Der Fall Strauss-Kahn und wie Frankreich tickt

3. Juli 2011, 17:59

Ein Mann, der Präsident einer politischen Mittelmacht werden möchte, darf kein Sicherheitsrisiko sein

Die französischen Sozialisten jubeln: Ihr einstiger Global-Star Dominique Strauss-Kahn ist wieder frei und zurück auf der Bühne. Seine Staranwälte haben zwar (fast) ganze Arbeit geleistet und die Glaubwürdigkeit des "Opfers" erschüttert. Man konnte sie in ein offensichtlich auch selbst inszeniertes Rot- und Zwielicht rücken. Es steht Aussage gegen Aussage. Nach wie vor. Aber die ihre hat jetzt weniger Gewicht.

Kann so ein Mann zum französischen Präsidenten gewählt werden? Sicher, wenn ihn die Sozialisten nominieren und das Volk ihm eine Mehrheit über Nicolas Sarkozy verschafft. Er wäre dann ganz legal an der Macht und (mit seinem Wissen) einer der Mächtigsten der Welt.

Er wäre, was die Beziehungen mit Frauen betrifft, keine Ausnahme unter den französischen Präsidenten. Zwei Beispiele: Aus einer Beziehung François Mitterrands entwickelte sich eine Parallelfamilie, die lange vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wurde. Und Valéry Giscard d'Estaing lieh sich von Freunden immer verschiedene Autos aus, um seine adelige Geliebte zu besuchen.

Aber die kurze Affäre im New Yorker Sofitel ist etwas anderes. Sie hat zweifellos stattgefunden, höchst wahrscheinlich als ganz bewusster Exzess beider Seiten. Sie war jedenfalls keine Begegnung zwischen Menschen, deren Beziehung sich über längere Zeit entwickelt hat, sondern ein "Quickie" und ein sexueller Event Noon im Luxushotel.

Dominique Strauss-Kahn kann tun, was er will - vor allem, weil seine Frau die Eskapaden in der Öffentlichkeit deckt. Aber ein Mann, der Präsident einer politischen Mittelmacht werden möchte, darf kein Sicherheitsrisiko sein.

Strauss-Kahn ist es. Selbst dann, wenn rechtlich nichts an ihm hängen bleibt. Dies ist der Grund, warum linke Fans, wie der ehemalige Kulturminister Jack Lang, auf den Boden der Realitäten zurückkehren sollten.

Strauss-Kahn ist immer wie ein Duodezfürst aufgetreten. Man konnte ihn zum Beispiel bei EU-Gipfeltreffen erleben - immer an der Spitze einer großen Entourage. Gefehlt hat nur die barocke Perücke.

Sein Gegenüber als Bewerber um die Präsidentschaft wäre der unbeliebte gegenwärtige Amtsinhaber - eben Sarkozy. Die Franzosen haben ja eine eigenartige Vorstellung von Macht und Repräsentanz. Ludwig XIV. lebt ebenso weiter wie Napoleon Bonaparte. Aber einem Sarkozy mit der (im Vergleich zu ihm) jungen Mutter Carla Bruni an seiner Seite könnte es gelingen, die vielen Fehler seiner Amtszeit ins Vergessen zu drängen.

Andererseits: Die Franzosen wissen auch, wie unbeliebt sie in den USA sind. Weshalb viele von Anfang an die Inhaftierung des Ex-IWF-Chefs für eine Verschwörung hielten, die den US-Anklägern in ihr vorgeformtes Bild eines verdorbenen Franzosen passte. Dass ihn laut Umfrage 49 Prozent zurück in der Politik haben wollen, ist ein Ergebnis dieser Sichtweise.

Strauss-Kahns Fall birgt sicher noch einige Überraschungen. Dann nämlich, wenn der Angegriffene sich in einen Sieger verwandeln würde. Über Sarkozy und gegen die USA. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 4.7.2011)

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wustinger1
00
Ein Mann, der Präsident einer politischen Mittelmacht werden möchte, darf kein Sicherheitsrisiko sein

Und für Sarkozy gilt das nicht?

evilweevil
01
event noon?

oder ist vielleicht non-event gemeint?

Chien de Pique
13
Ich sehe nicht, wie Quickies und andere "Exzesse" (??) politisch problematischer sein sollen als ein stabiles Mätressenwesen; zweiteres erscheint mir an sich skandalträchtiger, bestehende (ohnedies

kritikwürdige) Gentlemen's Agreements der Medien können sich ja auch darauf erstrecken.
Selbst wenn keine Vergewaltigung stattgefunden hat, sehe ich allerdings DSK als mehrfach untragbar:
a) seine dreiste Lüge, bis ihrer überführt
b) die plausibleren früheren Übergriffe
c) der zweifellos bewusste Verstoß gegen das (unsinnige, aber gültige) Prostitutionsverbot in NY (diesmal oder früher)
d) sofern er sie geprellt hat: diese schäbige Bösartigkeit, der miese kleine Betrug an einem mehrfachen Pariah der Gesellschaft, die selbstherrliche Junkerarroganz.
Gratis hat es die Frau ja sicher nicht getan.

Konsenusale Quickies und Event Noons ohne entwickelte Beziehung sowie Inanspruchnahme legaler Prostitution sollten dagegen kein Thema sein.

peter schmidt
 
01
was für ein loser kommentar

schrecklich.

überlassen wir doch die welt einfach den manikern betonköpfen und hasspropheten die zur befriedigung ihrer bedürfnisse weder männlein noch weiblein benötigen sondern sich an zahlen, daten oder einer hirnlosen menge, oder ihrem hass ihrer kleinkariertheit etc. genügend aufgei...

gibt ja eh schöne beispiele in öst. und deutschland.(und frankreich sowieso).

sooo funny
00
ich versteh' sie nicht - ist ihnen nicht wohl?

Christoph Karl Steininger
01
Die Amis werden ihm sicher nicht

erlauben das Land zeitgerecht für eine Kandidatur zu verlassen. Das gebietet schon die Staatskunst und die Realpolitik.
Man will sich ja keine epischen Feindschaften heranzüchten.

Anton D.
05
Sperl, heucheln Sie doch nicht so!

Sie glauben doch selbst nicht, daß viele unserer "Spitzenpolitiker" anders als Strauss-Kahn agieren. Nur wird bei uns in Österreich weniger darüber geredet. Siehe Jörg Haiders Doppelleben, das bekannt war, aber vom politischen Gegner aus naheliegenden Gründen nicht attackiert wurde.

Armin Bierbauer
01

Stimmt, Haider ist ein gutes Beispiel hierzulande. Wobei mich dabei noch immer wundert, wieso das in den Medien nie jemand angesprochen hat, bzw. eine Story draus gemacht hat. Nicht mal der H.H.Scharsach in seinen Büchern.

monothematisch
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"höchst wahrscheinlich als ganz bewusster Exzess beider Seiten" - wie realistisch ist das denn? Altherren-Fantasie?

Viktoria Roth
02
Der Fall "Mirjam" und wie Österreich tickt. Das Opfer geht in die Offensive!

http://www.youtube.com/watch?v=lxkzgmGM-2k

und das ist gut so und auch sehr mutig!

Der Freund Deiner Frau
15
Sehr schwach.

Sperl WEISS also, was passiert ist und wie die Franzosen ticken.

Ich GLAUBE, dass er null Ahnung hat und den Fall nur als Vorwand hernimme, um eigene Ansichten und Vorurteile zu befriedigen.

Ganz ehrlich, hat der Standard wirklich keinen Journalisten, der in Frankreich lebt und etwas Scharfsinn hat???

Stuff
14
So tickt Frankreich:

tique taque tique taque …

singing princess
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der boden der tatsachen

der boden der tatsachen würde auch ihnen gut tun, herr sperl - nicht dsk's anwälte haben die zeugin auseinandergenommen, sondern die staatsanwaltschaft selbst musste eingestehen, dass die klage nicht hält.

und was klischeehaftes franzosen-bashing angeht, da können sie von den amerikanern nicht mehr viel lernen.

ein bisschen mehr inhalt bitte!

Igor Gassner
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Gegen den JFK ist der DSK ein Lercherl

und der JFK war Chef einer Weltmacht zum aller kritischsten Zeitpunkt.

salzmen1
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...und funktionierte drotzdem...

Aung San Suu Tschi
 
10
Bingo !

inness robins
10
Wegweiser USA und EU

An Kanadas Grenzen zur USA in New Brunswick sind die Straßenschilder mit USA -EU beschrieben.
Völlige friedlich und keine Probleme mit dem Französischen!

Difool
 
00
11.7.2011, 12:49
that is, because Canada is a bilingual country ;)

C'est parce que le Canada est un pays bilingual.

And in N.B. there is significant french-speaking population.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
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Ich würd' mir keine Sorgen re Sicherheitsrisiko machen

seit zumindest in der nord-westlichen Welt der Mensch fein säuberlich in zwei Hälften geteilt ist: in die obere und die untere.

(*Als Ganze* treten Menschen nurmehr selten und in entlegenen Gebieten auf - Amazonas, oder so)

So kann man ruhig die obere Hälfte regieren lassen und die untere Hälfte geht ihren eigenen Geschäften nach.

Wie Sie selbst ganz richtig bemerken, Herr Sperl, ist man dahingehend in Frankreich seit längerem perfekt organisiert.

Selbstverständlich auch im kleinen, atomwaffenfreien Österreich.

Hier umso eifriger untenrum, seit die obere Hälfte praktisch untätig ist.

Politiker/innen, alle, sind unterleibsmäßig bestens und vielfältig versorgt - selbstverständlich nicht deren Ehepartner, aber hey, who cares?

lessismore
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Die Anklage ist aufrecht, soviel ich weiß.

salzmen1
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warum veröffentlichen sie meinen kommentar nicht???

... war er diplomatisch nicht korrekt ???

salzmen1
01
sicherheitsrisiko bei stattsmänner mit sexsueller neigung ( ausschweifung )

das wäre ein thema zu thematisieren?

Aber bitte gender gerecht, frauen sind auch beteiligt!

salzmen1
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dieses stricherl lass ich einrahmen!

... pardon, staatsfrauen gibt es auch!

pick dame
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fang frage

was würde sich herr sperl denken, wenn seine tochter vergewaltigt worden wäre und in einer tageszeitung könnte er dann am sonntagstisch dazu folgende stichworte lesen:

"ganz bewusster Exzess beider Seiten"
"ein "Quickie"
"ein sexueller Event Noon im Luxushotel"

les ich falsch oder leb ich am falschen planeten oder bin ich ganz einfach geisteskrank? wenns ich es nicht bin, dann sind es leider eric frey, christian rainer und gerfried sperl (um nur ein paar wenige zu nennen). PS: wozu brauchen wir eigentlich teure gerichte wenn jeder (!!) journalist schon vorher alles weiß? bitte, kann mich wer zwicken? zeitunglesen in diesen tagen ist so ein alptraum. ist der feminismus wirklich ganz spurlos an euch männern vorüber gegangen?!!

cannery row
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geh bitte..

wie oft der gleiche blödsinn noch? auch wenn es für manche wirklich unmöglich zu kapieren scheint: es gibt verfahrensregeln. es gibt hier keine vergewaltigung, solange kein schuldsruch da ist. in dubio pro reo, unschuldsvermutung etc., man kann daher jetzt nur vom verdacht einer vergewaltigung sprechen.

diese regln gelten in einem zivilisierten staat zum glück für jeden. da braucht man kein freund oder fan dieses herren sein, um das zu akzeptieren.

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