Bangkok - Bei der Parlamentswahl in Thailand hat sich am
Sonntag laut Nachwahlbefragungen ein Sieg der Oppositionspartei Pheu
Thai angedeutet. Das Bündnis von Ex-Premier Thaksin Shinawatra wurde
von dessen Schwester Yingluck in den Urnengang geführt, weil sich der
frühere Ministerpräsident seit einem Militärputsch im Jahr 2006 im
Exil in Dubai befindet. Was seither geschah:
- 2006: Am 19. September übernimmt die thailändische Armee in einer
unblutigen Aktion die Macht, während sich der Milliardär Thaksin, der
vor allem von der ärmeren Landbevölkerung unterstützt wird, in New
York aufhält. Es folgt eine mehr als einjährige Militärregierung.
- 2007: Im Juni friert ein Antikorruptionsgericht Thaksins Vermögen
ein. Seine "Partei der Volksmacht" gewinnt im Dezember die
Parlamentswahl und beginnt mit der Bildung einer neuen Regierung.
- 2008: Wie bereits vor Thaksins Sturz organisieren die königstreuen
sogenannten Gelbhemden im Mai erneut Proteste. Als im September bei
Auseinandersetzungen mit Anhängern Thaksins ein Mensch getötet und
Dutzende verletzt werden, wird der Notstand ausgerufen. Das
Verfassungsgericht ordnet einen Wechsel im Amt des
Ministerpräsidenten an, das aber weiterhin von einem Vertrauten
Thaksins bekleidet wird.
Im Oktober sterben bei weiteren Protesten der Gelbhemden des
städtischen Establishments zwei Menschen, rund 500 weitere werden
verletzt. Ein Gericht verurteilt Thaksin in Abwesenheit wegen
Korruption zu zwei Jahren Haft. Im November wird nach neuen
Massenprotesten der Gelbhemden erneut der Notstand verhängt. Thaksins
Partei wird im Dezember vom Verfassungsgericht verboten, die
Demokratische Partei übernimmt mit Unterstützung der Armee die Macht.
- 2009: Zu Jahresbeginn organisieren die Thaksin-treuen Rothemden
Massenproteste gegen die neue Regierung von Ministerpräsident Abhisit
Vejjajiva. Im März stürmen tausende Rothemden ein Gipfeltreffen der
Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) im Badeort Pattaya und
erzwingen den Abbruch der Gespräche. Im April wird erneut der
Notstand verhängt.
- 2010: Im Februar beschlagnahmt ein Gericht rund 1,4 Milliarden
Dollar aus Thaksins Vermögen. Die Proteste der Rothemden gegen die
Regierung flammen im März wieder auf. Regierungschef Abhisit sucht
bei der Armee Unterschlupf. Bei heftigen Zusammenstößen der Rothemden
mit dem Militär werden im April und Mai etwa 90 Menschen getötet. Die
Rothemden müssen sich schließlich ergeben. Zum vierten Jahrestag von
Thaksins Sturz organisieren sie im September jedoch neue
Massenproteste.
- 2011: Im Mai wird der Termin für die nun erfolgte Parlamentswahl
festgesetzt. Thaksins Schwester Yingluck Shinawatra geht für seine
Partei ins Rennen. Bereits vor der Wahl wird ihr in Umfragen ein
klarer Sieg vorausgesagt. (APA)