Sonntagsöffnung

Lugners Kreuzzug für die Sonntagsöffnung

Benedikt Narodoslawsky, 29. Juni 2011, 15:31
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    Lugner (2.v.l.) fordert die Ladenöffnung an bestimmten Sonntagen, Unterstützung für sein Vorhaben bekommt er vom Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg Nils Busch-Petersen (1.v.l.), Verfassungsjurist Heinz Mayer (3.v.l.) und seinem Rechtsanwalt Christian Bachmann

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    Seine Gegner hat Lugner in einem Comic von Reini Buchacher bildlich darstellen lassen: die Gewerkschaft, die Kirche und die Landespolitik

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    Durch die Veranstaltung führte Richard Lugners ehemalige Gattin Christine "Mausi" Lugner

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    Richard Lugner wird voraussichtlich erst im ersten Halbjahr 2012 Gewissheit haben, ob der Verfassungsgerichtshof der Beschwerdeführung folgt

Richard Lugner legte beim Verfassungsgerichtshof Beschwerde ein, jetzt wirbt er um öffentlichen Zuspruch

Im Kinosaal 10 der Lugner City wirft der Projektor einen Comic an die Wand, der Hauptdarsteller mit der spitzen Nase und dem grauen Rechtsscheitel heißt Richard Lugner. Es geht um die Sonntagsöffnung, Lugner will sein Geschäft aufsperren, aber drei Männer wollen ihn daran hindern. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der besoffen ein Rotwein-Glas schwenkt, ein dicker Gewerkschafter, der sich wehrhaft vorm Laden postiert und schließlich Kardinal Christoph Schönborn.

Mahnend hebt der Gottsmann den Zeigefinger und sagt: "Öffnest du am Sonntag nur eins von deinen Toren, wirst du in der Hölle schmoren!" Richard Lugner ist bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen. An Sonntagen soll das Lugner-City-Einkaufszentrum geöffnet haben, fordert der Wiener Baumeister.

Verfassungsgerichtshof eingeschaltet

Ende Mai hat er deshalb mit neun weiteren Geschäftsleuten beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) Beschwerde eingelegt - das Verbot der Sonntagsöffnung stehe im Widerspruch zum Grundrecht auf freie Erwerbstätigkeit. Gewerkschaft, Kirche und Bürgermeister Häupl sind gegen eine Öffnung. Jetzt will Lugner für seine Sache die öffentliche Meinung gewinnen.

"Leben wir in einer freien Marktwirtschaft oder leben wir in einer Planwirtschaft", fragt der Seitenblicke-Promi empört in den Kinosaal und blickt zu den Journalisten, die auf rot gepolsterten Sesseln sitzen. "Vorm Gesetz sind alle gleich. Aber im Handel ist das anders", sagt Lugner und zählt auf: Tankstellenshops, Geschäfte an Bahnhöfen und Lebensmittelgeschäfte von Zuwanderern - sie alle tun, was er nicht darf: den Laden am Sonntag aufsperren.

Regionale Ungerechtigkeit

Dass die Landeshauptleute entscheiden dürfen, ob Geschäfte sonntags aufsperren dürfen oder nicht, hält Lugner für eine regionale Ungerechtigkeit. In Tirol gebe es 170 und in Kärnten 90 Gemeinden, die im Sommer von Mai bis September und im Winter von Weihnachten bis Ostern aufsperren dürften. Aber in Wien bleibt alles zu. Nur bei der Europameisterschaft 2008 durfte er sein Einkaufszentrum ausnahmsweise öffnen, und da hätten die Kassen laut geklingelt.

Unterstützung holt sich Baumeister Lugner vom renommierten Verfassungsjuristen Heinz Mayer, dem Dekan der juristischen Fakultät der Uni Wien. Das Öffnungszeitengesetz sei ein Bundesgesetz, die Bestimmungen können aber vom Landeshauptmann durch eine Verordnung ausgedehnt werden, wenn ein regionaler Bedarf bestehe.

Immer mehr Arbeit am Sonntag

Mayer meint, viele Menschen müssten am Sonntag arbeiten - vom Polizisten bis hin zum Taxler, vom Arzt über Angestellte in Freizeitunternehmen bis hin zum Wirten. "Je mehr Arbeit es am Sonntag gibt, desto schwieriger ist es zu sagen, im Handel darf man sonntags nicht arbeiten." Der VfGH müsse nun prüfen, ob ein öffentliches Interesse darin bestehe, dass Läden am Sonntag geschlossen bleiben.

"Es heißt immer, es gäbe nicht mehr Geld umzuverteilen. Aber bei den Sonntagstouristen ist das Geld weg, weil am Montag sind sie nicht mehr da", legt Lugner nach. "Und die Österreicher fahren ins Ausland, um dort einkaufen zu gehen." Dürfte der Wiener Handel am Tag des Herren werken, so wäre allen geholfen, glaubt Lugner. Die Geschäfte machten mehr Umsatz, die Angestellten, die am Sonntag arbeiten wollten, bekämen 100 Prozent Lohnzuschlag und die Touristen würden länger in Wien bleiben.

Umfrage: Touristen bleiben länger

Unterstützt wird das letztgenannte Argument von einer Gallup-Umfrage, die die österreichische Hoteliervereinigung in Auftrag gab. Derzufolge würden 63 Prozent der befragten Touristen sonntags einkaufen, wenn es das Angebot gäbe.

20 Prozent der befragten Touristen würden "wahrscheinlich" länger in Wien bleiben, wenn Einkaufen in Wien auch am Sonntag möglich wäre. Tenor der Umfrage: Das Bild von Wien als Einkaufsmetropole ist stark ausbaufähig - und für Touristen sei das Shoppingerlebnis wichtig.

Dass eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten Vorteile bringt, will Nils Busch-Petersen aus eigener Erfahrung belegen. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg hat für die Sonntagsöffnung gekämpft, in Berlin ist es mittlerweile erlaubt, an zehn Sonntagen im Jahr offen zu halten. Der Sonntag sei bei Mitarbeitern beliebt, die Kunden seien zufrieden, die Liberalisierung hätte zu mehr Beschäftigung geführt und den Geschäften mehr Geld gebracht. In Berlin ist seit der Liberalisierung anscheinend alles gut.

Der Papst und der Sonntag

Auch die kleinen Geschäfte hätten mitgezogen. "Es gibt zwar Gegensätze, aber die sind nicht größenbezogen, sondern standortbezogen. In Touristen-Nähe reißen sich die kleinen Geschäfte um die Sonntagsöffnung." Auch die Kirche akzeptiere den Zustand mittlerweile. "Dadurch ist das Abendland nördlich von Ihnen noch nicht untergegangen", sagt Busch-Petersen.

Richard Lugner sagt, selbst in Rom, wo der Papst wohnt, dürften die Geschäfte am Sonntag offen halten. Mit der VfGH-Beschwerde will er als ersten Schritt das Berliner Modell erreichen - an bestimmten Sonntagen soll der Handel handeln dürfen. Lugners Rechtsanwalt Christian Bachmann rechnet damit, dass der Verfassungsgerichtshof seine Entscheidung im ersten Halbjahr 2012  fällen wird. (Benedikt Narodoslawsky, derStandard.at, 29. Juni 2011)

Kommentar posten
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richman1
22

Alle die am Sonntag für offene Geschäfte sind sollten mal im Handel arbeiten. Die immer wieder angeführten Berufe wie Polizei, Gesundheitswesen, Feuerwehr, Gastronomie, Wiener Linien usw...die wissen schon bei der Berufswahl das sie am Sonntag arbeiten müssen oder? Ist ja nicht so das die alle erst seit kurzen am Sonntag arbeiten. Und alle Österreicher die am Sonntag ins benachbarte Ausland einkaufen fahren, fahren dorthin weil's billiger ist als in Ö.

F.B.R.
00
11.7.2011, 14:17
Wo ist bitte der Unterschied zwischen Gastronomie und Handel?

Bei beiden werden Lebensmittel verkauft.

chezgarando
00
13.7.2011, 04:35
blöde frage eigentlich :]

lebensmittel kann ich mir vorkaufen...ich kann aber nicht am freitag schon beim wirten vor-essen/trinken weil ich am sonntag eine geburtstagsfeier habe

Modjo
00
20.7.2011, 10:57

Nicht alle Lebensmittel kann man vorkaufen. Faschiertes ist am selben Tag zu verzehren, Semmeln vom Vortag sind auch nicht gerade ein besonderes Geschmackserlebnis.

chezgarando
00
21.7.2011, 05:08
geh

ein gutes rinder-faschiertes muss ma nur am selben tag verzehren wenn man keinen kühlschrank hat *g*
und was semmeln betrifft dürfen aus irgend einem grund den ich nicht kenne sowieso schon einige bäcker offenhalten
die 1 tag alte semmel für 1e minute in den backofen, schmeckt übrigens auch wieder ausgezeichnet...

Modjo
00
21.7.2011, 10:03

Ja, wenn man sich eine Lebensmittelvergiftung holen will, kann man natürlich gerne ein Beef TaTar mit einem 1 Tag alten Faschierten essen. Mein Fall ist es nicht.

Semmeln vom Vortag aufgebacken. Wem staubtrockenes, bröslertes Gebäck schmeckt, kann das gerne tun. Zum Glück dürfen Bäckereien in Ö auch sonntags öffnen.

chezgarando
00
22.7.2011, 22:15
perfectly reasonable

natürlich müssen jetz 100.000 österreicher auch sonntags arbeiten gehn damit du dein beef tatar essen kannst :]

im übrigen ist faschiertes wenns richtig verpackt wird bis zu 3 tagen leicht und locker haltbar

Modjo
00
22.7.2011, 22:30

Ich wollte nur anmerken, dass das Argument, man kann alle Lebensmittel im Voraus kaufen, nicht immer stimmt. Den Rest haben jetzt Sie dazugedichtet.

Faschiertes ist eigentlich nur wenige Stunden haltbar, außer man friert es ein und stoppt so das mikrobielle Wachstum.

Wenn wir so gegen Sonntagsöffnung argumentieren wollen, dann müssten wir auch die Gastronomie und Vergnügungseinrichtungen Sonntag schließen. Denn auch dort arbeiten 100.000 Menschen fast rund um die Uhr und notwendig ist am Sonntag weder Kino, noch Beisl.

Rene Stangeler
00
25.7.2011, 23:53
Schmarrn,

Faschiertes liegt in Supermärkten den ganzen Tag verpackt herum.
Zum Beef Tartar: ein Kenner hackt sich das Rindfleisch (originales Beef Tatar wird aus dem Lungenbraten gewonnen) selbst und lässt es nicht durch den Fleischwolf drehen, bzw dreht es nicht durch den Fleischwolf. Sich aus heruntergerdrehtem Rindfleisch aus dem Supermarkt (egal ob ganz frisch faschiert oder nicht) Beef Tatar machen - naja, wenn man gern Fleischabschnitte von welchen Teilen des Rindes auch immer gerne roh isst, soll sein.

Zu den Semmeln: Bäcker haben mittlerweile (zumindest in Städten) vormittags, manche auch Nachmittags, offen.

chezgarando
00
23.7.2011, 12:12
jetzt ist es schon nur noch

wenige stunden haltbar :]]]

im nächsten posting erklären sie faschiertes zum flüchtigen element mit halbwertszeiten von wenigen sekunden *g*

selten so ein schlechtes argument für die sonntagsöffnung gehört

Peter Widzky
42
30.6.2011, 23:49
die geschäfte sollten wieder

so wie früher am mittwoch zu mittag und am samstag zu mittag schließen.

wer zu blöd ist unter der woche sich mit lebensmitteln zu versorgen, oder glaubt er hätte keine zeit, der darf dann ruhig verhungern...

gebt doch der evolution wieder eine chance.

F.B.R.
00
11.7.2011, 14:21
Dann sollten fairerweise

auch alle Gasthäuser, alle Spitäler, alle Polizeistationen am Mittwoch Vormittag und am Wochenende ab Samstag 12 Uhr geschlossen sein.

Gleiches Recht für alle.

wackelkandidat
02

Ich habe der Evolution eine Chance gegeben.
Jetzt brauche ich mein tägliches Shoppingerlebnis.

Torontonian
01
30.6.2011, 22:14

Mich würde interessieren, wie viele Leute in Wien schon jetzt ihren Sonntag für uns opfern - Öffis, Hotel- und Gastgewerbe, Freizeitbetriebe, Museen (inkl. shops!!), Tankstellen (inkl. shops!), Taxis, Fernseh- und Radiostationen, Zeitungen, etc. sollen uns gefälligst auch an unserem freien Tag zur Verfügung stehen!

bouncing
02
30.6.2011, 19:50

auch wenn ich den lugner garnicht verputzen kann. aber hier gehört mal druck gemacht und AUFGSPERRT!

bouncing
10
30.6.2011, 19:42

work
eat
buy
consume
then die

pfeffernelke
21
30.6.2011, 18:14
Sind Kinder eine Strafe!!!

Das kommt mir schon langsam so vor. Ständig sind es die Eltern, die sich aufregen. Bevor man züchtet, denkt man am besten nach. Wir leben im Jahre 2011. Es gibt nicht nur Supermärkte die am SO offen haben, sondern auch Verhütungsmittel. Niemand wird gezwungen Kinder zu bekommen, genauso wie niemand gezwungen wird am SO einkaufen zu gehen. Ich bin 29, kann mir derzeit keine Kinder leisten, deswegen hab ich keine. Das nennt man Vernunft. Wenn ich welche habe und sie mir nicht leisten kann, muss ich eben Arbeiten gehen. Da können WIR alle aber nichts dafür. Ich bin es aber leid, dass ich euer Kindergeld mit meinen Steuern zahlen darf. Außerdem darf ich fast 300.000 Arbeitslose durchfüttern, die zb alle am SO arbeiten gehen könnten!

Euroumrechner
10
30.6.2011, 18:18

Evolutionsverlierer nennt man sowas, nicht "Vernunft". Dein Problem ist doch, dass du, obwohl du dich abrackerst, in Armut lebst und keine Frau dich haben will. Ist auch kein Wunder bei dieser Einstellung.

pfeffernelke
01
30.6.2011, 18:22
Danke für dein Mitleid

Ich bin weiblich und nicht alleine! Noch dazu bin ich ein sehr glücklicher Mensch, der sich alles leisten kann. Dafür arbeite ich auch hart. Irgendwann will auch ich Kinder haben, keine Sorge. Aber trotzdem tue ich es erst dann, wenn ich es mir leisten kann. Dann erspare ich mir das Jammern und die Kinder haben wenigstens ihre Eltern.

King Of Wörschtlständ
00
20.7.2011, 23:19
No, was denn jetzten?

Kennen´s Ihner alles leisten oder kennen´s Ihner net alles leisten?
Denkens vorm Posten a bissl nach, se junge Frau, se.

Euroumrechner
30
30.6.2011, 18:27

Wie gesagt, kein Wunder wenn dein Partner kein Kind mit dir haben will. Evolution funktioniert.

pfeffernelke
00
30.6.2011, 18:24
Ok ein widerspruch hat sich eingeschlichen..

Mit alles leisten meine ich, ich genieße mein Leben zur Zeit und mir fehlt es an nichts. Kinder passen mir aber da noch nicht in den Rahmen.

Euroumrechner
00
30.6.2011, 18:27

ja eh..

pfeffernelke
00
30.6.2011, 18:33

Noch was, ich habe meinen vollen Respekt gegenüber Eltern. Kinder erziehen ist keine leichte Aufgabe. Das ist mir alles klar. Aber deswegen dreht sich die Welt trotzdem weiter. Die lieben Eltern nehmen nämlich auf die Angestellten auch keine Rücksicht, die ihnen das Popcorn am SO im Kino servieren und die lieben Eltern sagen den Kindern nicht, dass sie das Cola nicht ausschütten sollen. Ein Miteinander funktioniert nur dann, wenn sich jeder um jeden kümmert. Aber das sich niemand um mich schert, tue ich es auch nicht mehr. Ich hab das viel zu lange gemacht in meinem Leben und habe immer nur drauf gezahlt.

Robin aus dem Wald
 
00
30.6.2011, 19:36

Genau so klingen also glückliche Menschen…

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