Griechischer Schuldenstrudel zieht nach unten

Daniela Rom, 4. Juli 2011, 15:26

Die Griechen-Rettung, die einmal mehr keine ist

So, dann hätten wir Griechenland also auch wieder gerettet. Vorläufig zumindest ganz sicher einmal. Die Euro-Finanzminister haben schließlich am Wochenende beschlossen, dass Griechenland die nächste Tranche aus dem im Vorjahr beschlossenen Hilfspaket erhält. Der Juli ist damit gerettet! Vielleicht sogar noch der August. Denn die angedachte neue Hilfe, über die entscheidet Euroland erst im Herbst. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es. Nur hilft es deswegen auch nicht mehr.

Man könnte aus der Metaphern-Kiste einmal mehr das Damoklesschwert herauskramen, das ein bisschen weniger tief hängt. Aber hängen tut es immer noch. In die tieferen Sphären von Finanzwelt, von Staatsanleihen, Staatsschulden, Kreditversicherungen braucht man zur Erklärung erst gar nicht gehen. Wäre der Hausverstand nicht schon längt an einen Supermarkt verleast, bliebe man nämlich schon an der grundlegenden Frage hängen: Ist es wirklich schlau, neue Schulden aufzunehmen, um die alten Schulden zu begleichen?

Jeder, der schon einmal auf einem Schuldenberg oder einer Schuldengebirgskette gesessen ist, weiß wie's geht: Wer Schulden bei A mit Schulden bei B begleicht, hat am Schluss immer noch Schulden und nix erreicht. Über die Kreditkosten wie Zinsen oder dergleichen reden wir erst gar nicht. Bei den Griechen ist das so viel anders nicht, auch wenn die Experten und Politiker uns gerne weismachen wollen, dass ja alles so kompliziert sei und so verflochten und so systemrelevant.

Verfahren ist die Situation mittlerweile auch ganz sicher. Das Herumgewurstel aller Beteiligten in der Griechenkrise dient vor allem einem: Dass es länger dauert, bis es zu echten Lösungen, oder eben dem endgültigen Crash kommt. Was fehlt, ist also nicht nur ein klarer Weg, der über einen Schuldenschnitt, Sparpakete, aber auch eine verpflichtende Einbindung von Banken und Finanzinstituten bei der Krisenbewältigung führen muss, sondern vor allem auch der Mut, aus alten Mustern auszubrechen. Dass das nicht zum überwiegenden Teil auf dem Rücken der Bevölkerung - sei es der griechischen oder auch der gesamt-europäischen - ausgetragen wird, das müsste das Hauptziel der Verantwortlichen sein. Vielleicht ja dann im Herbst. (Daniela Rom, derStandard.at, 4.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
Kritiker1A
00
Die anleger bekommen ja wegen des weit höheren Risikos auch weit höhere Zinsen, daher ist es gar keine Frage, dass die Gläubiger dieses Risiko auch realisieren müssen.

Es ist eine Zumutung, dass die Steuerzahler die Last zu tragen haben, und die Banken dennoch die höheren Risikozinsen kassieren dürfen.

myxdgh
 
01
also ich find den artikel net schlecht,

denn jeder der uns daran erinnert wie grottenschlecht & dilettantisch wir von unseren staats- & europapolitikern vertreten werden - kann nicht so falsch liegen. ;@)

Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
 
24
Gescheite Daniela

"Dass es länger dauert, bis es zu echten Lösungen, oder eben dem endgültigen Crash kommt."

Was, bitte, ist denn eine "ECHTE" Lösung?

Sie wissen wieder einmal nur, was keine "echte" Lösung (oder Crash, was ja offensichtlich für Sie keine "echte" Lösung ist -> womit ich im Übrigen mit Ihnen einverstanden bin) ist, richtig?

Ich halte die obergescheiten Meinungsartikel von Journalisten, die immer genau wissen, was gerade nicht "echt" oder "gescheit" oder "richtig" ist, für genau das, was letztlich "echte" Lösungen verhindern wird: Dümmliches Aufgerege.

Was, genau, hat Daniela Rom an Vorschlägen vorzubringen, die eine "echte" Lösung wären? Genau gar nichts.

Kritiker1A
00
Schuldenschnitt was sonst. Also Vergleich mit den Gläubigern wie bei jeder Insolvenz.

cash cow1
05

eine echte lösung wäre zb, sich bei den krisengewinnlern der letzten drei jahre das geld zu holen, anstatt bei den kleinen steuerzahlern zu kassieren und ansonsten alles mögliche zu zu kürzen.
es ist alles eine frage der fairness, und wenn man nicht will daß es in absehbarer zeit zu unruhen kommt muß man einen gesamteuropäischen umverteilungsplan von oben nach unten machen. und als erstes eben mal die krise von denen bewältigen zu lassen die ohnenhin genug finanzielle mittel haben.

verinus
00

das würde ja voraussetzen, dass journalisten experten sind. sind sie aber nicht- zumindest der großteil nicht.

gerade in wirtschaftsfragen können die meisten bloß ideologisch zbw. politisch gewollte antworten geben.

Christoph Baumgarten
03
Worin sie sich

aber von den so genannten Experten, den Wirtschaftswissenschaftlern, im Regelfall kaum unterscheiden.

sleepyc
01
nicht zu vergessen: jene in den rating-agenturen

aiuto
00
naja, die dort machen auch politik !

Medien - Die Pest unserer Tage ... ?
 
00
Wenn ein "Rettungspaket" die trikolore Schleife trägt ...

... sollte man stets nachfragen, wessen Interessen damit nun eigentlich verteidigt werden sollen ... ;-)

Der Alte vom Berge
02
Nicht Griechenland soll gerettet werden, sondern die Banken

Diesen Umstand allerdings politisch zu Verkaufen darf als Unmöglich bezeichnet werden, "WIR DIE BANKEN" klingt weniger nach Solidaritäts Slogan, zudem gäbe sich das System die Blösse Unvermögen wie Unwillen zur Evoluierung seiner Selbst öffentlich Einzugestehen !

Griechenland ist bereits Pleite. ^^

M Help
15
Es ist nicht der "griechische Schudlenstrudel"

Es ist der Schuldenstrudel der USA. Sie sind in 28 Tagen zahlungsunfähig.

In ihrem Auftrag attackieren ihre Agenturen ein europäisches Land nach dem anderen. Das lenkt von den eigenen - sehr viel größeren - Problemen ab. Um die Agenturen gefügig zu machen, drohte ihnen die US-Regierungsbehörde Betrugsklagen, wegen ihrer Rolle als Auslöser der Weltfinanzkrise 2008 (an deren Folgen u. a. Griechenland noch heute laboriert) an. Geklagt haben sie bis heute noch nicht, das war ja auch nicht der Sinn der Drohung. Es ging draum, die Agenturen gefügig zu machen und sie zu instrumentalisieren.

Seit gestern ist Italien als Zielobjket an der Reihe.

Kritiker1A
00
Das in den USA noch keine EInigung besteht, ist einfach ein Inszinierung für dass dumme Volk !

Die Politik tut so als würde Sie an einer Lösung arbeiten.

In Wahrheit wird der max. Schuldenbetrag garantiert hochgesetzt, und das Spiel geht wie gehabt weiter.

Alle Maßnahmen die gesetzt werden sind sinnlos, weil keiner von der Schuldenpolitik abgehen möchte.

Dabei könnte die USA rasch 5000 Milliarden per anno einsparen. Einfach die Kriege beenden.

aiuto
00
Sie tun ja grad so, als ob die Griechen eh die lautersten Euro-Teilnehmer wären,....

mitnichten ! Was haben diese Südeuropäer denn mit den unendlich vielen EU-Fördermillionen gemacht, die sie in den letzten Jahrzehnten bekommen oder die sie für sich erpresst haben? wahrscheinlich nichts ! Die haben sich anscheinend in den letzten dreissig Jahren mit Duldung der Eu wirklich das schöneste Leben gemacht. Bei eltichen anderen Ländern wurden die EU-Mittel dazu verwendet, um die Infrastruktur zu verbessern, um die Industrie auf Vordermann zu bringen. In Griechen land ist dieses GELD VERSICKERT. Wahrscheinlich haben sogar die Süditaliener trotz Maffia besser gewirtschaftet - vermute ich halt einmal !

sensortimecom
00
zahlungsunfähig?

Nicht wirklich. Die USA können sich als einziges Land der Welt leisten Geld zu drucken so viel sie brauchen. Das mit den Ratingagenturen ist alles Bluff.

Kritiker1A
00
Die USA könne sich dass auch nur "leisten", weil zur zeit wegen der allgemeinen Verschuldung in den USA, Staat, Bundesstaaten und Bürger keine Inflation droht.

Früher oder später wird es aber knallen !

Medien - Die Pest unserer Tage ... ?
 
00
Ein einziger einzeiliger Verfassungszusatz reichte aus ...

... um wieder die nötige Ruhe auf den Finanzmärkten einkehren zu lassen.

"Bereits an Staaten gewährte Kredite, werden, so es der Schuldner wünscht, einfach fortgeschrieben, solange es dem Schuldner gefällt und zumindest der Zinsendienst erfolgt."

Und all die Hysterie um Schuldenmoratorien, Kreditllinienverlängerungen usw. gehörten der Vergangenheit an.

Max Frisch Morgenessen
04

Eigentlich geht es nur noch darum, wer den Schuldenerlass für Griechenland finaziert. Zur Debatte stehen:
a) Alle EU-Bürger und viele US Bürger über Rettungspakete (ob für Griechenland, oder sollte es tatsächlich zu einem Konkurs Griechenland kommen, für die Banken)
b) Durch Streichung von Leistungsansprüchen für Griechen, auch von solchen die redlich erworben wurden.

Jetzt wird halt ausgeschnappst, wer wieviel beitragen darf.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeiten kann man ausschliessen, dass ein Spitzenmanager, Banker oder Industrieller um seine Ansprüche umfallen wird.

Kritiker1A
00
Es ist doch schon längst entschieden, dass die Bürger dafür aufkommen sollen !

Dalien
 
01
Das Damoklesschwert hängt nicht tiefer...

Das würde die Wucht, mit der es herunterfällt vermindern...Der Faden an dem es hängt ist dünner geworden.
http://www.youtube.com/watch?v=RZL4uVMr2I0

unser 1
 
02
Möglichkeiten gibt es (ein vereinfachte Auswahl):

Griechenland könnte sich bei EU-willen und echtem Willen der Griechen recht bald sanieren:

- Abgabenquote von ca. 33% --> 40%
- Rüstung/Armee von ca. 4% --> 1%
- Verwaltung nur ein Beispiel:
Parlament von 300 auf 100
- Strukturanpassungen dort wie hier gibt es
2 bis 5-gleisigkeiten zu Hauf --> Schlankere Verw.
- Die EU ringt sich dazu durch Verträge zu machen die es der EZB erlaubt Anleihen aufzulegen damit Gr nicht neue Schulden mit 20% Zinsaufschlag stemmen muss.

Das Potential ist Vorhanden. Mit einer klar formulierten Strategie der EU und Einstellungsänderung der GR-Politiker und bis dato Wenigsteuerzahler kann die Situation gemeistert werden.

Auf jeden Fall erst 2020 zurück an den Kapitalmarkt.

vandermonde
00
hm...

- Abgabenquote OK...
- Armee: prinzipiell sinnvoll - nur wohin mit den dabei zwangsläufig freiwerdenden Soldaten? Und wo fehlen die 3 % dann? Welche Firmen gehen dabei pleite?
- Parlament bringt nix...
- schlankere Verwaltung hat dasselbe Problem wie die Armee - wohin mit den ganzen Leuten? (wäre übrigens dasselbe Problem bei uns)

d.h. das geht nur über einen längeren Zeithorizont...

Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
 
00
Zustimmung

Und dazu angemerkt: Vieles, was schon bisher beschlossen wurde, geht in die Richtung.
Allen Daniela Roms zum Trotz.

Gerhard1967
00
zeit ist illusion

liebe grüße

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.