Haftbefehle gegen frühere Minister
Abidjan - Ungeachtet seines Versöhnungsversprechens geht
der Präsident der westafrikanischen Republik Côte d'Ivoire
(Elfenbeinküste), Alassane Ouattara, rigoros gegen frühere Vertraute
seines abgewählten und erst nach einem monatelangen verlustreichen
Machtkampf niedergerungenen Amtsvorgängers Laurent Gbagbo vor. Auf
einer Pressekonferenz der Generalstaatsanwaltschaft wurden am Freitag
in Abidjan Haftbefehle gegen eine Reihe ehemaliger
Regierungsmitglieder bekanntgegeben.
Davon betroffen sind unter anderen Ex-Jugendminister Charles
Blé
Goudé, der Führer der Gbagbo-Miliz "Junge Patrioten", dessen
Aufenthaltsort nicht bekannt ist, Ex-Industrieminister Philippe
Attey, der ehemalige Regierungssprecher Ahoua Don Mello und der aus
Israel abberufene Botschafter Raymond Koudou Kessié. Zuvor waren
bereits 15 Ex-Funktionäre wegen "Rebellion" in Untersuchungshaft
genommen worden. Umfangreiche Säuberungen waren angelaufen, nachdem
der Staatschef angekündigt hatte, eine "Wahrheits- und
Versöhnungskommission" nach südafrikanischem Vorbild einzusetzen.
Bürgerkrieg
Ouattara hatte die Präsidenten-Stichwahl im November nach
Feststellung der unabhängigen Wahlkommission mit über 54 Prozent der
Stimmen gewonnen. Der von Gbagbo-Gefolgsleuten dominierte
Verfassungsrat rief jedoch den bisherigen Amtsinhaber zum Sieger aus,
nachdem rund eine halbe Million Stimmen mit der Begründung annulliert
worden war, dass in den Hochburgen Ouattaras im überwiegend
muslimischen Norden Anhänger Gbagbos an der Stimmabgabe gehindert
worden seien.
Ein Bürgerkrieg mit annähernd tausend Toten, in den
UNO-Blauhelm-Soldaten und französische Truppen eingriffen, endete mit
der Niederlage von Gbagbo, der im April nach zehn Jahren an der
Staatsspitze festgenommen wurde. Ende April hatten Ouattaras Männer
ihren Ex-Verbündeten Ibrahim Coulibaly, genannt "IB", umgebracht,
nachdem dieser sich geweigert hatte, seine Miliz aufzulösen. Der
47-jährige Coulibaly hatte von Ouattara verlangt, für seine Rolle im
Kampf gegen den abgewählten Präsidenten belohnt zu werden, doch
Ouattara ließ sich auf keinen Handel mit ihm ein. (APA)