Referendum

Ein wenig Machtverzicht für den Machterhalt

1. Juli 2011, 13:15

Rabat/Madrid - Die Marokkaner haben über eine Verfassungsreform abgestimmt, mit der die Macht von König Mohammed VI. beschnitten werden soll. Die Volksabstimmung am Freitag verlief friedlich ohne größere Zwischenfälle, teilte das Innenministerium in Rabat am Nachmittag mit. Die Wahllokale sollten um 19.00 Uhr (20.00 Uhr MESZ) schließen, erste Ergebnisse wurden am späteren Abend erwartet. Es wurde mit einer breiten Mehrheit für die Änderungsvorschläge gerechnet. Mit der politischen Reform will Marokko vermeiden, in den Sog der Umstürze von Tunesien und Ägypten zu geraten.

Bei drückender Hitze verlief der Auftakt der Abstimmung zunächst schleppend. Nach Angaben des Innenministeriums gaben in den ersten zweieinhalb Stunden nur 10,5 Prozent der gut 13 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Augenzeugen in der Hauptstadt Rabat berichteten jedoch, trotz sengender Sonne reiße der Zustrom zu den Wahllokalen nicht ab.

Eine niedrige Wahlbeteiligung würde zwar nicht dazu führen, dass das Referendum für ungültig erklärt wird. Doch würde dies als politische Niederlage für das monarchistische Regime gewertet werden. Anders als bei Parlamentswahlen konnten auch die im Ausland lebenden Marokkaner abstimmen.

Nach den Reformplanungen soll der Monarch künftig nicht mehr den Ministerpräsidenten auswählen, sondern den Kandidaten der stärksten Partei zum Regierungschef ernennen. Außerdem dürfte er künftig den Verteidigungsminister, den Innenminister, den Außenminister und den Kultusminister nicht mehr ohne Rücksprache mit dem Ministerpräsidenten bestimmen. Zudem könnte er keine Minister mehr ohne Zustimmung des Regierungschefs entlassen. Die Berbersprache soll dem Arabischen gleichgestellt werden.

König Mohammed hatte die Volksabstimmung in März angekündigt und die vorgeschlagenen Änderungen des Grundgesetzes am 17. Juni bekanntgegeben. Danach gibt der Monarch zwar einige seiner Kompetenzen ab, bleibt aber aber der wichtigste Machtfaktor in der marokkanischen Politik. So soll der 47-Jährige weiterhin die Sitzungen des Kabinetts und des Sicherheitsrates leiten. Er kann zudem das Parlament auflösen und behält seine Macht über die Armee und den Rat der Religionsgelehrten.

Die Protestbewegung "20. Februar" wies das Reformvorhaben als rein kosmetisch zurück und rief zum Boykott des Referendums auf. Dennoch plädieren alle im Parlament vertretenen Parteien von den Sozialisten über die Nationalisten bis hin zu gemäßigten Islamisten für die Reform. (APA)

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foto: epa/karim selmaoui

Unterstützer der Verfassungsreform bei einer Demonstration am Donnerstag.

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foto: abdeljalil bounhar/ap/dapd

Königstreue mit einem Bild des Herrschers Mohammed VI.

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foto: abdeljalil bounhar/ap/dapd

Gegner des Königs mit einem Plakat Kamal Al-Amris, eines Mitglieds der größten islamistischen Oppositionsgruppierung. Kamal Al-Amri ist am 29. Mai gestorben, nachdem er bei einer Demonstration einige Tage zuvor schwer verletzt worden war.

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foto: reuters/macao

Unterstützer der vom König vorgeschlagenen Verfassungsreform bei einer Demonstration vergangene Woche. 

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foto: abdeljalil bounhar/ap/dapd

Anti-Regierungsdemonstration am 26. Juni.

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foto: reuters/youssef boudlal

Befürworter der Reform am 19. Juni.

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foto: reuters/macao

Gegner der Verfassungsreform ebenfalls am 19. Juni. (red, derStandard.at, 1.7.2011)

Kommentar posten
10 Postings
beliar
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sind jetz völlig übergeschnappt???????? nun denn

masaru tak
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"Die Protestbewegung ruft zum Boykott auf. Dennoch plädieren alle im Parlament vertretenen Parteien von den Sozialisten über die Nationalisten bis hin zu gemäßigten Islamisten für die Reform. Es wird daher mit einer breiten Mehrheit gerechnet."

die parteien im parlament gehören dem könig.......

die gemäßigten islamisten im parlament wurden sogar vom könig selber ins leben gerufen um ein gegengewicht zur echten opposition im land zu haben.

der könig muss weg und das ganze system muss geändert werden.

beliar
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was denn ? der könig garantiert für stabilität, gut ich hab einen freund in morocco der ist für den könig
aber....

Monti80
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die parteien im parlament gehören dem könig?!

Die 325 Abgeordneten des Repräsentantenhauses werden alle fünf Jahre in direkter Wahl von der wahlberechtigten Bevölkerung gewählt. Die 270 Mitglieder des Senats werden von verschiedenen lokalen und regionalen Räten, beruflichen Organisationen und Arbeiterverbänden bestimmt, welche wiederum direkt gewählt werden. Gegenwärtig (Stand 31. März 2008) gibt es rund 30 verschiedene Parteien und die gehören nicht dem König. Ihre Behauptung ist daher falsch und der König kann bleiben!!!

beliar
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dafür grün

rhaino
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Der König in Marokko ist ja nicht das Problem, sondern die "oberen Zehntausend", die eigentlich das Land regieren. Der König wollte schon vor Jahren mehr Demokratie einführen und konnte es nicht, da eben diese Leute es verhinderten.

Im Gegenteil: ich befürchte, wenn der König abgesetzt würde, käme es zu einem desaströsen Machtkampf zwischen den verschiedenen Machtgruppen - dazu gehören in Marokko auch viele Gruppen, die sich ethnisch definieren. Da sind mir etwas korrupte monarchie Strukturen, die sich nur sehr langsam ändern allemal lieber, als noch ein Bürgerkrieg mehr auf dieser Welt.

beliar
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iyah in agadir sprechens anderes amazight als in quazarte stimmt schon aber das machts nicht aus

beliar
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in morocco gibts keinen bürgerkrieg bestenfalls gegen touristen

beliar
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komm mir nicht mit berbere ich weiss araber und berber wollen sich nicht aber.....

Rigglerobber
08
" der könig muss weg und das ganze system muss geändert werden"

ein großes Wort leichtfertig ausgesprochen... wenn die Alternative ein Massaker wie in Lybien ist, dann stellt sich die Frage, ob eine schrittweise Reform nicht doch was für sich hat.

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