Schmied versöhnlich: Lob an Amon, ÖVP und Gewerkschaft

30. Juni 2011, 13:34

Durch Streit um Modulare Oberstufe näher mit Amon zusammengerückt

Wien - Jene, die ihr das politische Leben in den vergangenen Monaten nicht immer leicht gemacht haben, bekommen zum Schulschluss von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) Rosen gestreut. Bei einer Pressekonferenz hob sie am Donnerstag die "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit VP-Bildungssprecher Werner Amon hervor, trotz der jüngsten Kontroversen um die Modulare Oberstufe zeigte sie sich auch "über die Kooperation mit dem Regierungspartner" erfreut. Die Lehrergewerkschaft, mit der seit zwei Monaten über ein neues Dienstrecht verhandelt, wurde ebenfalls lobend unter jenen erwähnt, dank derer es "spürbaren Rückenwind" für die Umsetzung von Schulreformen gebe.

Überhaupt zeigte sich die Ministerin sehr zufrieden mit der Performance der Regierung bei der Schulreform. Drei Viertel der im Regierungsprogramm vereinbarten Projekte - deren Gemeinsamkeit laut Schmied: "Leistung und Qualität" - seien bereits umgesetzt. Insgesamt 39 Bildungsgesetze seien als Regierungsvorlage im Parlament eingebracht worden - "das ist ja oft nicht so leicht", verwies sie auf vielfache Unstimmigkeiten mit der ÖVP.

Lob auch an Neugebauer

Ganz besonders zufrieden sei sie über die Zusammenarbeit mit Amon, der im März die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl als Chefverhandler abgelöst hat. Ursprünglich hatte sich Schmied dem Vertrauten von GÖD-Präsident Fritz Neugebauer gegenüber noch eher skeptisch gezeigt, nun lobte sie die vor allem in der VP-intern umstrittenen Frage der Modularen Oberstufe eine "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit ihm. "Eine tragfähige Beziehung misst sich auch daran, dass sie in schwierigen Situationen hält und wächst."

Neue Pädagogenausbildung

Die nächsten Konfliktthemen stehen allerdings bereits auf ihrem Arbeitsprogramm: Im kommenden Schuljahr will sie den Schwerpunkt auf die neue Pädagogenausbildung sowie das neue Lehrer-Dienstrecht setzen, über das weiterhin bis zum Ende der Verhandlungen mit der Lehrervertretung Stillschweigen vereinbart wurde.

In puncto Besoldung betonte Schmied, dass eine Höherqualifikation der Pädagogen - sie sollen künftig in allen Bereichen vom Kindergarten bis zur Matura einen Master als Regelabschluss brauchen - nicht automatisch bessere Bezahlung bedeuten wird. Entscheidend sei die Funktion, in der der Pädagoge eingesetzt werde.

Und auch die Frage, welche Einrichtung künftig Pädagogen für die Null- bis 19-Jährigen ausbilden sollen, wird zumindest mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) noch zu Diskussionen führen. Zur Auswahl steht die Aufwertung der Pädagogischen Hochschulen (PH), die bei Schmied ressortieren, zu Pädagogischen Unis, oder die Konzentration der Lehrerausbildung an den Unis, die dann die derzeitigen PH-Bereiche in eine School of Education integrieren würden. "Wir werden über den Sommer Gespräche führen", kündigte sie an. Dass sie als PH-verantwortliche Ministerin allerdings die Idee der Pädagogischen Unis bevorzuge "ist glaube ich auch keine Überraschung". (APA)

G. Lavant
00
30.6.2011, 20:54
Was hier geplant ist, wird dann als Secondhand-Uni in die Annalen eingehen.

Eine Kindergartenpädogogin mit Masterabschluss wird dann stolze 1900 Euro kriegen.
Aber dafür einen stolzen Titel für das Türschild und auf den Grabstein.
Die guten Leute, die so etwas auskochen, lernen wirklich nichts dazu.

Karl L.
03
30.6.2011, 16:37
Durch Zusammenrücken stützen sich die Blinden

in der Bildungspolitik.

Keine Ahnung von den Stolpersteinen der Praxis und damit wieder eine Reform dahinholpert oder auf halbem Wege stecken bleiben wird.

Es gibt keine modularisierten Lehrpläne (das wird in die "Schulautonomie" abgeschoben) und ein Modul mit denselben Namen wird in der Schule A komplett andere Inhalte wie in der Schule B beinhalten. Durch geschicktes Modulhopping kann man dann mit einem einzigen Wisssensgebiet mehrere Modulzeugnisse sammeln.

Radio Eriwan
00
30.6.2011, 16:02
Werfen wir keine Nebelgranaten, gute Frau.

Unis sind Unis, auch wenn sie den Beinamen "pädagogisch" führen. Und damit ist der direkte politische Zugriff auf die Ausbildung Geschichte. Da kann man nicht an der Uni-Autonomie herumbasteln. Was eventuell ginge, wären wechselseitige Leistungsvereinbarungen, die auf der Basis ausgehandelter Ausbildungspläne ein prinzielles Anstellungsrecht im Schuldienst einschließen.

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