Epileptiker kämpfen gegen ihre Krankheit und gegen Vorurteile
Monheim am Rhein - Unkontrolliertes, lautes Schreien, Krämpfe mit wilden Zuckungen. Die Begegnung mit einem Menschen, der gerade einen schweren epileptischen Anfall hat, löst die unterschiedlichsten Gedanken aus: Ist derjenige betrunken, geistesgestört oder sogar gefährlich? Nichts davon trifft zu. Epileptiker leiden an einer ernstzunehmenden Krankheit, die nichts mit Alkoholkonsum oder Geistesgestörtheit zu tun hat. Epilepsie bedeutet auch keine Gefahr für andere Menschen.
Die Fallsucht, wie das Leiden im Volksmund auch genannt wird, tritt auf, wenn Nervenzellen des Gehirns übererregt sind und sich ähnlich wie die Blitze bei einem Gewitter gleichzeitig und unkontrolliert entladen. Etwa zehn Prozent der Deutschen erleben einmal in ihrem Leben einen solchen epileptischen Anfall - oft im Anschluss an eine schwere Erkrankung wie zum Beispiel einen Schlaganfall oder einen Unfall berichtet der deutsche Online-Pressedienst humannews. Nur bei einem von 100 Betroffenen entwickelt sich daraus eine bleibende Funktionsstörung im Gehirn, die behandelt werden muss.
Bei der Künstlerin und Autorin Anja Zeipelt löste ein Schädelbasisriss nach einem Unfall beim Inlineskating die Epilepsie aus. "Ich hatte anfangs Blackouts, stotterte, fand die Worte nicht mehr, litt zunehmend unter Zuckungen", erzählt die heute 42-Jährige, "bis zu acht Mal täglich."
Unwissenheit führt zu Ausgrenzung
Anja Zeipelt ist von Anfang an offen mit ihrer Krankheit umgegangen. Keine Selbstverständlichkeit, denn für Betroffene sind Blicke und Unverständnis der Mitmenschen oft schlimmer, als die Erkrankung selbst. Menschen, die unter epileptischen Anfällen leiden, werden noch immer stigmatisiert, weiß Nicole Reketat, die sich beim Pharmaunternehmen UCB um die Bereiche Gesundheitsinformation und Patientenservice kümmert. UCB bemüht sich, das falsche Bild der Epilepsie in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Mit seiner Website setzt das Unternehmen auf Patientenaufklärung. Ein entscheidender Punkt, denn Epilepsie ist gut behandelbar - circa 70 Prozent der Betroffenen leben mit Medikamenten anfallsfrei. Um diese Möglichkeiten wissen nicht alle.
"Nur ungefähr die Hälfte der 750.000 an Epilepsie erkrankten Menschen befolgt die Therapieanweisungen ihrer Ärzte", bedauert Nicole Reketat. Dass die Zusammenarbeit mit dem Arzt lohnt, beweist Anja Zeipelt: "Ich bin gut eingestellt", erklärt sie. Das bedeutet, dass sie über Monate anfallsfrei ist. Ihre Krankheit hat Anja Zeipelt als einen Teil ihres Lebens akzeptiert. Ihrer Umwelt beweist sie eindrucksvoll, was Menschen, die mit Epilepsie leben, alles können.
Berühmte Menschen mit Epilepsie
Mit Geistesschwäche hat Epilepsie jedenfalls nichts zu tun - das beweisen auch zahlreiche geniale Menschen, die ebenfalls darunter litten. Die Epilepsie des Malers Vincent van Gogh etwa manifestierte sich während seiner größten Schaffensphase. Der Schriftsteller Fjodor Dostojewski schrieb vielen Personen in seinen Romanen eine Epilepsie auf den Leib, an der er selbst ebenfalls litt. Auch Julius Caesar hatte epileptische Anfälle und Papst Pius XI. wurde in seiner Jugend ebenfalls davon geplagt. (red)