Höchstleistung funktioniert nicht auf Knopfdruck

1. Juli 2011, 17:49

Höchstleistungen im Mitdenken und Mithandeln können nur intrinsisch motiviert erfolgen - Keine neue, dennoch eine wahre Botschaft

Neu ist die Botschaft dieses Buches nicht. Gleichwohl, sie kann gar nicht oft genug in Erinnerung gebracht werden: Vergessen Sie Zuckerbrot und Peitsche; erwarten Sie nicht, dass auf "Befehl" = Zielsetzung unmittelbar "Gehorsam" = Anstrengungen, das gesetzte Ziel zu erreichen, folgen. Überhaupt, Vorsicht vor überzogener Führung auf der Basis von Zielsetzungen. Das, so der amerikanische Wissenschaftsjournalist Daniel H. Pink, zieht nur begrenzt. Wenn überhaupt.

Er regt stattdessen an: Sorgen Sie dafür, dass es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sich aus zur Leistung drängt, dass aus reiner Pflichterfüllung aus dem tiefsten inneren Wollen kommendes Engagement wird. Denn: Sollen die zur Be-hauptung im heutigen Wettbewerb unverzichtbaren Best- beziehungsweise Höchstleistungen im Mitdenken wie Mithandeln erbracht werden, dann wird das nur Realität, wenn die Möglichkeit gegeben ist, sich am Ar-beitsplatz selbst auch verwirklichen zu können. Überdurchschnittliche Leistungen, so Pink, sind das Ergebnis des Empfindens, am Arbeitsplatz nicht nur eine beliebig verschiebbare Schachfigur zu sein, sondern sich entfalten und Sinn im eigenen Tun sehen zu können.

Abgesicherte Erkenntnis

Nicht zu Unrecht rügt Pink, dass die meisten Managementbegriffe des 21. Jahrhunderts voraussetzen, dass Menschen letztendlich Schachfiguren und keine Spieler sind. Unverkennbar, Daniel H. Pinks Buch verweist auf die herausragende Bedeutung der intrinsischen Motivation im Arbeitsprozess. Und bringt in lesenswerter, informativer Weise die mittlerweile hinreichend abgesicherte Erkenntnis in Erinnerung: Die überlegene Leistung lässt sich nicht anordnen, sie wird aus eigenem Antrieb heraus = intrinsisch erbracht.

Wirklich effizientes "Mitspielen" ist und bleibt eine freiwillige Leistung. Und den Boden für diese Freiwilligkeit zu bereiten ist Aufgabe überlegter, wohlbedachter Führung. Seine Überlegungen bringt Pink bemerkenswert so auf den Punkt: Management, in der oft wenig überlegten, die oben erwähnten menschlichen Bedürfnisse ausblendenden Weise praktiziert, wie es in der Praxis insbesondere auch in größeren und großen Unternehmen an der Tagesordnung ist, ist nicht die Lösung, es ist das Problem.

Was das Buch wirklich lesenswert macht, ist der aus der breiten Fülle der Argumentation kommende erinnernde wie wissensvermehrende Denkanstoß: Menschen, funktionieren, wenn überhaupt, nur sehr bedingt auf Knopfdruck. Und diese Erwartung des Funktionierens, die ist es, die Management vielfach so ineffektiv und zum genauen Gegenteil eines Leistungsstimulans macht. (Hartmut Volk, DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.7.2011)

Buchtipp

Daniel H. Pink: "Drive - Was Sie wirklich motiviert", Ecowin Verlag, Salzburg 2010, 282 S., € 21,90, ISBN 978-3-902404-95-4

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2 Postings
K(n)opfdruck

Schön, dass es solche Bücher gibt, die genau wissen, wie's geht, und in blumigen Konjunktiven ("...man müsste/sollte/könnte/dürfte") den Weg zur schönen, heilen Arbeitswelt weisen. Leider halten sich die Wenigsten daran. Die Rahmenbedingungen sind heute meist so, dass die MA "funktionieren", aber leider nur mehr funktionieren, und sonst nichts. Der ungeliebte Job dient nur mehr zum Überleben, geistig hat man sich längst davon verabschiedet. Von irgendwelchen "Höchstleistungen" ist das Ganze meilenweit entfernt. Aber Hauptsache, billig...

Traurig, aber wahr!

Genauso ist es! Alle wissen, wie's sein sollte, doch handeln dann genau konträr: Menschenmaterial wird nach Belieben aufgenommen, herumgeschoben, gekündigt. Zustehende Zahlungen werden verweigert, Rechte der Arbeitnehmer beschnitten. Niemand gebietet dem Treiben Einhatt, die Gewerkschaften geben sich völlig zahnlos. Und dann herrscht in den Chefetagen grosse Verwunderung, dass die Leute nicht motiviert sind und in Dankbarkeit ersterben, für dieses Unternehmen arbeiten zu dürfen.
Langfristig kommt das Sparen am teuersten, aber nachdem meist nicht weiter gedacht wird als maximal bis zur nächsten Quartalsbilanz, spielt das keine Rolle.

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