Wenn sie etwas anfange, mache sie es hundertprozentig - Nun ist die 25-jährige Janine Wulz neue ÖH-Chefin
Politisch engagiert ist sie schon ihr halbes Leben lang, begonnen hat es "mit 12, 13 mit dem Regenwald", jetzt, mit 25, ist das erste offizielle Amt da: Janine Wulz von den Grünen & Alternativen Student-Innen (Gras) wurde am Mittwoch zur neuen Vorsitzenden der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) gewählt. "Wie das so ist - wenn ich sowas einmal anfange, dann mache ich es hundertprozentig - und auf einmal bin ich ÖH-Vorsitzende", sagte die neue Chefin des Studierendenparlaments im STANDARD-Gespräch.
Zur Umweltpolitik kam schnell die Gesellschaftspolitik dazu, erzählt die ausgebildete Kindergartenpädagogin. Es folgte "viel Antifa-Politik", und langsam, aber sicher kam sie "immer näher zur Bildungspolitik", was ihr angesichts "unseres maroden Bildungssystems" logisch erschien. Dieses Interesse stillte die gebürtige Klagenfurterin - ihre Mutter ist dort grüne Stadträtin - als Studentin der Bildungs- und Politikwissenschaft an der Uni Wien und zuletzt bei der ÖH-Wahl im Mai als Spitzenkandidatin der Gras.
Fünf Wochen später hat die ÖH eine neue Chefin, die sich als "optimistisch und meistens auch sehr fröhlich, politisch aber sehr kritisch und kämpferisch" und als "Person mit großem Durchhaltevermögen" beschreibt - und, wie die quirlige junge Frau mit den roten Dreadlocks unbefangen sagt: "Ja, logisch bin ich Feministin, wenn man sieht, wie die Herrschaftsverhältnisse noch immer sind."
Gefragt, welches Buch man unbedingt gelesen haben muss, antwortet die Vielleserin denn auch mit Das andere Geschlecht von Simone de Beauvoir. Das sei für sie "sehr prägend" gewesen.
Janine Wulz spielte viele Jahre Klavier und Gitarre und geht "sehr gern tauchen". Das liegt in der Familie, der Vater und eine Schwester sind Tauchlehrer. Ging es früher am Wochenende oft ins nahe Kroatien, folgte die neue ÖH-Chefin ihrer Schwester auch in die weite Welt - und tauchte etwa in Thailand oder Costa Rica "mit riesigen Haien".
Wie es sich für eine Grüne gehört, fährt sie Fahrrad, ohne ein Fall für den diskutierten Fahrradbeauftragten zu sein: "Ich bin eine Schönwetterradfahrerin, die am Wochenende den Donaukanal entlangradelt." Rauchen tut sie auch, aber "selten". Überhaupt hält sie "generell recht wenig von Verbotspolitik". Lachend verrät sie noch etwas: Vegetarierin ist sie auch, "voll dem Klischee entsprechend". Was nicht heißt, dass Leberkässemmeln pfui sind. "Es gibt ja auch vegane." Mmmmmh. (Lisa Nimmervoll, STANDARD-Printausgabe, 30.6.2011)