Poldi Kait 1932-2011

28. Juni 2011, 19:40
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STANDARD-Mitarbeiter, Reporterlegende, Original

Wien - Es war im Mai 1989 und in Leipzig, am Vorabend der WM-Qualifikationspartie DDR gegen Österreich. "Schau", sagte der Poldi, der gerade aus Stuttgart gekommen war, und zeigte ein Foto her. Poldi und Diego Maradona waren drauf, sie umarmten sich. Wer das Foto geschossen hat? "Der Careca", sagte der Poldi. Und zwar auf dem Spielfeld des Neckarstadions, unmittelbar nach dem Uefa-Cup-Finalrückspiel zwischen dem SSC Napoli mit den Stars Maradona und Careca und dem VfB Stuttgart. Die Partie endete 3:3, Napoli gewann nach dem 2:1 vom Hinspiel den Pokal.

Der Poldi, der die STANDARD-Sportredaktion von Beginn an mit Geschichten belieferte, der für die Presse und den Kurier arbeitete, der jahrelang den Assistenten im ORF-Radio für Edi Finger senior und junior machte, war immer und überall ganz vorne dabei. Und er wendete simple wie wirkungsvolle Tricks an. Sein Englisch war zwar nicht prächtig, aber das hinderte den Freund Hans Krankls nicht daran, Interviews mit den Berühmtesten der Sportwelt nach Hause zu bringen. Der Poldi hielt, beispielsweise, dem Matchwinner das Mikrofon vor den Mund und sprach: "Please, some words for Austrian radio." Und dem konnte keiner widerstehen.

Wer sich die Goldfahrt des Franz Klammer bei den Olympischen Spielen 1976 auf dem Patscherkofel anschaut, sieht im Anschluss Poldi Kait bei der Arbeit. Wie er Klammer am Arm packt und quer durch die Menge zum ersten Interview zerrt.

"Wahnsinn, alle nackert und alle Samba"

Pelé hat er in Santos kennengelernt. Der verlangte vor dem Interview via Dolmetsch von ihm, 30-mal zu gaberln, um zu zeigen, dass er sich auskenne. Der Poldi antwortete, "dass man bei uns erst bei 30 zum Zählen anfängt, denn wir sind die Erfinder des Fußballs". Pelé hat das getaugt. Und weil der Poldi es nach dem Interview eilig hatte, sorgte er, Pelé, dafür, dass Kollege Carlos Alberto Herrn Kait in die Stadt chauffierte. Nach dem WM-Finale 1970 in Mexiko, dem 4:1 Brasiliens gegen Italien, schaffte es der Poldi in die Kabine der Sieger. "Wahnsinn, alle nackert und alle Samba."

Er begegnete, beispielsweise, Aristoteles Onassis und David Niven. Dem englischen Schauspieler verschaffte er Zugang zu den Boxen beim Grand Prix in Monaco. "Zuerst hab ich gesagt, ich dreh was und bring dich rein. Dann hab ich gesagt, das war der Höhepunkt der Serie Gauner gegen Gauner. Daraufhin hat er mich nach Kalifornien eingeladen. Ich habe es aber nicht ausgenützt."

Poldi Kait wurde am 8. Jänner 1932 in Wien geboren, absolvierte die Elektromechanikerlehre, arbeitete in der Druckerei des Pressehauses in Heiligenstadt, wo damals neben der Krone auch der Express produziert wurde. Am Dienstag starb der Poldi nach langer und schwerer Krankheit in Wien. Er hinterlässt seine Frau Kamilla, mit der er mehr als 50 Jahre verheiratet war. (bez/DER STANDARD; Printausgabe, 29.6.2011)

  • Poldi Kait, der die Sportstars mit seinem Schmäh überrumpelte.
    foto: standard/cremer

    Poldi Kait, der die Sportstars mit seinem Schmäh überrumpelte.

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