Atomenergie

Grüne gegen "grauen Strom"

29. Juni 2011, 18:50

Forderung vor Kanzler Faymanns Anti-Atomgipfel: Schon ab 2013 soll Handel mit Atomstrom verboten sein

Wien - Die Grünen und der Umweltdachverband wollen Österreichs Energieanbieter an die Kandare nehmen. Konkret soll der Verbund - aber auch die anderen Anbieter - keinen Strom unbekannter Herkunft an den Strombörsen handeln oder an Endkunden weiterverkaufen dürfen. Und das ab 2013 - also zwei Jahre vor dem von der Regierung ausgegebenen Ziel, atomstromfrei zu sein. Beim Anti-Atomgipfel, zu dem Kanzler Werner Faymann die Energiewirtschaft und NGOs am Freitag lädt, werde "ein 'Ja' zu dieser Forderung" erwartet, sagte Grünen-Chefin Eva Glawischnig am Mittwoch.

Der Hintergrund: Laut Energieaufsichtsbehörde E-Control hat Österreich im Jahr 2009 mehr als 8500 Gigawattstunden des sogenannten grauen Stroms an Endkunden verkauft - also auch Strom aus Atomkraftwerken. Auf sechs Prozent wird der Atomstromanteil geschätzt. Und damit soll nun Schluss sein, fordert Glawischnig gemeinsam mit Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband. Die Anbieter sollten künftig "gesetzlich an zertifizierten Strom gebunden werden" (Glawischnig). Derzeit importiere Österreich rund tausend Megawattstunden Strom aus Tschechien, sagte Heilingbrunner - und folgerte: "Ein Atomreaktor in Tschechien läuft nur dafür, dass die Verbundgesellschaft diesen Strom abkauft." Das AKW Temelin arbeite "zu einem Großteil für den österreichischen Import." Für Heilingbrunner ist klar: Beim Antiatomgipfel der Regierung müsse ein "Schlussstrich gezogen werden", sonst könne der Gipfel "einpacken".

Im Verbund - Mehrheitseigentümer ist mit 51 Prozent die Republik Österreich - wollte man den Vorschlag der Grünen und des Umweltdachverbandes nicht kommentieren.

In der E-Control gibt man zu bedenken, dass man mit dem Verfügen eines Importstopps von Graustrom den Spielraum der Stromunternehmen in Österreich gegenüber dem Ausland einschränken würde. "Der normale Weg wäre, dass der Kunde sich aussucht, welches Produkt er haben will, wie bei anderen Produkten auch", sagte Christian Schönbauer, Spezialist für erneuerbare Energien bei der E-Control, dem Standard. "Wenn kein Konsument in Österreich Atomstrom haben will, wird auch kein Atomstrom nach Österreich importiert werden, jedenfalls nicht bis zum Letztverbraucher", erklärte Schönbauer. Die Prognose von E-Control-Vorstand Martin Graf fällt düster aus: "Solange irgendwo in Europa ein Kernkraftwerk läuft, wird es bei uns Atomstrom geben." (pm, stro, STANDARD-Printausgabe, 30.6.2011)

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la papagena
01
Der dicke Michl
10
Oba geh...

...dann funktioniert ja die tolle Antiatom-Ökoschmäh-Stromwaschmaschine nicht mehr, die jede Nacht mit schmutzigem Atomstrom Wasser die Pumpspeicherwerke hinaufpumpt, um es am nächsten Tag als sauteuren blitzeblanken Biowasserkraftstrom an die ökobewusste Kundschaft zu bringen...

WBR
24
30.6.2011, 17:25
@Redaktion

Und natürlich, wie nicht anders zu erwarten, wieder ein Watt/Wattstunden-Fehler:
"Derzeit importiere Österreich rund tausend Megawattstunden Strom aus Tschechien."
Gemeint waren offensichtlich Megawatt: "Ein Atomreaktor in Tschechien läuft nur dafür, dass die Verbundgesellschaft diesen Strom abkauft."
Wie wäre es, wenn sich jeder Redakteur, der gelegentlich zu einem Energiethema schreibt, EINMAL mit dem Unterschied zwischen Watt (Leistung) und Wattstunden (Energie) auseinandersetzen würde?
Im reinen Online-Standard mögen solche Fehler ja akzeptabel sein. Aber in Printausgaben kommt mir das schon ziemlich peinlich vor.

Martin Müller10
 
01
30.6.2011, 20:27
Versuchen Sie nochmals zu lesen! Es handelt sich um die Energie

die in einem Jahr importiert wurde und damit um eine durchschnittliche Leistung!

WBR
01
30.6.2011, 21:43

Siehe fritz1004, es passt tatsächlich so manches nicht zusammen.
Aber immerhin würden die 1000 MW (= 1 GW) importierte Leistung gut zu den "über 8500 GWh" grauen Stroms passen. 1 Jahr mit einer Durchschnittsleistung von 1 GW ergibt 8760 GWh.
1000 MWh pro Jahr wären allerdings gar nicht der Rede wert, da liefert ein einzelnes Windrad ja schon mehr.
Keinesfalls würde es die Schlussfolgerung stützen, für den Verbund allein laufe schon ein ganzer Atomreaktor. Das passt allerdings sehr gut zu einem GW Importleistung.

fritz1004
00
30.6.2011, 20:56

Stimmt sowieso alles nicht zusammen!
"...hat Österreich im Jahr 2009 mehr als 8500 Gigawattstunden des sogenannten grauen Stroms..."
2009: 8500 GWh graue Energie
/ (24*365) = 970 MW Schnitt
"Auf sechs Prozent wird der Atomstromanteil geschätzt."
*0,06 = 58 MW Atomstrom (1/20 von 1 Reaktor)
"Derzeit importiere Österreich rund tausend Megawattstunden Strom aus Tschechien"
Wenn 1000 MW (nicht MWh) ist es 1 Reaktor, passt aber nicht zu obiger Aussage, es sei denn 2011 ist mit 2009 nicht mal entfernt vergleichbar.
Wenn tatsächlich 1000 MWh, dann sind es (pro Jahr vorausgesetzt) 114 kW im Schnitt, 0,1 Promille eines Kernreaktors, ein kleineres Wasserkraftwerk a 300l/sec; 50 m Höhe ca..

Passt hinten und vorne nicht zusammen.

h 90
01

Zynische Erklaerung:
8500 GWh graue Energie
= 970 MW Schnitt
= Genau ein typischer Reaktorblock
6 % Atomstrom...Die Schweine haben uns den ganzen Atomstrom geschickt und den guten Wasserkraftstrom selber benuetzt :-)))
Was zwar sogar stimmen kann wenn ein AKW an der Grenze steht, aber trotzdem hat Strom kein Mascherl

ND1
10
30.6.2011, 16:23
vielleicht

sollte sich klein evilein die geschichte mit dem strom und wie das so alles funktionieren tut einmal erklären lassen bevor sie etwas öffentlich fordert und wieder einmal als die dumme dasteht ...

ND1
00
wollen sie damit

zum ausdruck bringen dass sie auch noch bildungsresistent ist?

la papagena
11
30.6.2011, 20:27
vielleicht

sollte ND1, vor dem posten, etwas recherchieren.....

Eva Glawischnig widmete ihre Dissertation (1999) dem Thema "Grenznahe Atomkraftwerke - Rechtsschutzmöglichkeiten des Zivilrechts".

Es gibt also sicherlich wenige Politiker, die von dieser Materie so viel verstehen und über eine vergleichbare überdurchschnittliche Fachkompetenz verfügen.

Martin Müller10
 
01
Was soll diese Diss beweisen?? Da geht es um Technik

und das ist nicht gerade das Spezialgebiet der Grünen.

h 90
00

Ja die Dis sollte man offensichtlich auch mal ueberpruefen.
Siehe Diskussion mit Raidl.

Kennmichaus
103
30.6.2011, 13:01

Warum sind die Grünen immer GEGEN irgendwas. Warum kommen sie nicht mit Lösungsvorschläge FÜR etwas. Es gäbe eh genug Probleme zu lösen.

Andreas Mittermayer
15
30.6.2011, 15:11
Sie sind ja auch in diesem Zusammenhang FÜR etwas.

.
Etwa: "...Die Anbieter sollten künftig "gesetzlich an zertifizierten Strom gebunden werden" (Glawischnig)..."

Sie müssen den Text oben halt lesen.

sir osis of liver
 
00

und dieser strom kriegt dann ein grünes mascherl?

Andreas Mittermayer
00
Der Strom nicht, aber

.
der damit verbundene Geldfluss!

Siehe auch:

http://www.forschungsgemeinschaft-sol.at/SusA30.pdf

ab Seite B-9

my PC
00
30.6.2011, 18:29
Die Konsumente sollen auch FÜR die Verwirklichung ihrer Ideologien mehr zahlen

egal, ob mann das nun selbst will oder nicht - ohne Kostenbegrenzung (Deckelung)! Sie sind auf FÜR die Entmündigung des Bürgers, indem sie danach trachten ihm seine Entsheidungsfreiheit bei der Wahl seines Stromproduktes zu nehmen. Und sie sind FÜR die langfristige Einkommenssicherung einiger weniger Öko-Stromprofiteure, indem sie viele Jahre garantierte Abnahmepreise für ineffizienteset erzeugten Strom verlangen, auch wenn dieser zwischenzeitlich wegen besswerer Technik schon wesentlich günstiger erzeugt werden könnte. Wo sonst gibt es noch solche Garantien (ausgenommen Landwirschaft)?

Andreas Mittermayer
13
30.6.2011, 18:35
"...Sie sind auf FÜR die Entmündigung des Bürgers..."

.
Na, Sie haben ja eine eigenartige Denkweise!

Ich sage Ihnen etwas: Ich beispielsweise werde von den Atom- und Kohlekraftwerksbetreibern entmündigt (und von den Politikern, die diese unterstützen). Denn niemand hat mich vorher gefragt, ob ich die mit dieser Art der Stromerzeugung verbundenen Risiken, Schäden und Kosten auf mich nehmen will!

Sobald diese Schieflage korrigiert ist, können wir etwa über die Ökostromförderung reden!

ND1
10
30.6.2011, 16:49
ja genau

sie sind dafür dagegen zu sein :-))

monototal
 
15
30.6.2011, 13:32
da kennt aber jemand das Parteiprogramm genau :)

Trustme
105
30.6.2011, 12:02

Manchmal brauchts so einen Artikel damit ich wieder weiß, warum die Grünen unwählbare Spinner sind.

Der dicke Michl
00

Der Bote wird geköpft und dann ist alles wieder gut, nicht wahr?

Andreas Mittermayer
16
30.6.2011, 15:12
Nett, dass Sie das so gut begründen können! ;-))

Trustme78
00
30.6.2011, 21:00

ja kann ich
die Grünen haben nicht verstanden wie die Strombörse EEX funktioniert und dass der Verbund nicht zum Spaß dort handelt, sondern zur Vermarktung der Eigenerzeugung, zum Hedgen von Großkundenvertrügen und um überschüssigen Strom zu verkaufen bzw. einzukaufen, wenn zB zu wenig Wasser für die Erzeugung da ist. Ein funktionierender und liquider Marktplatz für Energie führt einerseits zu transparenten Preisen und andererseits zu engen Bid/Ask-Spreads, die wiederum auch den Endkunden zu Gute kommen. Wenn der Konsument keinen Atomstrom will, kann er das auch entsprechend einkaufen (eben über diese Zertifikate). Dann kriegt er Strom aus Wasserkraft und sonst halt den entsprechenden Mix, der halt Atomstrom enthält.

h 90
01

Diese Zertifikate sind natuerlich Unsinn solange es nicht die meistne Kunden machen.
Rein rechnerisch ist wenn ein paar Kunden keinen Atomstrom kaufen einfach im restlichen Mix mehr drinnen.

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