Sensor im Rindermagen beugt falscher Fütterung vor

2. Juli 2011, 12:30
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Datenübertragung erfolgt, wenn das Tier an einer Funkstation vorbeitrottet

Graz - Fehler bei der Fütterung von Milchkühen sollen durch einen in der Steiermark entwickelten Sensor im Magen des Rindes vermieden werden können. Ein von einer Grazer Firma und einem Studiengang der FH Joanneum Kapfenberg entwickeltes System überwacht wie ein Kleinlabor pH-Wert und Temperatur im Magen von Rindern. Die neue Entwicklung soll vor allem die Übersäuerung des Rindermagens, die gefürchtete Pansenazidose, verhindern, teilte die FH Joanneum mit.

Das Problem ...

Die Übersäuerung des Rinderpansen, des größten Vormagens von Wiederkäuern, ist eine weit verbreitete Krankheit in Milchviehherden. Verantwortlich dafür ist eine ungeeignete Verabreichung von Kraftfutter. Wird nämlich vermehrt oder gar zu viel Kraftfutter mit rasch fermentierbaren Kohlenhydraten (Stärke, Zucker) und zu wenig rohfaserreiches Futter verfüttert, sinkt der pH-Wert im Pansen und das Milieu der Mikroorganismen kippt: Das Rind erleidet eine Pansenübersäuerung, die geringe Fresslust aber auch Kolik, Durchfall und Wassermangel mit sich ziehen kann, was sich wiederum gravierend auf die Leistung und Fruchtbarkeit des Tieres auswirkt.

Bisher hat man zur Überprüfung der richtigen Fütterung Proben aus dem Pansen entnommen und im Labor analysiert. Nun wird der zeit- und kostenaufwändige Weg "von der Kuh ins Labor" mit der Strategie "Labor in der Kuh" vertauscht. Dabei wird der pH-Wert im Pansen durch einen mikroprozessorgesteuerten Sensor gemessen, der diesen Wert und Temperatur über Funk an eine zentrale Basisstation übermittelt.

... und seine neue Lösung

Die Grazer Firma smaXtec product development GmbH hat das System zusammen mit Wolfgang Stocksreiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Studiengang "Elektronik & Technologiemanagement" der FH Joanneum Kapfenberg, entwickelt. "Der Sensor wird über das Maul des Rindes eingegeben und bleibt lebenslang im Pansen. Jedes Mal, wenn die Kuh an der Funkstation vorbeikommt, werden die aktuellen Daten übertragen. Die Auswertungen können über das Internet abgerufen werden", so Stocksreiter.

Der Sensor würde die Gesundheit der Kühe nicht beeinträchtigen, hieß es in der Mitteilung der FH Joanneum. Dies sei von der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (DLG) geprüft worden. Untersuchungen durch das steirische Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein hätten die Qualität und Effizienz dieses neuen Messsystems bestätigt. (APA)

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    foto: grafik: smaxtec
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