Salzburger Sommerszene

Neue Welt mit Schlauchboot

03. Juli 2011 18:13
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    Foto: kirchner

    Homo sapiens bei seiner zweiten Chance nach dem großen Knall: Der Mensch macht sich ein Auto untertan, findet das Feuer und das Dosengetränk. Philippe Quesnes "Big Bang" ist zart ironisch.

Meisterhaftes Stück eines Shootingstars im französischen Theater: Philippe Quesnes "Big Bang", eine Erzählung vom Neubeginn der Menschheit

Salzburg - Der aufstrebende französische Regisseur Philippe Quesne und seine Gruppe Vivarium Studio haben ihre jüngste Arbeit zum Sommerszene-Festival nach Salzburg gebracht: Big Bang. Ein Tisch mit vier Sesseln und ein großer Plastikplanenhaufen in einem weißen Raum. Eine Frau setzt sich an den Tisch, dreht Musik an, liest in einem Buch mit dem Titel Evolution und stellt vier Buchstaben auf: BANG. Weitere Performer gruppieren sich um den Tisch.

Orgelmusik. Johann Sebastian Bach, Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565. Dramatische Stimmung. Tisch und Sessel werden weggeräumt. Die Bühne wird dunkel. Was nun beginnt, ist der Entwurf einer Evolution ab, sagen wir, Philippe Quesnes Vorgängerstück La Mélancolie des dragons, das mit einer Wagenpanne in Eis und Schnee endet. Dasselbe Auto liegt nun, aufs Dach gestürzt, unter dem weißen Plastik auf der Big Bang-Bühne. Entdeckt wird es von Wesen, die sich von pelzigen Krabbeltieren zu bärtigen Urmenschen entwickelt haben.

Diese machen sich das Auto untertan. So entsteht erstens das Feuer, und zweitens wird das Dosengetränk entdeckt. Die Menschheit beginnt ihr großes Abenteuer: Hereingebracht wird ein großes Schlauchboot mit dem Namen Challenger. Der Mensch beginnt zu zeichnen. Die Welt wird abgebildet und sich so angeeignet.

Nun kommt die weiße Rückwand weg. Dahinter Nebel, Wasser, eine grüne Welt. Die Menschen schlüpfen erst in Hawaii-Hemden, später in Raumanzüge. Bäume werden aufgestellt. Die Menschen kleiden sich in grüne Anzüge, türmen viele Challenger-Boote aufeinander.

Ein grünes Pelztier schlürft Wasser. Die Szene verschwindet. Im Dunkel schnarrt noch eine Stimme wie aus einem Funkgerät.

Mit feiner Ironie und zarter Melancholie endet diese Variation über das Lebensgefühl im heutigen Westeuropa. Es hat weder Kampf oder Streit noch Liebe oder Euphorie gegeben. Sondern nur den Versuch, noch einmal aufzubrechen, die Herausforderung (engl.: challenge) anzunehmen. Doch herausgekommen sind bloß Allegorien auf Papier, für die man sich in Pose geworfen hat.

Das Schlauchboot Challenger verbindet - über die Hawaii-Hemden und die Raumanzüge - das Spektakel der Freizeit mit jenem der Technologie, Letzteres als Hinweis auf das Unglück der Raumfähre Challenger von 1986. Das viele Grün spielt mit dem ebenfalls in den 1980ern erwachten ökologischen Bewusstsein.

Quesnes wunderbares Talent, mit einfachen und genau kalkulierten Mitteln Bezüge herzustellen und dabei den Humor nicht zu verlieren, entspricht seiner Begabung, Zeitkritik nicht zu dozieren, sondern der Assoziationskraft seiner Zuschauer zu überlassen. Wieder ein meisterhaftes Stück, ein "Big Bang" der Performance. (Helmut Ploebst/DER STANDARD, Printausgabe, 4. 7. 2011)

 

karakal
04.07.2011 10:29
Also...

....ich hatte noch nie so einen Haufen Schwachsinn gesehen. Es war nicht mal witzig. Die Lacher, die mir zwischendurch ausgekommen sind, waren eher ein Akt der Verzweiflung.
Wenn man als Regisseur nicht fähig ist, eine Geschichte auf der Bühne so zu erzählen, dass der Zuschauer es mitbekommt, muss man wenigstens per Programmheft oder vorherige Erklärung den Zuschauer "einweihen".
Das ist nicht passiert. Das gemeinsame Gehoppel war unerklärt und als Zuschauer hat man nur gewartet, dass es endlich aus ist.
Andere Installationen wie "Light Forest" oder "Verloren" am Kapuzinerberg zeigen wie es geht und wie man den Zuschauer miteinbezieht.
"Big Bang" war schrecklich und ich bin nur deswegen nicht gegangen, weil ich auf selbigen wartete.

franz mittendorfer
03.07.2011 23:11
langweiliger schwachsinn

bei aller liebe zum modernen theater, es war zum gähnen. 20 minuten durfte man noch hoffen und zum schmunzeln ansetzen. dann rettete mich nur mehr der countdown zu meinem höflichen schlussklatscherl

karakal
04.07.2011 10:32
Ging mir genauso....

....bis auf den Schlussapplaus. Ich habe mich geweigert zu klatschen. Ich habe hingegen sogar schnell das Weite gesucht, sonst hätte ich aufstehen müssen und laut "Buuuh" schreien.

IchbinIch5
04.07.2011 09:57

Bei aller Liebe - aber wer den Begriff "modernes Theater" verwendet, hat sich schon disqualifiziert. Theater kann nur im Hier und Jetzt stattfinden - und ist beim Schlussapplaus schon Vergangenheit. Also ist jedes Theater heutig - und der Begriff "modern" macht wenig Sinn.

franz mittendorfer
04.07.2011 13:07
liebe

bei aller liebe zum heutigen theater, es ist gottseidank vergangenheit

IchbinIch5
04.07.2011 13:44

Ihr Theater möchte ich mir lieber gar nicht vorstellen. Ein Museum, abgetrennt von jeglicher Realität ...

franz mittendorfer
04.07.2011 22:33
museum

hab´s schon gecheckt, du bist/sie sind immer theater; also weiterhin: vorhang auf!-in aller liebe

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