Libanesischer Innenminister bestätigt Haftbefehle
Beirut - Die vier vom UNO-Sondertribunal zur Aufklärung
des Mordes am ehemaligen libanesischen Regierungschef Rafik Hariri
ausgestellten Haftbefehle, die der Justiz in Beirut übermittelt
wurden, richten sich alle gegen Mitglieder der schiitischen
Hisbollah. Innenminister Marwan Charbel bestätigte am Freitag in
Beirut die in Medienberichten genannten Namen Mustafa Badr al-Din
(Badreddine), Salim Ayyash, Assad Sabra und Hussein Anaissi. Wo sich
die Männer aufhalten, ist derzeit nicht bekannt.
Badr al-Din ist der Schwager des 2008 in Damaskus vermutlich vom
israelischen Geheimdienst Mossad getöteten früheren
Hisbollah-Militärchefs Imad Moughniyah. Er soll das Attentat auf
Hariri in Beirut 2005 zusammen mit Ayyash vorbereitet haben. Ayyash
besitzt die US-Staatsbürgerschaft. Sabra und Anaissi werden
verdächtigt, mit dem Palästinenser Ahmad Abu Adas kooperiert zu
haben.
Innenminister Charbel, ein maronitischer Christ, gehört der von
der Hisbollah und ihren Verbündeten dominierten Regierung von
Ministerpräsident Najib Mikati als unabhängiger Vertrauensmann des
Staatspräsidenten Michel Sleimane an. Er warnte davor, dass "die
Situation explodiert, denn dann haben alle verloren". Alle
politischen Kräfte müssten jetzt Ruhe bewahren und sich klug
verhalten, um einen Bürgerkrieg zu verhindern, sagte er. Libanesische
Medien meldeten, Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wolle sich am
Samstagabend zu der Anklageschrift äußern. Die Hisbollah hatte
erklärt, das Tribunal sei ein "Fallbeil in den Händen Israels und der
USA, um den libanesischen Widerstand zu köpfen" und Zwietracht
zwischen den Konfessionen zu säen. (APA)