Geschäftsführerin Enzi: "Mit gutem Gewissen sagen, Besucher gehen hier glücklich hinaus" - 29 Bewerbungen für MQ-Leitung
Wien - Eine Vervierfachung der Besucherzahl gegenüber den einstigen Erwartungen, eine Verdoppelung seit dem ersten vollen Betriebsjahr 2002 - aber auch eine Vergrößerung der Fläche um die Hälfte. Mit diesen erstaunlichen Erfolgszahlen wartete heute, Mittwoch, die Museumsquartier Errichtungs- und BetriebsgesmbH bei ihrer Pressekonferenz zum 10. Geburtstag des Areals auf, der morgen (29. Juni) mit zahlreichen Veranstaltungen begangen wird. Während die 3,8 Millionen Areal-Besucher für 2010 aus Besucher-Frequenzanalysen errechnet wurden, ist die räumliche Expansion von 60.000 auf 90.000 Quadratmetern keine echte Museumsquartier-Erweiterung: Man habe das Areal neu vermessen und dabei auch bisher nicht eingerechnete Flächen einbezogen.
Eine Erfolgsgeschichte ist das Museumsquartier (MQ) auch so, das betonten unisono die Eigentümervertreter - Kulturministerin Claudia Schmied und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny - sowie die interimistische Museumsquartier-Leiterin Daniela Enzi. Den durch den kurzfristigen Wechsel des langjährigen MQ-Geschäftsführers Wolfgang Waldner in die Politik vakanten Posten möchte Schmied "bis zum Herbst" besetzen. 24 der eingegangenen 29 Bewerbungen stammten aus Österreich, 19 von Männern, sagte Schmied, die als 75-Prozent-Eigentümer allein entscheiden kann, die Entscheidung aber so treffen werde, "dass die Stadt Wien zufrieden ist", wie sie versicherte.
"Kreative Kraftquelle"
"Die Menschen haben das Museumsquartier für sich erobert", sagte Schmied und freute sich über die "kreative Kraftquelle", die "eine Bereicherung für Österreich und die Stadt Wien als Kulturmetropole" sei: "Für mich ist das Museumsquartier eine einzigartige Marke geworden." Mailath-Pokorny verwies auf die Lebendigkeit des Areals, die sich auch in einer langen, intensiven Vorgeschichte und ständigen Diskussionen äußere ("Ein Kulturareal ist niemals abgeschlossen"). "Das Museumsquartier ist zu einem Wahrzeichen und einem Synonym des Wiener Kulturlebens geworden." Vom Architektur Zentrum Wien bis zur Albertina erstrecke sich eine Achse mit "einem der größten, wenn nicht überhaupt dem größten zusammenhängenden Kulturkomplex weltweit".
Für Geburtstagsgeschenke seien die wirtschaftlichen Zeiten jedoch zu schwierig, sagte der Stadtrat auf Nachfrage. Einerseits gebe es bei den einzelnen MQ-Institutionen ohnehin immer wieder Investitionen der öffentlichen Hand, anderseits investiere die Stadt Wien in "kulturelle Kraftfelder" wie das "Kunstquartier Belvedere" im Bereich des neuen Hauptbahnhofs oder einen Neu- bzw. Erweiterungsbau des Wien Museums. Für den ursprünglich geplanten "Leseturm" sehe er daher "wenig Möglichkeiten".
"Flederhaus" mit Hängematten vor Eröffnung
Ein anderes, wenngleich temporäres, Gebäude am MQ-Vorplatz soll morgen mit Verspätung endlich in Betrieb gehen: Das nach einem Entwurf der Architekten "heri&salli" errichtete 16 Meter hohe hölzerne "Flederhaus", das auf vier Stockwerken mit 32 Hängematten die Besucher zum Abhängen einlädt, musste seit Mitte April aufgrund weiterer Behördenauflagen geschlossen bleiben. Daniela Enzi kündigte für den morgigen Geburtstag die lange versprochene Inbetriebnahme an.
Das Museumsquartier sei "Arbeitsplatz, Wohnraum, Schaffensort und Erholungsareal" in einem, sagte Enzi, auch von Besucherbefragungen wisse man, dass die Gäste das Gefühl hätten, "das Museumsquartier bietet jedem etwas". Die vor zwei Jahren rund um Konsumation mitgebrachter alkoholischer Getränke aufgeflammten Aufregungen um die Hausordnung des Areals, die zur Einführung von Gästebetreuern geführt hatten, hätten sich längst gelegt, versicherte die Geschäftsführerin: "Alles in allem funktioniert das Miteinander auf fantastische Art und Weise."
Rund die Hälfte der MQ-Besucher besucht auch eine Kulturveranstaltung, nur neun Prozent geben an, für kulturelle Angebote nicht erreichbar zu sein. 95 Prozent der Befragten geben dem MQ die Noten "Sehr gut" und "Gut", "72 Prozent sind sogar wunschlos glücklich", sagte die ebenfalls glückliche MQ-Chefin: "Man kann mit gutem Gewissen sagen, die Besucher gehen hier glücklich hinaus." (APA)