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Digitales Pisa? LOL

30. Juni 2011, 09:39

Einstiger Vorsprung und frühes Bewusstsein über den digitalen Umbruch der Kulturtechniken hat Österreich längst verspielt

Im Rückblick muss man dem Wiener Bürgermeister Helmut Zilk attestieren, dass er der Unterrichtsminister mit dem größten Weitblick in Jahrzehnten war. Zilk war nur ein Jahr lang Minister, 1983/84. Aber in dieser kurzen Zeit führte er den Informatikunterricht ein und öffnete der Schulintegration behinderter Kinder die Tür (die radikalste und offiziell am wenigsten beachtete Schulreform eines halben Jahrhunderts, aber das ist eine andere Geschichte).

Vorsprung verspielt

Dank Zilk war Österreich eines der ersten Länder Europas, das drei Jahre nach dem IBM-PC und im Jahr des Mac den digitalen Umbruch der Kulturtechniken erkannte. Zilks Nachfolgerinnen und Nachfolger schafften es, diesen Vorsprung so zu verspielen, dass Österreich jetzt beim digitalen Pisa-Test auf dem vorletzten Platz landete. Ein Drittel Burschen beendet die Schulpflicht als digitale Analphabeten.

Die amtierende Ministerin hatte das Glück, dass der absurde Lärm um Aufsteigen mit x Fünfern den gewaltigen Fetzen überdeckte, den dieses Zeugnis Österreichs Schulen ausstellte. Für die Behandlung digitaler Kompetenz quasi als Wurmfortsatz des allgemeinen Unterrichts ist es bezeichnend, dass der "bestürzend ausgegangene Pisa-Test" (die Zusammenfassung der Projektleiterin) der Ministerin keinen Kommentar wert war.

Doppeltes Versäumnis

Das ist ein doppeltes Versäumnis. Denn die digitalen Kulturtechniken, die unsere Informationsgesellschaft so radikal vorangetrieben haben wie Buchdruck, billiges Papier und Stifte zuvor, sind nicht einfach ein weiterer Gegenstand, der gelernt werden will. Sie haben das Potenzial, als Hebel zur Aufarbeitung der vom analogen Pisatest konstatierten großen Lernschwächen zu dienen.

Etwa beim Schreiben: So viel getextet wie heute - insbesondere von Jugendlichen - wurde noch nie zuvor, über SMS, Facebook, Twitter, Chats und andere Kanäle. Das führt nicht nur bei Lehrenden oft zu Naserümpfen, nicht zuletzt wegen der unverständlichen verwendeten Kürzel und Jargonworte. Ja, SMS-Dialoge sind keine Maturaaufsätze. Aber nur wer sich äußert, kann auch lernen, dazu Formen zu entwickeln. Eine der kürzesten Gedichtformen aller Kulturen, das japanische Haiku, ist auch eine der kunstvollsten.

Effektives Immunsystem

Gegen all diese Entwicklungen scheinen die Schulen ein überaus effektives Immunsystem entwickelt zu haben. Um fair zu sein: Es gibt viele einzelne Initiativen, auch Schulen, die mit viel Verve die neuen Kulturtechniken einsetzen. Aber das verblasst vor dem großen Ganzen: 2009 waren gerade 600 von rund 55.000 Schulklassen "Laptopklassen", hatte also jedes Kind sein eigenes digitales Werkzeug. Selbst vor der Erfindung der Schulbuchaktion war die Bücherausstattung nicht so schlecht.

Es braucht eine Lernkulturrevolution

Natürlich ist es mit Hardware nicht getan, es braucht eine Art digitale Lernkulturrevolution, um das Potenzial der neuen Medien auszuschöpfen. Statt sich an parteipolitischen Betonmauern den Schädel wundzuschlagen, wäre dies ein Feld, das weniger kontroversiell beackert werden könnte. Es winken, welch garstiges Wort, Produktivitätssteigerungen durch digitale Technologie. Man könnte auch sagen: bessere Lernmöglichkeiten für unsere Kinder. (Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 30.6.2011)

 

Kommentar posten
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gogosch der Grosse
00
Und A1 setzt alles daran dass es auch so bleibt!

Vor allem im ländlichen Raum gibts kein UMTS und auch zumeist kein Internet!
Schon wenige km nach der Stadtgrenze von Wien beginnt im Speckgürtel die IT-Wüste!

lawiesalon
 
00
noch früher

1984 stimmt nicht ganz. wir haben schon um 1980 in der schule basic-zeilen in sharp-taschenrechner geklopft. war aber eher die ausnahme.
erwartet jemand ernsthaft, dass lehrer, die wahrscheinlich in ihrer mehrheit noch nicht internet- generation ((c) w. schüssel) sind, besonders motiviert sind, etwas weiter zu geben, von dem sie nix verstehen?

Alex Hofbauer
00

„erwartet jemand ernsthaft, dass lehrer...von dem sie nix verstehen?“

Ja. Ernsthaft. Nennt sich Fortbildung. Lehrer werden auch dafür bezahlt.

RS69
 
00

Wenn dann auch noch gute Seminare finanziert würden, ...

Roman Gräbner
10
30.6.2011, 22:56

und schon gehen wieder alle auf Schule, Politik usw. los. Ich bin auch nicht mit allem zufrieden, aber gegen die Fehlende Neugier Hintergründe zu erfassen kann nur die Gesellschaft selbst etwas. Jeder will nur mehr bedienen, aber keiner mehr Verstehen was im Hintergrund passiert. Das fängt beim Auto an und hört beim Computer auf. Und jedes Facebook-Kiddy meint es könne mit Computer umgehen...

the man they couldn't hang
01
30.6.2011, 21:32
was ist eigentlich ...

mit den ipad-klassen im burgenland passiert?
wie wäre es mit einem "lokalaugenschein"!

Zitronenbaum
01

Ehrlich, da wurde den Eltern statt einem Notebook ein iPad angedreht? o_o
Freedom of choice ist wohl nicht mehr ...

klausenpown
00
30.6.2011, 18:41

Schulreformen (bzw. generell alle Reformen) der heutigen Zeit zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie nichts kosten und nichts an den Privilegien der Lehrer ändern.

Das führt dazu, dass Reformen so aussehen, dass man die Hauptschule einfach zur Gesamtschule macht und Schüler mit 2 statt mit einem Fünfer aufsteigen lässt. Weniger Schüler pro Lehrer, weniger Ferien, Lehrplan modernisieren, Schulen modernisieren, gezielte Förderung? Kostet alles oder tastet Privilegien an - geht nicht gibts nicht. Das gleiche bei den Unis, beim Bundesheer, etc.

Ron J. 2000
90
30.6.2011, 14:23

ich weiß auch nicht, ich lerne lieber von ausdrucken und büchern als von einem computerschirm.

die armen kinder die bald nur mehr alles vom notebook vorgekaut bekommen tun mir leid.
jaja früher war noch alles besser *fg*
heute wird einfach nur mehr ein tweet mit "heast oida, lol" dann veröffentlicht. ^^

Nicht Sicher
02

alles vorurtiele, mit eink kann man genau so gut vom display lesen wie auf papier.

und dann, schon mal volltextsuche mit einem buch probiert? jaja index .. ich weiss schon - machen wir mal eine such competition.

geodomus
00
30.6.2011, 19:06
den text überhaupt gelesen?

bzw. verstanden?

es geht darum das man mit PCs zusätzlich lernen kann, und nicht NUR von PCs

außerdem geht es bei weitem übers vorkauen hinaus, soweit ich das damals in meiner 3ten klasse der Volksschule (is jetzt schon 11 jährchen her) mitbekommen hab.

Hirostandard
012
30.6.2011, 13:08

Ist doch klar warum alle anderen Politikier das verspielt haben. Zilk war einer der alte Riege, die nicht daran gedacht haben was in 3-6 Jahren passiert, sondern die daran gedacht haben was in 25-35 Jahren passiert und dementsprechende Maßnahmen ergriffen hat.

Würde nur einer unserer heutigen Petzibären im Parlament in die Zukunft der nächsten 25-35 Jahre schauen würde er vielleicht auch endlich mal sinnvolle "Gesetze" und "Änderungen" bringen.

Dr. Seltsam
 
03
30.6.2011, 17:18

Kein Politiker bei uns denkt in 3-6 Jahren!
Unsere Politiker denken maximal bis zur nächsten Wahl, meistens nur bis zur nächsten Meinungsumfrage.

MemoryDragon
03
Faymann und Co

denken nur bis zur nächsten Kronenzeitungsausgabe.

märchenonkel
04
30.6.2011, 12:46
Vielleicht geht der ESDL umd M$-only ein bischen an der Realität vorbei?

R. Lexer
01

Microsoft zu verwenden ist eigentlich keine Voraussetzung, auch wenn der Test klar auf MS Office und vergleichbare Pakete zugeschnitten ist.

Aber der Test selbst ist ein Witz. Die Aufgaben sind dermaßen kleinteilig, dass der ECDL in keinster Weise einen Nachweis in Problemlösungskompetenz darstellt.

Und oft muss man wirklich hirnverbrannte Sachen tun, wie den gesamten Text markieren und mit Arial zu formatieren. Das ist ja wohl nicht Sinn einer Textverarbeitung.

RS69
 
01

Umso schlimmer, schon an sowas zu scheitern.

TRockenmilch
00
30.6.2011, 13:59

nein.

so schlimm es ist dieses zeug zu verteidigen.

ansich macht es bei dem geringen umfang schon sinn die branchenführer in den entsprechenden anwendungsbereichen (kalkulation, textverarbeitung, mailing etc) zu verwenden.

tatsache ist aber auch dass der ECDL mit normalen schulunterricht gar nie in verbindung gebracht werden dürfte.
das ist eine sache, die nur bei absoluten it-fremden sinn macht.

schüler sollte lieber lernen wie sie es vermeiden auf große wysiwyg-ungetüme angewiesen zu sein.

opryde
50
30.6.2011, 14:59

nicht jeder schüler will quellcode schreiben ...

TRockenmilch
15
30.6.2011, 17:06

... oder die 4 fälle der deutschen sprache kennen.

man muss eine gewisse grundkompetenz in der schule rüberbringen.

das MUSS über simple anwenderkenntnisse nunmal hinaus gehn.

Herzerzog Johann
04
30.6.2011, 12:28
Welcher Vorsprung?

Wer einen auf Papier gedruckten Text nicht sinnerfassend lesen kann, der begreift ihn auch dann nicht, wenn er in elektronischer Form vorliegt, in Stein gehauen, in den Sand geschrieben oder sonstwie visualisiert ist.

Ron J. 2000
00
30.6.2011, 14:18

genau so ist es. hier wird drama um nichts erzeugt.

Teiwaz
016
30.6.2011, 11:37
Und warum? Weil Politiker nur mehr ahnungslose Fachtro*tel im Wahrheiten verdrehen, lügen, herausreden und abkassieren sind.

Von Dingen, die für ihre entsprechenden Ressorts wichtig wären, haben sie NULL Ahnung!

Nicht Sicher
00

schon nur frag ich mich warum sie immer wieder gewählt werden? hat es doch jeder selbst in der hand! wie wäre es mit einem wahl streik, oder einem volksbegehren, dass man einen punkt auf der wahlkarte hat "mit keiner wahlmöglichkeit einverstanden" und wenn x% das ankreuzen muss neu gewählt werden und zwar solange biss es passt.

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