, 5. Juli 2011)