Es kann immer nur einen Entdecker geben

Interview | Oliver Mark
6. Juli 2011, 13:22
  • Jan-Michael Peters, Biologe und stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP). Er erhält den mit 1,5 Millonen Euro dotierten Wittgenstein-Preis 2011 für seine Forschungen.
    foto: apa/fohringer

    Jan-Michael Peters, Biologe und stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP). Er erhält den mit 1,5 Millonen Euro dotierten Wittgenstein-Preis 2011 für seine Forschungen.

  • "Die Kreativität eines Wissenschafters ist nicht so verschieden von der eines Künstlers."
    foto: apa/fohringer

    "Die Kreativität eines Wissenschafters ist nicht so verschieden von der eines Künstlers."

Biologe Jan-Michael Peters über Beruf, Forschung und den "Austro-Nobelpreis": "Ich war völlig überrascht, fast überrumpelt"

"Etwas mehr Zeit und damit indirekt auch persönlichen Freiraum." So beschreibt Jan-Michael Peters, Biologe vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP), die positiven Auswirkungen des Wittgenstein-Preises, zu dessen Empfänger er neben dem Meeresbiologen Gerhard Herndl auserkoren wurde. Im Karriere-Telegramm von derStandard.at erläutert Peters seine Forschungsziele, die Schattenseiten seines Berufes und wie er überhaupt zur Biologie gekommen ist.

derStandard.at: Sie sind Wittgenstein-Preisträger. Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie von der Auszeichnung erfahren haben?

Peters: Ich war völlig überrascht, da der Anruf an einem Samstag kam, fast überrumpelt.

derStandard.at: Hat der "Austro-Nobelpreis", wie der Preis gerne genannt wird, für Sie einen anderen Stellenwert, weil Sie aus Deutschland kommen?

Peters: Ja. Es ehrt mich doppelt, dass ich als Ausländer in Österreich diese Anerkennung finde.

derStandard.at: Gibt es in der Forschung Grenzen?

Peters: In unseren Experimenten selbstverständlich - ethische, aber auch viele praktische, zum Beispiel wie genau man etwas mit einem Mikroskop sehen oder einem anderen Instrument messen kann. Oder noch pragmatischer: wie viel etwas kosten darf. Aber intellektuell gibt es keine Grenzen. Unsere Vorstellung davon wie die Dinge funktionieren, zum Beispiel im Inneren einer menschlichen Zelle, existiert ja zu einem großen Teil in unserer Phantasie. Phantasie nicht in dem Sinn, dass wir uns die Dinge ausdenken, aber in dem Sinn, dass wir versuchen, uns einen Reim auf unsere Beobachtungen zu machen, ein Modell zu entwickeln, das der Wirklichkeit möglichst nahe kommt.

derStandard.at: Was wird sich für Sie durch das Forschungsgeld ändern? Mehr persönlicher Freiraum oder ist das Geld komplett zweckgebunden?

Peters: Beides. Das Geld ist komplett zweckgebunden, aber jetzt ausgestattet mit dem Wittgenstein-Preisgeld werde ich weniger andere Drittmittelanträge stellen müssen. Das wird mir wieder etwas mehr Zeit und damit indirekt auch persönlichen Freiraum geben.

derStandard.at: Wie sind Sie zur Biologie gekommen?

Peters: Durch die Liebe zur Natur und durch die Neugier zu verstehen, wie Lebewesen und wir selbst funktionieren und wo wir herkommen.

derStandard.at: Wann hat sich Ihr Berufswunsch herauskristallisiert?

Peters: Sehr früh. Als kleines Kind wollte ich Zoo-Direktor werden, später dann Insektenforscher. Als ich 14 oder 16 Jahre alt war, stand fest, dass ich Biologe werden wollte. Mein bester Schulfreund wollte Germanist werden, und wir ermutigten uns gegenseitig zu diesen nicht ganz konventionellen Berufswegen. Mein Schulfreund (Moritz Baßler, Anm.)  ist inzwischen einer der bekanntesten deutschen Germanisten, der Experte für Pop-Literatur schlechthin.

derStandard.at: Was ist das Faszinierende an Ihrem Beruf?

Peters: Das Erlebnis, eine Entdeckung zu machen, etwas zu verstehen, das vorher noch nie ein Mensch verstanden hat und die Möglichkeit, seinen Vorstellungen freien Lauf lassen zu können. Wissenschaft zu betreiben ist ein sehr kreativer Prozess. Die Fragen, die wir stellen und die Antworten, die wir finden, sind durch die Natur vorgegeben, aber davon abgesehen ist die Kreativität eines Wissenschafters nicht so verschieden von der eines Künstlers. Natürlich hat mein Beruf noch viele andere positive Seiten: ich treffe viele sehr interessante Menschen und habe die ungewöhnliche Freiheit, mich bei meiner Arbeit mit meinen Interessen beschäftigen zu können.

derStandard.at: Was sind die Schattenseiten Ihres Berufs?

Peters: Dass man eine Wissenschafter-Karriere noch weniger planen kann als eine Karriere in anderen Berufen, vielleicht abgesehen von Künstlern, deren zukünftiger Weg auch schwer vorher zu sagen ist. Als Wissenschafter weiß man nie, was man entdecken wird und ob man der oder die erste sein wird. Mit Entdeckungen ist es ähnlich wie mit sportlichen Erfolgen. So wie es im Sport nur einen Sieger geben kann, kann es in der Wissenschaft nur einen Entdecker geben - wenn etwas einmal bekannt ist, kann man das nicht noch einmal herausfinden. In der Praxis bedeutet das, dass es kein Ausruhen auf Erfolgen gibt, sondern immer die Erwartung, Neues zu entdecken.

derStandard.at: Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Peters: Er besteht aus einer Mischung aus Besprechungen, Schreibarbeiten und Lesen. Zum Experimentieren im Labor bleibt mir selber leider keine Zeit mehr, aber ich bespreche oft Ergebnisse mit meinen Mitarbeitern.

derStandard.at: Welche Dinge nerven Sie im beruflichen Alltag am meisten?

Peters: Dass zu wenig Zeit für das Allerwichtigste im Beruf eines Wissenschafters bleibt, zum Lesen und Nachdenken über ein wissenschaftliches Problem.

derStandard.at: Welches berufliche Ziel haben Sie als nächstes im Visier?

Peters: Zu verstehen, wie DNA in unseren Chromosomen verpackt ist, und wie diese DNA von einer Zellgeneration zur nächsten weiter gegeben wird. Das IMP in Wien bietet die denkbar besten Arbeitsbedingungen, um diesen Fragen nachzugehen. Ich plane daher momentan keinen Ortswechsel.

derStandard.at: Was würden Sie gerne erforschen?

Peters: Wie die DNA in unseren Chromosomen verpackt ist und wie sich bei der Befruchtung einer menschlichen Eizelle das Genom des Vaters und das der Mutter zum Bauplan eines neuen Menschen vereinigen. Wenn ich noch einmal ganz von vorne anfangen würde, vielleicht wie Bewusstsein entsteht.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Peters: 60.

derStandard.at: Wie würden Sie einer Dreijährigen Ihren Job erklären?

Peters: Ich versuche zu verstehen, wie Du auf die Welt gekommen bist und wie aus Dir einmal ein großer Mensch werden wird.

derStandard.at: Welchen Tipp würden Sie jungen ForscherInnen mit auf den Karriereweg geben?

Peters: Sich wissenschaftliche Fragen auszusuchen, die einem wirklich wichtig sind und von denen man gleichzeitig hoffen darf, dass man sie eines Tages wird beantworten können. (om, derStandard.at, 6.7.2011)

JAN MICHAEL-PETERS forscht an elementaren Lebensprozessen. Am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) beschäftigt er sich mit der Zellteilung und dem Vorgang, wie die Erbinformation so weitergegeben wird, dass die Tochterzellen tatsächlich eine identische Kopie der DNA erhalten.

Peters wurde am 16. August 1962 in Heide (Schleswig-Holstein) geboren. Er studierte Biologie an den Universitäten Kiel und Heidelberg, wo er 1991 sein Doktoratsstudium abschloss. Über die Stationen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg und die Harvard Medical School kam er zu IMP nach Wien.

Hinweis

Nächste Woche im Karriere-Telegramm: Wittgenstein-Preisträger und Meeresbiologe Gerhard Herndl

Nachlese
Wittgenstein-Preis - Höchste Auszeichnung für zwei Wiener Biologen

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Missgunst made in Austria

56 Postings und ich bin der Erste der gratuliert. Viele scheinen das Interview nicht mal gelesen, geschweige denn verstanden zu haben. Der Schmerz mag bei manchen hier tief sitzen mit der eigenen Erfolglosigkeit und Ungeeignetheit konfrontiert gewesen zu sein, die Verbitterung ist nachvollziehbar aber selbst dann sollte man den Erfolg und die Freude Anderen gönnen...

Ja, in der Tat

Der Schmerz der eigenen Erfolglosigkeit. Ständige Selbstzweifel, ob man geeignet ist. Ewiger Kampf, seinen eigenen Wert zu beweisen, endlich Respekt zu verdienen. Verbitterung und Frustration, wenn wieder etwas nicht geklappt hat, man schon wieder von den ewig kritischen Kollegen und Gutachtern runtergemacht wurde...

Bestimmt können Sie diese Dinge sehr gut nachvollziehen.

Weil das nämlich der Normalzustand ist, in der Welt in der Sie leben. lol

Deshalb sei es Ihnen vom Herzen vergönnt, dort so lange wie möglich tätig zu sein. Wie glücklich das macht, sieht man ja eh, wenn man mal die Zombies von der Bohrgasse mit durchschnittlichen Akademikern vergleicht. Haufenweise Asoziale und Freaks mit kaputtem Privatleben.

Laut Ihren Kommentaren

scheinen Sie derjenige im Gefühlschaos zu sein. Der Peters zumindest ist es nicht, der wurde sogar ausgezeichnet. Der Job dürfte ihm gefallen, er ist darin erfolgreich und hat erreicht was er wollte. Was können Sie vorweisen? Das Leben anderer schlecht zu machen, macht Ihr eigenes verkorkstes Leben nicht besser, Herr Kollege! Sie sollten sich damit abfinden, dass nicht jeder ein geborener Wissenschaftler ist. Wenn Sie sich für den universitären Betrieb als ungeeignet erwiesen haben, wechseln Sie in die Privatwirtschaft und werden sie dort glücklich, im Moment scheinen Sie es nicht zu sein aber ich wünsche Ihnen von ganzen Herzen, dass Sie es einmal werden.

Mit Verlaub: Ihre Argumentation uebersieht leider einige wichtige Punkte:

1. Peters ist Gruppenleiter und laesst ca. 30 Leute fuer sich arbeiten. Wuerdigung dieser Forscher waere mM im Interview angebracht.

2. Es geht nicht darum die Leistung des Preistraegers schlecht zu machen, jedoch ist es wichtig die Maengel des gegenwaetigen wissenschaftl. Systems aufzuzeigen. Es werden viel zu viele Leute in den Life Sciences ausgebildet. Das fuehrt bei den Meisten zu extrem prekaeren Arbeitsbedinungen! Jungen Forschern nach dem Postdoc keine Joboptionen mehr anbieten zu koennen ist mM nach ein Skandal. Hier gehts nicht um Wettbewerb oder sonstwas. Diese Leute werden systeminherent max. 10 Jahre gebraucht!

3. Die gegenwaertigen Gruppenl. tragen fuer diese Verarsche der Jugend die Verantwortung. ganz einfach!

wo arbeitet eigentlich ein biologe, wenn er nicht in der uni, forschungsinstitut oder väterchen staat/land unter vertrag kommt?

lehrer
journalist
pharmavertreter
laborant

???????????????

lehrer, laborant, journalist, pharmavertreter sind Moeglichkeiten. Sehr gute Jobs gibts in der Forschung im privaten Bereich. Viele machen was im Patentwesen. Die meisten haengen aber noch eine kleine Ausbildung (mba oder sowas an). kommt drauf an welcher Zweig in der Biologie. Am lukrativsten ist Arbeit in der industriellen Forschung: einfach: "Nature jobs international salary survey, 2010" googeln

Austro-Nobelpreis

Hah, hah ...

Ich bewundere Leute, die nach Jahren auf der Uni noch nicht die Schnauze gestrichen voll haben. Die sich nicht desillusioniert, ausgebeutet, ausgebrannt, schlecht bezahlt und "voll verarscht" vorkommen. Die ihr Fachgebiet nach all den Jahren immer noch lieben und sich die Freude daran nicht versauen haben lassen.

Soviel gearbeitet wie auf der Uni hab ich meine Leben lang nicht - und so schlecht bezahlt war ich auch nirgends sonst.
Zum Glück bin ich dort weg - mein Fachgebiet vermisse ich allerdings.

Da stecken oft ganz andere Motive dahinter

Die zwei häufigsten:

1) Viele Leute wissen nicht, was sie außer Forschung machen sollen. Die meisten waren nie berufstätig und wurden nur auf Forscher sein getrimmt. Die kennen nichts anders und haben oft völlig verkehrte Ansichten vom Berufsleben. Entsprechend viel Angst hat man dann vor dem Ausstieg und bleibt oft lieber beim Altbewährten.

2) Ego streicheln, wichtig & berühmt sein
In der Forschung kämpft man ständig um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Man muss seinen Namen auf möglichst viele Paper bringen, man muss sich gut verkaufen können, Gutachter überzeugen, Preise einheimsen usw.
Für Menschen, die narzistische Probleme haben, mit einem labilen Selbstwertgefühl, kann der Beruf des Forschers daher sehr interessant und lohnend sein.

Für Menschen, die narzistische Probleme haben, mit einem labilen Selbstwertgefühl, kann der Beruf des Forschers daher sehr interessant und lohnend sein.

Im Gegenteil, ich glaube dass man ein sehr hohes Selbstwertgefuehl in der Forschung braucht weil man dauernd Rueckschlaege erlebt, sowohl in der experimentellen Arbeit als auch bei der Erwerbung von Drittmitteln. In der Regel ergeben nur 5-10% der experimentellen Ansaetze Resultate die einen weiterfuehren - da muss man durchhalten und sich nicht zu viel auf die eigene Fingerfertigkeit und Intelligenz einbilden.

Zuerst heißt es:

"ich glaube, dass man ein sehr hohes Selbstwertgefuehl in der Forschung braucht"

Und dann heißt es:
"da muss man durchhalten und sich nicht zu viel auf die eigene Fingerfertigkeit und Intelligenz einbilden."

Aha.
Das werde ich nicht weiter kommentieren, weil es für sich spricht. Nur vielleicht zwei Hinweise:

Selbstwertgefühl und Durchhaltevermögen sind keine Synonyme.
Bedürfnisse nach aufoperungsvoller Tätigkeit, Martyrium und Masochismus sind keine Hinweise für das Vorhandensein eines gesund entwickelten Selbstwertgefühls.

de facto, laufen auf der uni ne menge soziopathen rum, die in der privatwirtschaft übelst untergehen würden--das ist deren geschützte werkstätte, zum teil sind die auch noch pragmatisiert (die weltfremden o. profs)
ich kann allen die den irrweg in die biowissenschaften gegangen sind nur raten, nen mba draufzusetzen und in die privatwirtschaft zu gehen.
übrigens ist die boku in bezug auf employability der bohrgasse um häuser voraus--viel spaß den absolventen.
was ich aber als mein persönliches highlight der biowissenschaftler (msc od. phd level) sehe ist, wenn sie als karrierewunsch angeben: laborarbeit---die enttäuschung ist groß, wenn dann der mta, cta die stelle bekommt, weil er günstiger und besser ausgebildet ist.

So ist es. Und dann mit Anfang bis Mitte 40, nach Jahren des Postdocdaseins ohne Berufspraxis außerhalb des Universitätsbetriebs, werden diese Leute in der Privatwirtschaft vorstellig weil ihnen das x-te Postdoc-Antrag nicht mehr genehmigt wurde und keine Professur an der Uni möglich war.

Dann wird's aber auch schwierig in der Privatwirtschaft unterzukommen, weil schon relativ "alt".

Darf ich Sie fragen was Sie nach Ihrer Unilaufbahn gemacht haben? Ich hab nach ca. einem Jahr Postdoc die Laborarbeit an den Nagel gehängt und mir was ganz anderes in der Industrie gesucht.

Ich habe mir zunächst einen Job in der Erwachsenenbildung gesucht. Plus ... so eine Art "Ghostwriting". Oder nennen wir es besser "bezahlte Betreuungstätigkeit". Ich habe das gemacht, wozu viele Profs einfach zu faul sind.

Später wurde ich seriöser und habe die Ausbildung zum Patentanwalt gemacht. Mehr Kohle, mehr Zukunftsperspektive, dafür weniger Kinderkram und Ego plustern.

Ich habe aber auch schon während der Studienzeit in den Sommerferien bzw. zwischen Diplom- und Doktorarbeit gearbeitet. Ich habe zum Glück ausreichend Kontakt zur normalen Welt aufrechterhalten, um mich von den Uni-Forschern, die selber keine Ahnung vom Berufsleben haben, nicht indoktriniern zu lassen. Teilweise sind das ja richtige Spinner und Fanatiker.

Ja, das ist Teil der Selektion.

Ausdauer und Talent ist in der Forschungslaufbahn ganz einfach das wichtigste. Von hunderten von Studenten kommen da nur ein paar Prozent durch, also muessen viele auf den verschiedenen Ebenen (Doktorat, Postdoc) ausgeschieden werden. Eine gute Portion Glueck ist natuerlich auch notwendig ...

Ausdauer und Talent ist NICHT das wichtigste.

Das wichtigste ist: Ausdauer und gute Beziehungen.

Man muss ein funktionierendes Netzwerk haben oder -fast schon noch besser- der Sohn eines einflussreichen Professors sein. Dann wird einem auf allen Schritten Rückenwind begleiten. Vor allem aber werden Habilitation und Berufung viel leichter erreichbar.

Talent ist praktisch unwichtig. Nicht mal eine besonders tolle Publizierleistung braucht man dann noch.
Für den NoC (Normalo ohne Connection) ist Talent oft sogar hinderlich. Ich habe das oft genug gehört, dass man sich davor fürchtet, allzuzu gute Leute am eigenen Institut zu haben. Oder der große Prof fürchtet, sein begnadeter NoC könnte sich allzu selbstständig machen und ihm dann Konkurrenz machen. Also muss er klein gehalten werden.

In der Realitaet siehts aber anders aus:

Jungen Leuten wird vom Prof erzaehlt eine akadem. Karriere sei der Kardinalsweg -> viele glauben das und schwimmen in ein sehr unfaires, absurdes System -> ein paar sehen die Armseligkeit einer akadem Karriere und gehen rechtzeitig -> diejenigen die bleiben lassen sich ueber Jahre hinweg verarschen um ihren Studenten dann zu erzaehlen wie toll eine akadem. Karriere ist. da capo!

Wie oben wer geschrieben hat: mba oder sonstwas machen und raus aus der Pseudokarriere. Bringt intellektuell und finanziell 100000000x mehr als paper zu schreiben die keine Sau liest! Forscher sind heute zumeist Meister des Selbstbetrugs die glauben ihr Beitrag sei ach so bedeutend und was sie 70h die Woche machen entspricht exakt den Regungen ihrer innigsten Natur

Mit labilem Selbstwergefühl kommt man in der Forschung aber nicht weit. Man muss viel eher ein dickes Fell haben um mit der vor allem in umkämpften Bereichen der NAWI und in vielen Bereichen der GEWI üblichen harschen Kritik an der eigenen Arbeit umgehen zu können.

Harsche Kritik der Resultate ist ja in Ordnung, doch der Kritikpunkt an der Forschung ist die zugrundeliegende Finanzierungs- und Hierarchiestruktur.

Weiters versteh ich den Geltungsdrang mancher Forscher in der akademischen Forschung absolut nicht. WER eine Studie macht ist bis auf ganz ganz wenige Ausnahmen voellig irrelevant. Es liegt im Wesen der Wissenschaft Biographien von geschaffenem Wissen zu entkoppeln. Die selbstverliebten Pseudohelden in somanchen Labs haben das scheinbar noch nicht verstanden. Von mir aus koennen die Namen der Studienautoren im Supplement stehen, oder ein Phantasiename im Sinne eine Konsortiums angegeben werden! Dieser Drang nach 15 Minuten Ruhm in der Wissenschaft ist befremdlich, menschlich allzu menschlich allemal!

Biographien von geschaffenem Wissen entkoppeln

geht ganz sicher nicht. Das widerspricht völlig der Art und Weise wie akademische Forschung in der Praxis funktioniert.

Sie scheinen zwei Dinge zu vergessen:
1) Die Karriere hängt massgeblich davon ab, sich möchlichst prominent als SSS (superwichtiger supertoller Superforscher) aufzuplustern.

2) Gerade darin besteht für viele Forscher der eigentliche Anreiz für eine Karriere an der Uni.
Die wollen das schöne Gefühl haben, wichtig zu sein, groß zu sein, berühmt zu sein, einer auserlesenen Elite anzugezören usw. Warum sonst machen die das?

Ohne diesen Geltungsdrang würde die akademische Forschung gar nicht laufen. Genausogut könnten Sie verlangen, Benzin vom Automobil zu entkoppeln.

Wie gesagt jeder Forscher kann seine 15 Mituten Anerkennung haben wenn er ein Paper publiziert, am Ende des Tages wird das geschaffene Wissen jedoch vom Individuum entkoppelt...

Interessiert es heute noch jemand wer vor 20 Jahren gezeigt hat dass NO in der Synaoptogenese eine Rolle spielt? Nein! Wichtig ist dass es gezeigt wurde, doch die Biographie des Wissenschaftlers ist vollkommen belanglos. Deshalb ist es noch absurder wenn Forscher ein "SSS" Dasein anstreben, bzw sich selbst zu wichtig nehmen. Meine Praemisse war immer... wenn ich keine Lust habe die Funktion eines Molek. in diesem oder jenen Aspekt aufzuklaeren machts eh ein anderer! Stellen Sie sich vor, Sie muessten sich tatsaechlich auch noch mit dem Individuum hinter einer Studie auseinandersetzen um selbige zu verstehen! Grauenhaft. Wir haben in der Forschung Netzwerke weil so Projekte koordiniert werden...

"Deshalb ist es noch absurder wenn Forscher ein "SSS" Dasein anstreben, bzw sich selbst zu wichtig nehmen."

Jaja, so sehe ich das auch. Das Problem ist nur: Es geht hier nicht um Sie oder mich, sondern um den akademischen Forscher. Der hat offensichtlich eine ganz andere Denkweise. Und eine ganz andere Motivation.

Das, was für Sie und mich unsinnig erscheint, ist für den oftmals das eigentliche Lebenselixier: Ein SSS sein. Dafür rackert er, dafür kämpft er, das verschafft ihm immer wieder jene Befriedigung, die er braucht, um seinen Job machen zu können.

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen!

Es liegt im Wesen der Wissenschaft Biographien von geschaffenem Wissen zu entkoppeln.

Interessantes Argument. Ich bin (aus eigener Erfahrung) jedoch der gegenteiligen Meinung. In jeder (Natur)wissenschaft gibt es in der Regel riesige Gebiete die nicht oder nur sehr teilweise erforscht sind. Als Forscher, der entscheidet woran er arbeitet, beinflusse ich durch meine Projektwahl und Forschungsstil sehr wohl den Weg eines Wissenschaftszweiges.

Bitte entschuldigen Sie meine Wortwahl, aber das ist der vollkommene Bloedsinn!

1. Die Literatur wird v.a. in der Industrie oder z.B. system biologie durch data mining aufgearbeitet, bei denen die Namenszeile sogar stoert.

2. die durchschnittliche halbwaertszeit eines papers in der Biowissenschaft betraegt ca 2.6 Jahre (ISI WEB KN.).

3. mit Zusperren eines labs gehen die Zitierungen immer rapide runter, weil sich die neuen Forscher im Feld natuerlich eher an neuer Literatur orientieren als an 'Dinosaurierpublikationen'!

4. Selbst paper die ein neues Feld begruenden kommen natuerlich ohne Biographien aus. In Vorlesungen werden hin und wieder Anekdoten erzaehlt, doch ein wissensch. Werk MUSS ohne Biographie verifizierbar sein (Popper). Im Gegensatz zur Kunst ist das einer der Haupteigenschaften von Wissenschaft!

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