Schüler interviewen Faymann

Bundeskanzler sein lernt man nicht im Kurs

Lisa Aigner, 4. Juli 2011, 14:35
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    "Ein Minister muss vorher politisch tätig gewesen sein", Faymann über die Auswahl seiner Minister.

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    Faymann will erreichen, dass "alle Menschen gleich viel Wert sind" - so erklärt er seine Motivation.

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    Die Klassenkameraden fotografieren ihre Kollegen beim Interview mit dem Kanzler.

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    Zum Schluss gab es ein Gruppenfoto.

Faymann erklärte einer Schulklasse wie er seine Minister auswählt und wo er seine Motivation hernimmt

"Ich war mit seinen Antworten sehr zufrieden, er hat auf die Fragen sehr ausführlich geantwortet und seine Aufgaben habe ich gut verstanden", Stefanie (14) spricht schnell. Sie es etwas aufgeregt und war vor dem Interview mit Bundeskanzler Werner Faymann auch etwas nervös. Ihre Fragen hat sie ihn trotzdem selbstsicher und mit fester Stimme gestellt. Faymann ist sichtlich beeindruckt von den Fragen der Schüler und Schülerinnen einer vierten Klasse aus einem Gymnasium in Wörgl: "Das ist hier richtig professionell, wie auf dem Küniglberg (Sitz des ORF, Anm.)".

Die "Demokratiewerkstatt" des Parlaments bietet Jugendlichen zwischen zehn und vierzehn Jahren die Möglichkeit, sich politisch zu bilden. Die Klasse, die heute einen Workshop macht, produziert einen Film und eine Zeitung. Dazu stellen sie dem Bundeskanzler ihre Fragen über das politische System, seine Aufgaben, das Pensionssystem und zur Europäischen Union. Auch Finanzministerin Maria Fekter und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz waren schon zu Gast. 

Wählen ab 16

Seit 2007 dürfen Jugendliche ab 16 wählen. Österreich ist hier Vorreiter innerhalb Europas. Trotzdem herrscht die Meinung, dass Jugendliche kaum an Politik interessiert sind. In der Schule ist politische Bildung kein eigenes Fach, Politik wird im Geschichteunterricht gelehrt. In der Demokratiewerkstatt können Jugendliche ihre Fragen an die Politiker direkt richten. 

Gegen Quereinsteiger als Minister

"Wir haben recherchiert, dass sie selbst ihre Minister auswählen können. Was muss ein Minister mitbringen?", fragt eine der Schülerin in ihrem Interview mit dem Bundeskanzler. "Ein Minister muss vorher politisch tätig gewesen sein", sagt Faymann. Dass mit der ehemaligen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner eine Ministerin angelobt wurde, die keine politische Erfahrung hatte, erwähnt er nicht. Genauso wenig erklärt er, dass er in der politischen Realität als Bundeskanzler nur die SPÖ-Minister und nicht die ÖVP-Minister auswählt. Dafür erzählt Faymann, dass er Unterrichtsministerin Claudia Schmied gewählt habe, weil sie sich für Bildung engagiere und Staatssekretär Josef Ostermayer weil er "Spezialist für das Herbeiführen von Kompromissen" ist. 

Im Blitzlichtgewitter

Faymann muss immer wieder den Platz wechseln. Vor zwei Wänden, eine zeigt Cartoons der Demokratiewerkstatt, eine andere eine Europakarte, wird er abwechselnd von mehreren Schülern befragt. Die Mitarbeiter der Demokratiewerkstatt filmen mit, später wird aus den Interviews ein Film geschnitten. Es wird aber nicht nur gefilmt, auch die anwesenden Medienvertreter und die Schüler fotografieren mit ihren Handykameras. Das Blitzlichtgewitter bringt die jungen Interviewer aber kaum aus dem Konzept, souverän stellen sie ihr Fragen und Faymann antwortet in gewohnter Rhetorik. 

Vom Schüler zum Kanzler

Ob er schon immer Bundeskanzler habe werden wollen? "Ich war schon als Schüler politisch engagiert", antwortet Faymann. Er habe nicht nur kommentieren wollen, sondern auch "aktiv was machen". Seine Motivation für den Beruf sei, dass er erreichen wolle, "dass Menschen gleich viel wert sind. Wenn man sich nicht engagiert, zählt nur, wer am meisten Geld hat", so der Kanzler. Für das Bundeskanzler werden gäbe es allerdings keinen eigenen Kurs, scherzt Faymann. Er habe lange in politischen Ämtern gearbeitet und so das Geschäft gelernt.

In den kurzen Pausen zwischen den Fragen führt er Smalltalk mit den Schülern. Ob sie davor schon in Wien gewesen seien? Die meisten verneinen. "Was stört Sie an Europa?", fragt er eine Schülerin, die ihn gerade zu diesem Thema interviewt hat. "Gar nichts, darüber habe ich nicht nachgedacht", antwortet sie verlegen. 

Politische Bildung: "Mit dem Herzen bei der Sache"

Anita Gellner ist Deusch- und Geschichtelehrerin und Klassenvorstand der Schüler. Dass ausgerechnet ihre Klasse den Bundeskanzler befragen darf war Zufall, sagt sie. Sie habe eine Wien-Fahrt geplant und sei auf die Webseite der Demokratiewerkstatt gestoßen. Wie motiviert sie ihre Schüler dazu, Interesse für Politik zu haben? "Man muss mit Herz bei der Sache sein", sagt Gellner, "und die Themen auf ihre Ebene bringen".

Die Fragestunde an Faymann geht langsam zu Ende. Vor der Kamera sitzen nun zwei Schülerinnen, ein Schüler und der Kanzler. Er erklärt seine Aufgabe: "Die Regierung politisch führen". Das "stärkste" Element der Regierungspolitik sei die Vorbereitungsarbeit für Gesetze. Hier würde er gemeinsam mit den Sozialpartnern und anderen Interessensvertretern verhandeln. Auch Volksbefragungen würden dabei helfen.

Nach dem Gruppenfoto mit dem Kanzler geht der Workshop für die Schüler weiter. Jetzt müssen sie den Film schneiden und eine Zeitung produzieren. Die ersten setzen sich an den Computer und machen sich an die Arbeit. Bundeskanzler Faymann ist vom Erklären wieder zum Amtieren übergegangen. In einer Halle, abseits von den Schülern, gibt er den Jounalisten sein Statement zum Tod von Otto Habsburg. (Lisa Aigner, derStandard.at, 4.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
12 bar blues
01
Bundeskanzler sein lernt man nicht im Kurs

stimmt die Kurse fehlen im Wifi Kursbuch:
Korruption
Lang reden ohne was zu sagen
Auf nichts festlegen lassen
Leere Versprechungen machen ohne die geringst Absicht sie zu halten

also dann ...
00
stimmt ... e r ...

kanns ja auch nicht !

soviel kann er gar nicht mehr lernen...

apoptosis
01

"Was stört Sie an Europa?", fragt er eine Schülerin, die ihn gerade zu diesem Thema interviewt hat. "Gar nichts, darüber habe ich nicht nachgedacht", antwortet sie verlegen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
26
Brav

Bei keiner Frage bestand die Gefahr, daß die Gedankenpolizei einschreiten mußte.

Kidlets zufrieden, mangels politischer Bildung.

Kanzler zufrieden, mangels politischer Bildung.

Lehrer zufrieden, mangels politischer Bildung.

Film schneiden. Zeitung produzieren.

Überzeugt sein, daß Ozeanien immer im Krieg mit Eurasien befindlich ist.

Dankbar sein, für die Auskunft.

Demütig.

Seelen, weiß wie Schnee.

Lernen. Verstehen. Akzeptieren.

http://trollcats.com/wp-conten... ollcat.jpg

Trollscore
011

"Ich war mit den Fragen sehr zufrieden, sie haben sehr einfach formuliert und ich habegut verstanden", Werner (51) spricht schnell. Er ist etwas aufgeregt und war vor dem Interview auch etwas nervös.

vheissu
010
Liebe Kinder

...ich habe keinen Beruf erlernt und auch nicht studiert, schaut dass ihr das nicht auch so macht!

Heavyweather
00

Hätte ich nur nix gelernt und nix studiert...
warat i nur Bundeskanzler geworden.
So schlecht scheint es ihm ja nicht zu gehen.

anitfaschist
10

ich verstehe dieses ständige politiker bashing nicht.
hast du jemanden im bekanntenkreis der eine höhere politische funktion ausübt?
ich nämlich schon. und ich kann dir sagen: diese person hat keine freizeit. kein privatleben.
und der beruf politiker ist ein erlernter beruf. dazu gehört rhetorische schulung usw.
aber jemand der einfach sagt der is dumm der is schlecht der hat keine ahnung ist vielleicht selber ein bisschen ungeblidet dumm und hat keine ahnung.
(gilt übrigens für alle politikerInnen und soll keine in schutz maßnahme von faymann sein.)

Alpensaga_Wurzel
16
Mir würde jetzt viel einfallen,

aber würde ich das hier schreiben, würde es wahrscheinlich der Zensur zum Opfer fallen.
Der Typ verarscht uns am laufenden Band...

Kapitalismus Luege
00
sein's net so hart

als Talent-Scout macht er sich gut.

Vielleicht findet er ein paar Nachwuchshoffnungen. Weil seine Generation hat's ja schon vergeigt.

vheissu
01

Generation Laura & Niko scharrt eh schon in den Startlöchern!

Flip
00
>Jetzt müssen sie den Film schneiden und eine Zeitung produzieren.

Dachte Kinderarbeit is verboten.

Rauhreif
03

"Kaum lässt man kurz den Kopf hängen, hat man schon zugestimmt." - Werner Faymann auf die Frage, warum die SPÖ alle furchtbaren Gesetzesideen der ÖVP abgenickt hat.

F.B.
 
26
wenn feymann übers bundeskanzler sein redet

ist das ca so als ob ein blinder über farben philosophiert

Heavyweather
00

oder der Niki Lauda über Formel 1

stretfordender
03
Anita Gellner ist Deusch- und Geschichtelehrerin und Klassenvorstand der Schüler. Dass ausgerechnet ihre Klasse den Bundeskanzler befragen darf war Zufall, sagt sie.

Die gute Frau weiß schon, warum ihre Schule den Zuschlag bekommen hat.
Schließlich sollen die Tiroler Kinder auch einmal einen Sozialisten zu Gesicht bekommen, bevor diese Spezies dort ganz ausgestorben ist :D

TheUninvitedGuest
 
03
"..., Stefanie (14) spricht schnell. Sie es etwas aufgeregt und war vor dem Interview mit Bundeskanzler Werner Faymann auch etwas nervös."

Redakteur (12?) es auch etwas nervös?

Wolfgang Ullram
04
ah ja

Bundeskanzler sein lernt man nicht im Kurs

wär er halt zu humboldt gegangen

den hol ich locker ein und mach den bundeskanzler und den bundespräsidenten....
da kann ich lernen wann ich will und wo ich will!

macstar
17
endlich ist faymann mal mit leuten zusammen

die geistig genauso reif und weit sind wie er selbst.

dolly
00

KÖSTLICH UND TREFFEND IHR POSTING!

florus flagrantius
02
unterschätzen sie die kinder nicht --- die durchschauen jede lüge, und fragen beinhart nach.

und ich bin mir gewiss, dass er auf dieses kindliche nachfragen auch keine antworten weiss.

ruzika
02
faymann scheint zu wissen, wovon er spricht.

Zamperl
17
So einen Kurs hätte er wohl nicht bestanden.

Er gehört in die Kategorie "Was ich bin, bin ich durch die Partei", wie schon einige seiner Vorgänger.

eisy57
16
Er selbst wird es nie mehr lernen, nirgends !

stretfordender
011
"Das ist hier richtig professionell, wie auf dem Küniglberg"

Schüler verspotten tut man aber nicht, Herr Kanzler *g*

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