AKH Wien

Prekäre Lage an Österreichs größter HIV-Station

01. Juli 2011 18:36

Das Geld für drei von fünf Ärzten der HIV-Station im AKH Wien kommt von Pharmafirmen, ihre Verträge gelten nur für je zwei Monate

Wien - Die gute Nachricht zuerst: Am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Wien werden HIV-/Aids-Patienten seit wenigen Tagen in einer neuen Station behandelt. 5,2 Millionen Euro wurden für den Bau des neuen Trakts namens "4Süd" in die Hand genommen.

Die schlechte Nachricht: Die Betreuung der rund 1100 Patienten steht in Österreichs größter HIV-Aids-Station alles andere als auf sicheren Beinen. Drei von fünf dort tätigen Ärzten stecken in einer überaus prekären Arbeitssituation. Sie sind drittmittelfinanziert, ihre Verträge werden also nur so lange verlängert, solange die Pharmaindustrie Geld für klinische Studien bereitstellt.

Ein Betroffener ist Florian Breitenecker. Alle zwei Monate laufe sein Vertrag aus und er unterschreibe einen neuen, sagt er - so Geld da ist. Ein Kollege, erzählt Breitenecker, sei zuletzt ein paar Wochen ohne Vertrag gewesen und als Mitarbeiter ausgefallen.

Die prekär beschäftigten Ärzte sind aber nicht nur für klinische Studien zuständig, wofür die Drittmittel eigentlich zur Verfügung stehen. Sie übernehmen auch den Großteil der ambulanten Patientenversorgung: Blutkontrolle, Therapie verschreiben und Behandlung akuter gesundheitlicher Probleme von HIV-Patienten.

Ein weiteres Problem, das sich durch diese Beschäftigungssituation auftut, ist, dass nach einiger Zeit der Verlängerung ein Kettenvertrag vorliegt. "Die Med-Uni will einen dann loswerden, weil man dann angestellt werden muss", fürchtet Breitenecker. Am AKH, wo der Bund über die Med-Uni Wien (MUW) Ärzte beschäftigt, gilt aber seit Anfang 2011 ein Aufnahmestopp. Derzeit werden Stellen abgebaut, frei werdende nicht nachbesetzt.

Die Zahl der ambulant behandelten HIV-/Aids-Patienten im AKH ist seit 2003 aber um mehr als das Doppelte gestiegen. Die Zahl der Studien (und der Mittel dafür) dürfte jedoch sinken, meint der Chef der HIV-Ambulanz, Georg Stingl. Er könne wegen des Aufnahmestopps nicht nachbesetzen. Stingl: "Ich jongliere."

Neben Ambulanz und Tagesklinik gibt es eine Zehn-Betten-Station im Neubau. Das Pflegepersonal dort erhält sein Gehalt von der Stadt Wien, die für den Neubau 2,8 Millionen Euro gezahlt hat.

Für die Personalnot im Ärztebereich sieht sich Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) aber nicht zuständig. Sie verweist auf den regionalen Strukturplan Gesundheit, der besagt, dass Ärzte im AKH vom Bund finanziert werden. "Man könnte allerdings über eine gemeinsame Betriebsgesellschaft für das AKH nachdenken", sagt sie. Der derzeit gültige Kooperationsvertrag läuft aber noch mindestens bis 2015.

Auch MUW-Vizerektorin Karin Guitérrez-Lobos hält eine "gemeinsame Leistungsplanung mit der Stadt" für "wirklich wünschenswert". MUW-Rektor Wolfgang Schütz war nicht erreichbar.

Im Büro des Wissenschaftsministers Karlheinz Töchterle (ÖVP) heißt es, der MUW stünden vom Bund für 2010 bis 2012 rund 818 Mio. Euro zur Verfügung - eine Steigerung von acht Prozent gegenüber der vorigen Periode. Die Verteilung der Mittel innerhalb der MUW und die Anstellung von Ärzten sei dabei Sache der Med-Uni und falle in deren Autonomie. (Karin Pollack/Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 2./3. Juli 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 119
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iGott
30.07.2011 17:45

Bedingungsloses Grundeinkommen! Und ein Struktur- und Wertewandel, hin zur Menschlichkeit, die den Mensch und nicht das Kapital in den Vordergrund stellt.

Chocoholic
06.07.2011 15:06
wie kann das sein, dass das Gehalt von einer Pharmafirma bezahlt wird?

Bonair
06.07.2011 15:32
Wird es nicht.

Pharmafirma entwickelt Studie, fragt - sobald die Durchführung von der Ethikkommission bewilligt ist - an passenden Abteilungen nach, ob diese die Studie durchführen möchten. Wenn dem so ist, bekommt das Zentrum als Ausgleich für die Personal- und Materialkosten Geld pro Patient und Patientenvisite.
Die Pharmafirmen zahlen für die Durchführung der Studie. Dass manche Zentren dieses Geld nutzen, um Mitarbeiter anzustellen, die nebenbei den Patientenbetrieb aufrechterhalten sollen, ist mMn dumm, da Doppelt- und Dreifachbelastung, aber viele Mediziner, v.a. junge, kommen anders eben nicht zu einem Job.

superloser
06.07.2011 10:15
Man werfe mal einen Blick auf die Psychiatrie im AKH

Verträge zwischen einem und drei Monaten, alle über Drittmittel.

Ravenspower
05.07.2011 02:01
Die Ärzte sollen hackeln

ich gehe für 1100 euro netto vollzeit arbeiten und weiss genauso wenig ob mein arbeitgeber nächstes monat noch "lebt". so ist das leben - es gibt keine garantien!
in AT wollen halt viele weiterhin "versorgt" werden.

trotzdem wette ich alles das ich schlecht ausgebildeter in 20 bis 30 jahren finanziell besser dastehe wie jeder akademiker und möchtegern!
der unterschied ist: ich packe an, halte die augen offen (neue möglichkeiten?) und jammere nicht.

die ärzte und co. wollen alles in ihren schoß gelegt bekommen. pfui teufel.

marty fink
07.07.2011 20:39
Tjo,

hättest was gscheits glernt...kein Mitleid!

Bonair
06.07.2011 14:08
ich gehe für 1100 euro netto vollzeit arbeiten und weiss genauso wenig ob mein arbeitgeber nächstes monat noch "lebt".

Keine Angst, Proleten wie Sie einer sind, werden bei Penny und Zielpunkt immer gefragt sein...

Traurig, was für einen Neid man auf Menschen entwickeln kann, die man nicht einmal im entferntesten kennt.

Mathias1337
05.07.2011 13:15
Dass

man Arzt nicht einfach so wird ist Ihnen schon bewusst oder?

Ravenspower
05.07.2011 22:35
AW: Matze

das ist mir herzlichst egal.

potz
04.07.2011 23:48

hats nicht vor kurzem geheissen, die krankenkassen machen wieder gewinn???

wie geht das zusammen?

potz
04.07.2011 23:47
kana zuaschtändig

ein österreichisches schicksal.

allen die sagen 'uh das ist nicht unser problem, das muessen die anderen regeln' kann man gleich einmal kündigen (Wissenschaftsminister, Stadt Wien, ...)

Da sollte ausreichend Geld frei werde.

Karl Buschina
03.07.2011 15:12
Wo kommt denn das ganze Geld von Life Ball Zirkus und Love Parades hin?.,.

BK W. Shoyssel
03.07.2011 23:43

nur der REINerlös wird gespendet. ALso abzüglich der Unkosten für Veranstaltung, Catering, Honorar oder UNkosten für Gery Keszler, usw. UNd das geht dann an AIDS LIFE, amfAR –
The Foundation for AIDS Research, der William J. Clinton Foundation und der UNAIDS,
dem Programm der Vereinten Nationen für den Kampf gegen AIDS.

mr. abc
03.07.2011 16:16
AKH

Soll das Gehalt für Ärzte in einem öffentlichen Spital durch Spenden finanziert werden?
Werden bald Schüler mit Spendenbüchsen durch Wien laufen, um Geld für die Ärzte im AKH zu sammeln?

Mein Grossvater hiess Israel Blank
03.07.2011 10:38
warum gibt man fuer die selbstzerstoerer geld aus?

Johannes Benn
04.07.2011 23:03
.

genau das ist das problem.

Kräuterpfarrer Escobar
03.07.2011 11:54
Wen meinen Sie?

Die Raucher? Die Alkoholiker? Die übergewichtigen Schnitzelesser? Die, die nie Sport machen?

Und was für ein Bezug hat Ihr Posting eigentlich mit dem Artikel?

barock1714
03.07.2011 11:27
für ihre psychiatrische behandlung wird ja auch geld ausgegeben!

ist nur fair!

Maxengine
03.07.2011 11:26
Weil jeder der Sozialversicherungs Beiträge zahlt ein gesetzliches Recht auf angemessene ärztliche Hilfe hat.

Des weiteren gibt es Menschen die durch verseuchte Blutkonserven angesteckt wurden oder auch durch den eigenen Ehepartner der fremd ging etc...

Aber für Sie darf man ( Sozialversicherungsbeträge ) schon ausgeben oder?,

und Egoistisch und Selbstverliebt sind Sie vermutlich auch nicht nehme ich an.

van.der.stiege
03.07.2011 00:33
na dann wollen wir mal hoffen, dass...

... sich diese abhängigkeit der pharmaindustrie nicht auch in den studienergebnissen niederschlägt. wär ja furchtbar wenn man immer mehr medikamente immer frueher verschreibt nur um sich selbst sein einkommen finanzieren zu können :-)

Allmächtiger Satan
02.07.2011 18:19

Im Verhältnis zu Hepatitis und Malaria ist HIV eine Orchideenkrankheit, die einen bedeutungslosen Bruchteil der Todesopfer der anderen Krankheiten fordert.

Aber die Malaria- und Hepatitisinfizierten haben halt keine schrille Promilobby, die für sie in den Medien dauertrommelt.

Odo O`Connor1
04.07.2011 10:04
schlichtweg falsch

Ihre Aussage ist schlichtweg falsch. HIV/AIDS ist weltweit die fünfthäufigste Todesursache mit knapp 2 Mio. Toten im Jahr (UNAIDS) demgegenüber steht die Malaria mit immer noch beachtlichen 900.000 Toten, Hepatitis B mit 600.000 und Hepatitis C mit 350.000 (WHO).

Für Österreich hat Malaria keine Bedeutung. Hepatitis B auch praktisch nicht, weil die Krankheit als sexuell übertragbare Krankheit fast nie chronisch verläuft (chronischer Verlauf dafür fast immer bei einer Infektion bei der Geburt, was in Österreich eigentlich nicht vorkommt).
Hepatitis C hat eine etwas höhere Prävalenz (% chronisch Infizierter Personen) als HIV ist aber in etwa 50% der Fällen heilbar.

Allmächtiger Satan
04.07.2011 10:09

Wer redet von Toten? Tote kosten nichts. Die Behandlung der Lebenden kostet Geld und da weit mehr Menschen an Malaria und Hepatitisformen leiden als an HIV, wäre hier eine effiziente Heilung wesentlich wirtschaftlicher. Leider wird durch das HIV-Medientamtam ein falsches Bild der Prioritäten gezeigt.

aiR_baeR
05.07.2011 14:15

Wer redet von Toten? --> ich glaube, das war der user allmächtiger satan ;-)

Allmächtiger Satan 02.07.2011 18:19

Im Verhältnis zu Hepatitis und Malaria ist HIV eine Orchideenkrankheit, die einen bedeutungslosen Bruchteil der Todesopfer der anderen Krankheiten fordert.

Aber die Malaria- und Hepatitisinfizierten haben halt keine schrille Promilobby, die für sie in den Medien dauertrommelt.

Allmächtiger Satan
05.07.2011 16:45

Was interessieren mich meine Worte von Vorgestern, wenn Sie mir heute nix mehr bringen?

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