Luftig-leichte Betonskulpturen an der TU Wien entstanden

4. Juli 2011, 18:15
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Neues Verfahren überzieht Luftpölster mit einer dünnen Betonschicht

Wien - Eine an der Technischen Universität (TU) Wien neuentwickelte Beton-Rezeptur ermöglicht es, Luftpölster mit einer dünnen Betonschicht zu überziehen und damit relativ leichte Gebilde zu erzeugen, die trotzdem stabil und tragfähig sind. Für Baukunst und Architektur würden sich dadurch ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten ergeben, teilte die TU am Montag in einer Aussendung mit.

Am Beginn des neuen Verfahrens stehen Luftkissen, die in die gewünschte Form gebracht werden. Dann werden sie mit Spezialbeton bespritzt, wobei ein Vlies eingearbeitet wird, das Risse verhindern soll. "Entscheidend ist die genaue Zusammensetzung des Spritzbetons", erklärte Johannes Kirnbauer vom Institut für Hochbau. Das Material muss einerseits eine gute Pump- und Spritzfähigkeit haben, andererseits auf den Luftpölstern rasch aushärten. Benötigt werden dazu eine Verflüssigungssubstanz, die das problemlose Aufspritzen des Betons erlaubt, und Erstarrungsbeschleuniger, wie sie etwa auch im Spritzbeton beim Tunnelbau eingesetzt werden.

Festigkeit des Betons

Die TU-Bauingenieure haben offensichtlich die richtige Mischung für diesen "Ultra High Performance Concrete" gefunden. "Die Festigkeit dieses Betons ist etwa dreimal höher als die Festigkeit von gewöhnlichem Beton - sie kommt schon beinahe an jene von Stahl heran", erklärte Karl Deix. Eine so hohe Festigkeit ist nötig, weil schlussendlich eine dünne Schicht von wenigen Zentimetern ausreichen soll, um eine stabile Schale zu bilden.

Bisher wurden große Betonelemente laut TU ganz anders hergestellt: Normalerweise wird ein schweres, tragendes Gerippe gegossen, das dann verkleidet werden muss. Der neue Spritzbeton soll ein viel freieres, gewagteres Experimentieren mit außergewöhnlichen Formen ermöglichen und Architekten ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten. StudentInnen der Fakultät für Architektur haben sich in einer Lehrveranstaltung bereits mit der neuen Betonspritztechnik beschäftigt. Dabei entstanden Skulpturen von mehreren Metern Länge. Die Ergebnisse seien nun in der Seestadt Aspern zu sehen. (APA/red)

  • Eine Seestern-Skulptur aus Spritzbeton wird abtransportiert.
    foto: tu wien

    Eine Seestern-Skulptur aus Spritzbeton wird abtransportiert.

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