Tierisches Panoptikum

30. Juni 2011, 17:55
posten

Zu einem Zoorundgang der anderen Art lädt die Salzburger Galerie im Traklhaus ein, wo über 100 Künstler ihre "Viechereien" zeigen

 

Salzburg - Noch bevor man die Galerie betritt, plustert sich im Innenhof eine fünf Meter hohe aufblasbare Hühnerfigur der Salzburger Künstlergruppe bildkombinat bellevue auf, und ein Hund aus Kunststoff von Sebastian Weissenbacher starrt auf seine viel zu kleine Hütte. Neben dem Studioraum wurde ein altes WC in einen Project Space umgewandelt, in dem man sich ortspassend vor Judith Pichlmüllers Kakerlaken-Video ekeln kann.

In den Ausstellungsräumen fühlt man sich fast erdrückt von der Fülle dieser über 130 Kunstwerke, die unter dem Titel Froschbärfant Einblick in das vielfältige Schaffen von Künstlern aus Europa, Amerika und Asien geben. Manche Werke fallen aber doch sofort auf: Werner Reiterers präparierte Katze etwa, die durch Druckluft mittels Schlauch an der Decke schwebt, oder Gudrun Kampls Riesenspinne aus Samt, die mit einem Messgewand bekleidet ist. Manfred Wakolbingers großformatige Unterwasserfotos eines Krebses und eines Kalmars beeindrucken durch ihre Ästhetik und Farbe. Die Vielfalt der Techniken und Ausdrucksweisen ist enorm. Wenngleich Malerei und Grafik im Mittelpunkt stehen, bietet die Ausstellung auch Fotografien und Videos, Plastiken aus Textil, Keramik und Metall, Fantasieobjekte und Papierarbeiten. Die Exponate und Bilder sind nach Tiergattungen gruppiert und auf mehrere Räume aufgeteilt.

Sie spannen einen Bogen vom 18. Jahrhundert bis heute: Von den exakten Tierabbildungen eines Anton Enzinger bis zur Videoinstallation des Schweizer Duos Fischli und Weiss, die in die Rollen von Panda und Ratte schlüpfen; von Christian Ludwig Attersees Mischtechniken auf Karton bis zu Ivan Argotes Fotografien von Reiterstatuen in Paris, wobei er den Reiter wegretuschiert hat. Bei Paul Flora und Erwin Wurm kommt hingegen die Ironie nicht zu kurz, und Peter Koglers Ameisen wirken bedrohlich.

Um eine Werkschau dieses Umfangs präsentieren zu können, war die Galerie im Traklhaus auf zahlreiche Leihgaben, u. a. vom Museum der Moderne in Salzburg, dem Salzburg Museum, der Galerie Ropac und weiteren internationalen Galerien und Privatsammlungen, angewiesen. Dadurch hielten auch Grafiken renommierter Künstler wie Max Ernst, Paul Klee, Alfred Kubin, Pablo Picasso oder Alfred Kubin Einzug in diese "Tierkunstwelt". (Christian Weingartner/ DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2011)

Bis 3. 9.: Galerie im Traklhaus, Waagplatz 1A

 

  • Gudrun Kampls "Spinne" im Messgewand lauert auf Besucher in der Galerie 
im 
Traklhaus.
    foto: kampl / galerie steinek

    Gudrun Kampls "Spinne" im Messgewand lauert auf Besucher in der Galerie im Traklhaus.

Share if you care.