Feindbild Automobil (II)

  • Radeln statt Rasen. Hohe Geschwindigkeiten waren Anfangs Radfahrerprivileg.
Foto: Alfred Teske  / pixelio.de
    foto: alfred teske / pixelio.de

    Radeln statt Rasen. Hohe Geschwindigkeiten waren Anfangs Radfahrerprivileg.

    Foto: Alfred Teske / pixelio.de

Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

Bis zur vorletzten Jahrhundertwende wurde das Automobil wohl kaum mit hoher Geschwindigkeit in Verbindung gebracht. Verkehr im öffentlichen Raum spielte sich im Wesentlichen bei Schrittgeschwindigkeit ab. Selbst wild dahingaloppierende Reiter waren die Ausnahme. In Großbritannien etwa durften Dampfwagen von 1865 bis 1896 nur im Schritttempo unterwegs sein. Ein Mann musste mit einer roten Fahne vorausgehen, um vor dem schwerfälligen Mobil zu warnen (Red Flag Act). Die hohe Unfallrate mit damals schon erschreckenden Todeszahlen hatten die Restriktion ausgelöst, hinter der auch die Lobbys der Pferdebesitzer und Eisenbahner standen.

Ein neues, viel höheres Geschwindigkeitsniveau wurde in jenen Tagen durch das Fahrrad salonfähig gemacht, das auch gleich einen erheblichen Teil der automobilen Faszination vorzeichnete. Das Wesen lag in der Leichtigkeit der Fortbewegung. Auch technisch bildeten die Komponenten des Fahrrads eine wichtige Basis für die Konstruktion der ersten Automobile.

So wie das Auto wurde schon vorher das Fahrrad zunächst nicht als ernsthaftes Verkehrsmittel wahrgenommen, sondern eher als Störfaktor im gemächlichen Miteinander von Fußgängern und Pferdefuhrwerken. Freizeit und Sport heizten die Bedeutung der "schnelleren" Verkehrsmittel an. Mit dem Begriff Nützlichkeit wurden beide zwecks besserer Akzeptanz erst später aufgeladen. So bildeten auch Radfahrer und Autofahrer zuerst gemeinsame Interessenverbände - und wurden erst zu Gegnern, als das Auto dem Rad davonfuhr. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/01.07.2011)

Share if you care