Forderung vor Kanzler Faymanns Anti-Atomgipfel: Schon ab 2013 soll Handel mit Atomstrom verboten sein
Wien - Die Grünen und der Umweltdachverband wollen Österreichs Energieanbieter an die Kandare nehmen. Konkret soll der Verbund - aber auch die anderen Anbieter - keinen Strom unbekannter Herkunft an den Strombörsen handeln oder an Endkunden weiterverkaufen dürfen. Und das ab 2013 - also zwei Jahre vor dem von der Regierung ausgegebenen Ziel, atomstromfrei zu sein. Beim Anti-Atomgipfel, zu dem Kanzler Werner Faymann die Energiewirtschaft und NGOs am Freitag lädt, werde "ein 'Ja' zu dieser Forderung" erwartet, sagte Grünen-Chefin Eva Glawischnig am Mittwoch.
Der Hintergrund: Laut Energieaufsichtsbehörde E-Control hat Österreich im Jahr 2009 mehr als 8500 Gigawattstunden des sogenannten grauen Stroms an Endkunden verkauft - also auch Strom aus Atomkraftwerken. Auf sechs Prozent wird der Atomstromanteil geschätzt. Und damit soll nun Schluss sein, fordert Glawischnig gemeinsam mit Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband. Die Anbieter sollten künftig "gesetzlich an zertifizierten Strom gebunden werden" (Glawischnig). Derzeit importiere Österreich rund tausend Megawattstunden Strom aus Tschechien, sagte Heilingbrunner - und folgerte: "Ein Atomreaktor in Tschechien läuft nur dafür, dass die Verbundgesellschaft diesen Strom abkauft." Das AKW Temelin arbeite "zu einem Großteil für den österreichischen Import." Für Heilingbrunner ist klar: Beim Antiatomgipfel der Regierung müsse ein "Schlussstrich gezogen werden", sonst könne der Gipfel "einpacken".
Im Verbund - Mehrheitseigentümer ist mit 51 Prozent die Republik Österreich - wollte man den Vorschlag der Grünen und des Umweltdachverbandes nicht kommentieren.
In der E-Control gibt man zu bedenken, dass man mit dem Verfügen eines Importstopps von Graustrom den Spielraum der Stromunternehmen in Österreich gegenüber dem Ausland einschränken würde. "Der normale Weg wäre, dass der Kunde sich aussucht, welches Produkt er haben will, wie bei anderen Produkten auch", sagte Christian Schönbauer, Spezialist für erneuerbare Energien bei der E-Control, dem Standard. "Wenn kein Konsument in Österreich Atomstrom haben will, wird auch kein Atomstrom nach Österreich importiert werden, jedenfalls nicht bis zum Letztverbraucher", erklärte Schönbauer. Die Prognose von E-Control-Vorstand Martin Graf fällt düster aus: "Solange irgendwo in Europa ein Kernkraftwerk läuft, wird es bei uns Atomstrom geben." (pm, stro, STANDARD-Printausgabe, 30.6.2011)