Spektakuläre Entdeckung bleibt vorerst im Tempel und wird von über hundert Polizisten bewacht
Nach der spektakulären Entdeckung eines Schatzes von offenbar historischen Ausmaßen in dem indischen Hindutempel Sree Padmanabhaswamy im Bundesstaat Kerala hoffen Wissenschafter auf weiter kostbare Funde. Denn immer noch sind zwei der insgesamt sieben seit über 130 Jahren ungeöffneten Kammern unter dem Heiligtum verschlossen. Die sechste Kammer hätte schon am Montag ausgekundschaftet werden sollen, doch hinter der ersten Pforte kam eine eiserne Wand zum Vorschein, die zunächst jegliches Weiterkommen verhinderte. Und dann ist da noch eine weiter, siebte Kammer; auch diese sollte in den kommenden Tagen untersucht werden.
Der bislang entdeckte Schatz aus Gold- und Silberschmuck, Münzen und Edelsteinen soll vorerst im Tempel im Süden des Subkontinents bleiben, sagte ein ranghoher Beamter der Region am Montag. Aktuelle inoffizielle Schätzungen siedeln den Wert der Kostbarkeiten auf jenseits der sieben Milliarden Euro an. Ein früherer Richter des Obersten Gerichts in Kerala hatte am Sonntag erklärt, der Schatz sei möglicherweise sogar bis zu 15 Milliarden Euro wert. Der antike und archäologische Wert sei dabei noch gar nicht berücksichtigt worden. Der zuständige Beamte VK Harikumar dementierte dies allerdings. "Alle Zahlen über den Wert, die nun diskutiert werden, sind reine Fantasie."
Angeordnete Inventur
Der Sree-Padmanabhaswamy-Tempel aus dem 16. Jahrhundert ist für seine kunstvollen Skulpturen weit über Indien hinaus bekannt. Ursprünglich befand sich der Tempel im Besitz der lokalen Königsfamilie, der Maharadschas von Travancore. Diese sah sich außerstande, den baufälligen Tempel zu erhalten. Aus diesem Grund ordnete das Oberste Gericht von Kerala vor wenigen Wochen an, dass die Instandhaltung des Heiligtums zur Staatsaufgabe werde, die Regierung ordnete eine Inventur an.
Ob die Familien von dem Schatz Kenntnis hatte, ist unklar. Laut einem Bericht der Times of India seien die Reichtümer durchaus bekannt gewesen; sie wären sowohl in den Palastannalen erwähnt worden, als auch in den "Pradhanapetta Mathilakom Aufzeichnungen", einem 1941 publizierten Werk.
Schwierige Schatzsuche
Die verfügte Inventur erwies sich indes als schwieriger als zunächst angenommen. Schon in die Steinkeller vorzudringen war ein Problem. Die Inspektoren mussten Feuerwehr und Handwerker zu Hilfe rufen, um die uralten Schlösser aufzubrechen. Zudem musste Sauerstoff in die sechs Meter unter dem Erdboden liegende Gruft gepumpt werden.
Als sie ins Innere vordrangen, trauten die staatlichen "Höhlenforscher" allerdings ihren Augen kaum: Was ihnen da im Licht ihrer Lampen aus den muffigen Gewölben entgegenschimmerte, bot alles, was einen märchenhaften Schatz ausmacht. Unter den Entdeckungen war laut einem Bericht der Times of India auch eine Tonne Goldmünzen aus der Zeit Napoleons. Zudem seien Säcke voller Diamanten und Goldstatuen gefunden worden. Die staatliche Behörde zur Erhaltung von Kulturgütern (ASI) zeigte sich verblüfft über den Fund. "Kein Archäologe hat jemals erlebt, dass eine Geheimkammer nach der anderen geöffnet wird und Schätze wie diese entdeckt werden", sagte ASI-Generaldirektor Gautam Sengupta.
Hundertschaft an Wachen
In der Zwischenzeit sind über hundert bewaffnete Polizisten angerückt, um die Preziosen zu bewachen. Die Sicherheitskräfte bildeten drei Reihen um den Tempel. Der Schatz werde rund um die Uhr bewacht, zudem solle ein spezielles Kontrollzentrum eingerichtet werden. (red/APA/Christine Möllhoff/DER STANDARD)