Kritisches Schülerpublikum fordert fünf Unternehmer bei einer Debatte zum Thema Nachhaltigkeit
Wien - Nicht Unterhaltung, sondern Bewusstseinsbildung steht diesmal auf dem Kinoprogramm. Auf der Leinwand des Wiener Burgkinos erscheint ein mutloser Kinderarbeiter, der erschöpft auf einem Feld in Bangladesch sitzt. Während die im Saal versammelten Schüler gebannt auf das Bild blicken, gibt ein Sprecher zu bedenken: "Ärgert euch nicht über euren stressigen Schulalltag. Diese Kinder würden gerne in die Schule gehen."
Mit Präsentationen wie dieser und belebten Diskussionen fand der erste Durchgang der Initiative "schülerinnen.gestalten.wandel" seinen Ausklang. "Es ist wichtig, sein Leben sozial verantwortlich zu gestalten", erklärt der Unternehmer Konstantinos Bitzios. Um dies auch Schülern bewusstzumachen, rief er das Projekt ins Leben und setzte sich die Partizipation der Jugendlichen zum Ziel. Die Welt brauche Lösungen, die auch von ideenreichen jungen Menschen kommen sollen. Den teilnehmenden Schülern ermöglicht er - nächstes Schuljahr von neuem -, sich im Rahmen von Workshops, Unternehmensführungen und Diskussionen mit Themen wie soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Werten, Konsum und Ressourcenverbrauch auseinanderzusetzen.
Überzeugungskraft, die wirkt
"Inwiefern haben Sie die Welt verändert?", fragt eine Schülerin in die heterogene Unternehmerrunde. Karl Pirsch, Vorstandsvorsitzender der Eine Welt Handel AG, berichtet, er habe nach langem Bemühen und hartnäckigem Überreden die Verantwortlichen des Merkur-Marktes überzeugen können, ihre Äpfel nicht in Plastikeimern, sondern in umweltfreundlichen Körben zu verkaufen. "Seitdem haben 240 Korbflechter in Bosnien regelmäßig eine fair bezahlte Arbeit."
Den Fragen der Schüler stellten sich neben Pirsch auch Julia Fandler, Eigentümerin von Ölmühle Fandler, Lisa Muhr vom Modelabel Göttin des Glücks, Johannes Gutmann von der Sonnentor Kräuterhandels GmbH sowie Gerhard Zoubek, Eigentümer vom Biohof Adamah. Die von diesen Unternehmern zurückgelegten Wege sind unterschiedlich: vom Angestellten Pirsch, der seinen Job aufgab, um mit einem neuen Unternehmen das Leben seiner Mitmenschen zu verbessern, bis zur Unternehmerstochter Fandler, die nach dem Tod des Vaters das Ruder in die Hand nahm und traditionsgemäß das faire Wirtschaften fortsetzt.
Alle führte es aber schließlich zur Schlussveranstaltung, um den Schülern Nachhaltigkeit näherzubringen. Doch diese zeigten sich skeptisch: Dass der Konsum von Fair-Trade-Produkten zu sozialer Gerechtigkeit beitrage, wisse man jetzt, doch kann sich das wirklich jeder leisten? So lautet eine Frage aus dem Publikum. Und warum werde gepredigt, dass man Wiener Leitungswasser konsumieren solle anstatt Softdrinks von ausbeutenden Konzernen, wenn auf dem Podiumstisch genau solche Getränke stehen? "Es geht darum, dass wir bewusstseinsbildend wirken. Letztendlich seid ihr aber diejenigen, die entscheiden", antwortet Gutmann, sichtlich erfreut über das kritische Erwachen der Jugendlichen.
Die 16-jährige Büsra Kamalioglu trägt diesen Gedanken weiter. Zwar will sie anmerken, dass "nicht alles heile Welt ist, so wie Sie es hier erzählen", aber ändern möchte sie in Zukunft trotzdem etwas. "Diese Initiative ist für mich das beste Beispiel, dass man mit einer Idee und dem Mut zur Umsetzung etwas erreichen kann."(Sara Mansour-Fallah, DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2011)