Depression erkennen rettet Leben

30. Juni 2011, 11:28
  • Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer 
behandlungsbedürftigen Depression.
Foto: Dagmar Zechel/www.pixelio.de
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    Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression.

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Nach wie vor große Defizite bei der Diagnose und Behandlung von Depressionen - 1. Deutscher Patientenkongress Depression lädt zum Austausch ein

Leipzig - Am 2. Oktober veranstalten die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die Deutsche Depressionsliga den 1. Patientenkongress für Betroffene und Angehörige in Leipzig. Thematisiert werden Depression bei Kindern und Jugendlichen sowie der Umgang mit depressiven Erkrankungen im Alltag und im Berufsleben. Die Veranstaltung wird vom Schirmherrn der Stiftung, dem Schauspieler und Entertainer Harald Schmidt, moderiert.

Über vier Millionen

Für Betroffene und Angehörige stellt die Depression eine große Belastung dar. In der breiten Öffentlichkeit ist die Dimension der damit einhergehenden Lebensbeeinträchtigung nur unzulänglich bekannt: Oft verlieren depressive Menschen das Interesse am sozialen Umfeld, können gemeinsame Aktivitäten mit Familie und Freunden nicht mehr genießen und soziale Kontakte nicht aufrechterhalten. Niedergeschlagenheit, Interesse- und Freudlosigkeit sowie Antriebslosigkeit sind die Kernsymptome einer Depression.

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden derzeit an einer behandlungsbedürftigen Depression. Nur eine Minderheit erhält eine optimale Behandlung. Wissenslücken in der Bevölkerung, Angst beziehungsweise Scham vor Stigmatisierung und diagnostische wie therapeutische Defizite, sind Gründe dieser mangelhaften Versorgung.

Initiative ergreifen

Initiiert wurd die geplante Veranstalung von Betroffenen und Angehörigen des Online-Diskussionsforums. 2001 wurde diese Plattform als Forschungsprojekt im Rahmen des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität gegründet, dessen Nachfolge die Stiftung Deutsche Depressionshilfe 2010 angetreten hat. Inzwischen ist das Forum mit über 11.000 aktiven Nutzern und weit über drei Millionen Besuchern pro Jahr zu einem wichtigen Bestandteil in der Depressions-Selbsthilfe geworden.

Die Belange depressiver Patienten und deren Angehöriger werden über den Patientenkongress in Leipzig in den Mittelpunkt des Interesses gestellt, um die Sensibilität für das heikle Thema zu steigern. Gleichzeitig gilt es, Kräfte für die wirksame, flächendeckend verfügbare Versorgung zu bündeln. (red)

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3 Postings
kein kommentar, wundert mich nicht...

ich beobachte so einen "fall" gerade in echt.

selbstmordversuch, diagnose depression:
diejenigen "verlieren" mitnichten nur das interesse am sozialen umfeld. das soziale umfeld verliert noch viel schneller umgekehrt das interesse. pflegt man selber noch kontakt wird das misstrauisch beäugt. immerhin hat man kontakt zu menschen die eine zeitlang im "guglhupf" waren (das könnte ansteckend sein!)

was mir angst macht: ich kann diese palette der reaktionen die von ignoranz bis gehässigkeit reicht nicht nachempfinden.

ganz einfach ist es aber auch nicht. wie geht man mit so jemandem um und was kann man alles falsch machen. das hemmt, aber einen einfachen leitfaden gibt es da wohl nicht.

viele Leute ziehen sich aus Unsicherheit vor depressiven Mitmenschen zurück.

aber es wird auch zunehmend zum Thema in der öffentlichen Diskussion und da immer mehr davon betroffen sind, wird sich da auch in Zukunft noch einiges tun. Als Angehöriger oder Nahestehender muss man wohl darauf achten, dass man die Linie zwischen Hilfestellung und Abgrenzung findet. Zuhören, nicht werten, nicht bemitleiden und zeigen, dass man da ist, das sind vielleicht die wichtigsten Beiträge. Aber ohne professionelle Hilfe geht da gar nichts, meiner Meinung nach.

So schlimm das ist, man kann nur jemandem helfen, der in irgend einer Form sagt: Ja, bitte hilf mir.

Wenn das nicht da ist, dann kannst du machen was du willst, es kann falsch oder richtig sein, es klappt einfach nicht. Wenn man so einen Menschen im unmittelbaren Umfeld hat, entsteht sogar so etwas wie eine Co-Abhängikeit bei Alkhol- oder Drogensüchtigen. Das heißt, man ist in dem Weg nach unten mit verwoben, wird Teil davon.
Daher ist es wichtig für die Menschen im Umfeld für sich selbst auch professionelle Hilfe zu holen.

Kann man aber grundsätzlich so sehen, wenn Menschen mit psychisch Kranken zusammenleben.

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