Einstiger Militärchef der bosnischen Serben verweigert Aussage - Senat entschied: Plädoyer auf "unschuldig"
Den Haag - Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic hat
es am Montag abgelehnt, sich zur Anklage des
UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag zu äußern. Die von ihm
gewählten Anwälte seien vom Tribunalssekretariats noch nicht
bestätigt worden, sagte der einstige Militärchef der bosnischen
Serben. Er verweigerte darum die Aussage und wurde aus dem Saal
entfernt.
Das Gericht könne tun, was es wolle, erklärte Mladic. Er wolle
weder Dokumente des Gerichts in Empfang nehmen noch eine Aussage
machen. Der Tribunalssenat stellte darum fest, dass der Angeklagte
auf unschuldig plädiert habe. "Ich will ohne meinen Anwalt Milos
Saljic nichts sagen", sagte Mladic nach einem kurzen Wortwechsel mit
dem Senatsvorsitzenden, Richter Alphons Orie, auf die Frage, ob er
sich zu Anklage äußern wolle.
Der Tribunalssenat ordnete die Entfernung des Angeklagten aus dem
Gerichtssaal an. "Ihr gebt mir kein Recht, mich zu verteidigen. Ihr
seid kein Gericht, ihr ermöglicht mir nicht, zu atmen", protestierte
Mladic, als er aus dem Gerichtssaal abgeführt wurde.
Das Tribunal wirft Mladic in elf Punkten Völkermord,
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des
Bosnien-Kriegs der Jahre 1992 bis 1995 vor. Der Ex-General wurde am
26. Mai nach fast 16-jähriger Flucht in Serbien gefasst und wenige
Tage später nach Den Haag überstellt. Er wird vor allem für das
Massaker von Srebrenica mit etwa 8.000 Toten und die 44 Monate
dauernde Belagerung Sarajevos verantwortlich gemacht. Bei der Vorlage
der Anklageschrift Anfang Juni hatte der auch als "Schlächter vom
Balkan" bekannt gewordene Berufssoldat die Vorwürfe als "abscheulich"
und "monströs" bezeichnet. (APA)