Ende der Ermittlungen gegen Staatsanwälte nicht absehbar

    1. Juli 2011, 17:35
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    Johann Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofes, zeigt sich verärgert

    Innsbruck/Wien - Die Ermittlungen gegen fünf Staatsanwälte aus Wien und Graz, denen unter anderem der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofes, Johann Rzeszut, Amtsmissbrauch in der Causa Kampusch vorwirft, laufen in Innsbruck weiter. Wie lange noch will der Staatsanwalt Hansjörg Mayr dem STANDARD am Freitag nicht verraten.

    Als Zeugen geladen wurden bisher Rzeszut, Ludwig Adamovich, der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofes, der Polizeijurist Rudolf Keplinger und Christian Semler, ein Polizist und einst enger Mitarbeiter des verstorbenen Chefermittlers der Soko-Kampusch, Franz Kröll, der Leiter der Rechtssektion im Innenministerium, Matthias Vogl und Susanne Reindl-Krauskopf, einst Stellvertreterin vom Chef der Evaluierungskommission Adamovich. Rzeszut, der nach dem Selbstmord Krölls durch einen Brief an das Parlament im Herbst 2010 Bewegung in den Fall, der gegen den Willen der Kommission abgeschlossenen worden war, brachte, zeigt sich im STANDARD-Gespräch über die Einvernahme zufrieden, ärgert sich aber auch.

    Denn zwei Punkte, zu denen er der Staatsanwaltschaft Belege mitlieferte, führten noch immer nicht zu Konsequenzen. "Das ist kein guter Indikator für die Fähigkeit zur Selbstreinigung der Justiz", glaubt Rzeszut. Konkret fürchtet er, dass etwaige Mittäter des Entführers von Natascha Kampusch, Wolfgang Priklopil, weiter ihr Unwesen treiben könnten, weil sie von Teilen der Justiz gedeckt wurden. "Da veranstaltet man Enqueten zum Kinderschutz, aber im Anlassfall schaut man weg", warnt Rzeszut. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 2./3. Juli 2011)

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      Im Fall Kampusch wurden Zeugen befragt.

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