Fast hundert Demonstranten nach Protest in Minsk verurteilt - Rund vierhundert Menschen festgenommen
Minsk - Bereits einen Tag nach der erneuten Niederschlagung von
regierungskritischen Protesten sind in Weißrussland fast hundert Demonstranten
verurteilt worden. Die meisten der Oppositionellen hätten Gefängnisstrafen von
neun bis 15 Tagen erhalten, erklärte die Organisation Wjasna am Montag. Die
Demonstranten hatten am Sonntag durch bloßes Klatschen gegen Präsident Alexander
Lukaschenko demonstriert, es gab rund 400 Festnahmen.
"Das sind wahre Kettenprozesse", teilte die Menschenrechtsorganisation mit.
"Die Angeklagten haben keine Möglichkeit, ihre Unschuld zu beweisen." Insgesamt
sollten demnach am Montag rund 140 Menschen in Minsk und dutzende weitere in
anderen Städten vor Gericht gestellt und verurteilt werden. Ihnen allen werden
Randale vorgeworfen. Darauf stehen in Weißrussland bis zu 15 Tage Haft.
Hunderte Festnahmen
Bei den Protesten am Rande der Unabhängigkeitsfeiern waren am Sonntag
landesweit laut Wjasna fast 400 Menschen festgenommen worden, davon allein in
Minsk 210. Demnach kamen 17 festgenommene Journalisten in der Nacht wieder frei.
Die weißrussische Opposition hatte ihre Anhänger dazu aufgerufen, ihren Unmut
über die autoritäre Herrschaft von Präsident Lukaschenko durch lautes Klatschen
auszudrücken. Aktionen dieser Art veranstalten die Regierungsgegner in jüngster
Zeit regelmäßig. Am Sonntag gingen die Sicherheitskräfte besonders brutal gegen
die Teilnehmer der Applaus-Aktion vor. Wie ein AFP-Korrespondent berichtete,
setzten sie Tränengas ein und schlugen auf Aktivisten ein.
Der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Regierung, Markus Löning, zeigte
sich "zutiefst empört" über das Vorgehen der weißrussischen Behörden. "Die
friedlichen Demonstranten müssen umgehend freigelassen werden und straffrei
bleiben", hieß es in einer vom Auswärtigen Amt verbreiteten Erklärung.
Deutschland stehe an der Seite derjenigen weißrussischen Bürger, "die sich mutig
und unerschrocken für Freiheit und Demokratie einsetzen".
Lukaschenko ist seit fast 17 Jahren an der Macht und steht insbesondere wegen
der Niederschlagung der Proteste gegen seine umstrittene Wiederwahl im Dezember
international in der Kritik. Gegen die Opposition in seinem Land geht er seitdem
noch härter vor. (APA)