"Cool Biz"

Energiesparen auf Japanisch

Martin Kölling aus Tokio, 3. Juli 2011, 17:42

15 Prozent weniger Spitzenstromverbrauch auch durch Sonntagsarbeit

Am Sonntag herrschte in Toyotas Büros und Fabriken Hochbetrieb. Zu Hunderten strömten die Angestellten wie an einem normalen Arbeitstag ins Büro. Denn seit Samstag arbeitet der gesamte Konzern auch am Wochenende. Als Ausgleich dafür gibt es an zwei Wochentagen frei.

Toyota ist kein Einzelfall. Viele Unternehmen machen von Juli bis September bei der radikalsten freiwilligen Arbeitszeitreform in der Nachkriegsgeschichte mit, um an Werktagen den Stromverbrauch zu senken und damit Stromausfälle zu vermeiden. Denn in Japan herrscht seit der Erdbeben- und Atomkatastrophe am 11. März akute Stromnot.

35 von 54 Atommeiler sind derzeit nicht am Netz. Ein Teil wurde von Beben und Tsunami beschädigt, die meisten sind zwecks Wartungen abgeschaltet und wurden wegen der wachsenden Ablehnung von Atomkraft noch nicht wieder eingeschaltet.

Besonders hart trifft das Tokio mit mehr als 30 Millionen Einwohnern. Denn Stromversorger Tepco hat durch den Reaktorunfall rund 20 Prozent der Erzeugungskapazität verloren. Um Stromabschaltungen zu verhindern, haben Regierung und Tepco Bürger und Wirtschaft gebeten, den Spitzenstromverbrauch um 15 Prozent zu senken. Und die machen mit. Schummerlicht ersetzt einstige Glitzerpracht - und die Menschen müssen schwitzen.

Weniger Licht

Bei der Investmentbank Nomura wird die Bürobeleuchtung um 50 Prozent reduziert, in Fluren sogar um noch mehr. Auch die PC-Bildschirme schalten sich nicht mehr nach 20 Minuten Nichtstun aus, sondern nach fünf. Zudem werden die Klimaanlagen auf 28 Grad eingestellt und ein Teil der Fahrstühle abgestellt. Dafür dürfen Angestellte ohne Krawatte und Jacket zur Arbeit kommen. "Cool Biz" heißt die Kampagne.

Auch investieren Privatleute wie Firmen massiv in Energiespartechnik. Der Absatz von extrem sparsamen LED-Lampen ist explodiert und macht schon mehr als zwei Drittel des Lampenumsatzes aus. Panasonic stattet sogar alle Büros und Fabriken mit Bewegungs-, Wärme- und Feuchtigkeitssensoren aus, die Daten für ein Energiemanagementsystem sammeln. Optimierte Steuerung von Licht, Kühlung und Produktionsanlagen sollen den Verbrauch um 15 Prozent senken.

Die Aktionen haben Erfolg. Am 1. Juli lag der Spitzenstromverbrauch (13-14 Uhr) mit 41,7 Mio. Kilowatt 15 Prozent unter Vorjahreswert, obwohl es drei Grad wärmer war. Der Eifer beunruhigt nun die Behörden: In TV-Sendungen und Hausbesuchen werden ältere Menschen vor der Gefahr eines Hitzeschlags gewarnt.

Unterdessen zeichnet sich ab, wie die Regierung mit Tepco verfahren will: Der Betreiber des Unglücks-AKWs Fukushima soll teilweise verstaatlicht werden. Das Stromnetz soll verkauft und die Atomsparte verstaatlicht werden, schreibt die Zeitung Mainichi. Tepco blieben nur Wärme- und Wasserkraftwerke. Das Vermögen im Stromgeschäft würde um fast 75 Prozent auf umgerechnet 13,6 Mrd. Euro von derzeit 60 gekappt. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Printausgabe, 4.7.2011)

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Ruben Weil
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10.7.2011, 10:52
Die Referenz am LED-Lampen Markt

http://www.sinus.co.at/startseit... arm-weiss/

Habe zehn Stück verbaut! Kaum von der Glühlampe zu unterscheiden und ersetzt locker 60 Watt Birnen. Mit der Firma hab ich nix am Hut aber von der 6Watt LED bin ich mittlerweile wirklich überzeugt!

Ruben Weil
00
10.7.2011, 10:47
Stellt Euch vor man schaltet alle Atommeiler aus

und NICHTS passiert. So geschehen in Deutschland wo derzeit nur 4 Stück laufen und das Stromnetz trotzdem nicht zusammengebrochen ist.

Da staunt der Laie und der Lobbyist ärgert sich!

--: SID :--
01

"Zudem werden die Klimaanlagen auf 28 Grad eingestellt"
HERRLICH !
Endlich mal kein Kühlschrank- Büro mit <= 20° !
Ich hoffe, das macht Schule !

Roter Baron
00
>35 von 54 Atommeiler sind derzeit nicht am Netz.<

ein bißchen zuviele gebaut ??

roter baron

schneebrunzer
 
10
immer wieder faszinierend, wie Japan funktioniert!

und das ganze ohne autoritäre Führung!

sehr schön!

Apocalypse
03

braucht nur ein Erdbeben und ein ca. 3 Kernschmelzen

Manahmanah
04

Schön, wie uns die Japaner beweisen, dass man mit entsprechendem Willen ohne weiters den Stromverbrauch senken kann.

Und die Stromsparmaßnahmen haben gerade erst begonnen.

Ivan Bukov
00

Haben sie die Diskussion in Oesterreich rund um die Sonntagsoeffnung mitverfolgt?
Damit duerfte sich das bereits erledigt haben.

Firefrorefiddle
01

schlechtes beispiel: eine sonntagsöffnung von einkaufscentren verringert den stromverbrauch nicht. oder können sie sich vorstellen, daß die lugner city an zwei anderen wochentagen freiwillig geschlossen bleibt?

Manahmanah
01

"mit entsprechendem Willen"

Ivan Bukov
00

Haben sie die Diskussion in Oesterreich rund um die Sonntagsoeffnung mitverfolgt?
Damit duerfte sich das bereits erledigt haben.

DschiEm
00

Stimmt, aber es ist nicht, so wie sie es nennen "ohne weiters " passiert. Ganz im Gegenteil !!!

Manahmanah
02

Doch, ohne weiters. Es dauerte gerade ein paar Monate und keiner muss in die - von der Atomkraftlobby viel zitierte - Steinzeithöhle zurück (überstpitzt ausgedrückt).

wooos iiiis?
 
03
geht doch

und ich hab mit ein paar kleinen Umstellungen auch schon fast 30 % gespart ...

märchenonkel
03
Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg :-)

:-:¦¦¦¦:+_†_+:¦¦¦¦:-:
00
Der Absatz von extrem sparsamen LED-Lampen ist explodiert

Echt, gibts sowas schon? Eine LED die so hell wie eine normale 100W Birne ist und weniger Strom als eine hundsordinäre Kompaktleuchtstoffröhre braucht?

qe1
00

gibts. für 100W noch nicht, aber 60W kann man problemlos ersetzen. LED-Lampen von Toshiba sind von der Lichtqualität von matten Glühlampen eigentlich nicht zu unterscheiden (mir wärs jedenfalls nicht aufgefallen) und verbrauchen 5,5W statt der 60.
Nachteil: 25EUR pro lampe.
Habs mir trotzden geleistet, weils mir zu mühsam ist, jeden Monat die Leiter aus dem Keller zu holen um defekte Glüh- oder Energiesparlampen zu tauschen.

Heavyweather
00

Wo kann man die bestellen?

broncoo
42

nichts ersetzt mir meine Glühbirne! Zum Glück hab' ich genug eingelagert ...

Heavyweather
00

Was zahlst für eine 100 Watt Birne?

broncoo
00

nix - hab schon genug, aber wenn ich mich recht erinnere, haben die letzten ATS 2,50/Stk. gekostet ...

der burli
00
für 100W ersatz gibts noch nicht, aber als 30W ersatz zb im 12V bereich schon tadellosen ersatz!

Er staunt
00

Für den Haushaltsbereich noch zu teuer, aber technisch bereits ok, zumindest für Bereiche wo's auf ein perfekt natürliches Farbspektrum nicht wirklich ankommt. Als Straßenbeleuchtung, Strand- oder Stadionscheinwerfer, Garagenbeleuchtung etc. durchaus schon heute eine gute und sehr langlebige Alternative.

Die kritische Stimme
01
Nein, stimmt nicht

Der Preis liegt inzwischen bei ca. 15,90 Euro, dafür halten sie 30 Mal so lange wie eine Glühlampe. Eine Glühlampe dürfte also nur ca. 20 Cent kosten, von den Stromkosten ganz abgesehen!

Ich warne trotzdem vor dem schnellen LED-Lampen-Kauf. Deren Produktion verschlingt auch Energie und Resourcen, und wer Ökostrom bezieht, muss nicht übertrieben sparen, da der Strom ohnehin fast CO2-neutral ist.

Also besser: alte Lampen verwenden, bis sie durchgebrannt sind, dann wechseln. Das gilt eigentlich als umweltfreundlichste Alternative für fast alles, vom Auto (falls überhaupt), über den Kühlschrank bis zur Waschmaschine. Der Slogan: "Alte ... sind so umweltschädlich!" nützt nur der Industrie!

schneebrunzer
 
01
funktionierende Glühbirnen gegen Alternativen auszutauschen...

...finde ich auch etwas übertrieben. Ausgebrannte durch Energiesparlampen bzw. LED-Lampen ersetzen genügt.

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