Die Mär vom Beitrag der Banken

Andreas Schnauder, 28. Juni 2011, 18:12

Griechische Schulden werden durch neue Pläne nicht weniger und finanzierbarer

Nicolas Sarkozy punktet wieder. Mit dem nicht ganz uneigennützig an die Medien weitergespielten Modell für die Beteiligung von Banken an den Griechenland-Hilfen hat der französische Präsident positives Echo erhalten. Ausgerechnet Paris - so könnte man meinen - vertreibt jetzt die Banken vom Futtertrog, während sich das auf einen Beitrag der privaten Gläubiger pochende Berlin dem Fettnapf nähert.

Doch wie so oft trügt der Schein. Das französische Modell mag interessante Aspekte haben, geht aber am Kern des Problems meilenweit vorbei. Durch eine teilweise Laufzeitenverlängerung der Kredite erhält Athen Zeit zum Atmen, die Schuldenlast wird dadurch aber um keinen Cent vermindert. Deshalb hat das Sarkozy-Konzept so wenig mit dem Brady-Plan (benannt nach dem damaligen US-Finanzminister Nicholas Brady) der 1980er-Jahre zu tun, bei dem die Schulden lateinamerikanischer Staaten tatsächlich gesenkt wurden. Immerhin verzeichnet Athen jetzt schon ein stolzes Obligo von 157 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Schon nach den alten Prognosen wäre diese Summe im kommenden Jahr auf 166 Prozent des BIPs geklettert. In der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass auch diese Annahme viel zu optimistisch war.

Eine derart hohe Belastung kann eine Volkswirtschaft (unter Umständen) schultern, wenn - wie etwa im Falle Japans - inländische Sparer billiges Geld zur Verfügung stellen. Oder wenn ein fulminantes Wachstum zu hohen Budgetüberschüssen führt, die eine Tilgung der Kredite erlauben. Von beiden Auswegen aus der misslichen Lage ist Griechenland Lichtjahre entfernt. Dennoch wird neuerlich gutes Geld schlechtem nachgeworfen - wohl, um das Eingeständnis des Scheiterns nach hinten zu verschieben. Ein Staatsanwalt würde das irgendwo zwischen Insolvenzverschleppung und Untreue einreihen.

Der angenehme Nebeneffekt ist, dass die meisten der amtierenden Politiker beim endgültigen Zusammenbruch zumindest nicht mehr im Amt sein werden. Doch so einfach werden die Euro-Spitzen nicht davonkommen: Die griechische Insolvenzgefahr stellt eine konstante Nahrung für die schwelende Unsicherheit dar, die nicht nur die Finanzmärkte belastet. Fragt sich nur, warum nicht endgültig Tabula rasa gemacht wird.

Weil die Europäische Zentralbank zu viele Ramschanleihen auf ihren Büchern hat? Weil es die Euro-Spitzen verabsäumt haben, ihre Notkredite im Fall einer Insolvenz nach dem Vorbild des Währungsfonds abzusichern? Weil die Regierungen ihren Steuerzahlern nicht zumuten wollen, dass sie nun doch - entgegen allen Beschönigungen - die Zeche für die griechische Tragödie zahlen müssen? Weil die Pläne für die Sanierung Athens völlig unrealistisch waren? Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist eine Verschleierung bisheriger Versäumnisse. Die Banken kommen de facto ungeschoren davon, der Steuerzahler wird wohl doch auf Geld verzichten, Griechenland und somit die Eurozone gewinnt nicht, sondern verliert Zeit.

Statt das zu realisieren, malen Euro-Chefs lieber Horrorszenarien an die Wand und vergleichen einen Schuldenschnitt mit den Folgen des Lehman-Kollapses. Interessanterweise gab es die weder beim Brady-Plan noch beim jüngsten Haircut irischer Staatsbanken. Aber so leicht lässt man sich in der EU nicht von den selbstgewählten Irrwegen abbringen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2011)

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seeallevil
10
29.6.2011, 17:57

Herr Schnauder arbeitet nicht in einer Bank... was gut ist. Die Schuldenlast eines Krediteurs ergibt sich aus Zins- und Kapitalrückzahlung.

Eine Laufzeitverlängerung im angedachten Bereich kann - je nach Konditionen der Neuemission über die jetzt noch nicht viel bekannt ist - einen Haircut von bis zu 50 Prozent für die Gläubiger (für derstandardposter : die Banken) bedeuten.

Das ist nicht angenehm, da der potentielle Verlust aber über eine lange Laufzeit realisiert wird, ist es für Gläubiger verkraftbar und für den griechischen Haushalt dauerhaft entlastend.

Wahrscheinlich gibt's mehr Details am 11. Juli beim Treffen der Eurogruppe. Aber das sind langweilig zu recherchierende Infos. Feindbilder und markige Sprüche braucht's.

blablabla blablabla
00
29.6.2011, 22:28
das glauben Sie ja wohl selbst nicht,

das die Aktionäre einer Bank einen Haircut von 50% hinnehmen.

Laufzeitverlängerung=keine Neuemission.

Ausserdem bei einem Zinssatz von fast 27% ist eine längere Laufzeit durchaus verkraftbar.

lesen Sie nachfolgenden Artikel über die netten Banker:

www.wiweb.at

Emotionen

seeallevil
10

warum weisen's den weg nicht gleich zum herrn strache statt auf diese ansammlung von unsinn stark austriakischer prägung?

der humbug aus "internetverschwörung" plus "kapitalismuskritik" plus "alles ist schlecht weil ich's nicht verstehen will" erinnerkt frapant an fundierte lösungserarbeitung a la "unser geld für unsere leut"...

blablabla blablabla
00
11.7.2011, 21:13
tut mir leid,

mit den Rechten hat diese Seite schon gar nichts am Hut. Sie sehen wahrscheinlich nur was sie sehen wollen.

Mork vom Ork
00
29.6.2011, 19:11

nach IFRS sind die Kredite zu diskontieren - also nein, schlechtes Rating, lange Laufzeit, niedriger Zinssatz => Abwertung.

seeallevil
00

das ist doch längst schon passiert, bei den buchwerten im bankbuch hat jede bank abschreibungen vorgenommen, schließlich gibt es ja wirtschaftsprüfer

im handelsbuch herrscht sowieso das marktwertprinzip.

hier geht es doch nur um die müssige diskussion, gibt eine bank neues geld und wenn sie selbiges zu marktfernen konditionen macht, entsteht daraus ein weiterer verlust.

Agnostiker1
00
29.6.2011, 17:25
Dass die Schulden weniger werden, behauptet ja niemand.

Aber eine spätere Fälligkeit kann sehr wohl helfen.

blablabla blablabla
00
29.6.2011, 21:38
nur den Banken,

dass sie nicht gleich abschreiben müssen.

märchenonkel
11
29.6.2011, 16:03
Die Griechen bekommen von den europäischen Banken Gels zu einem horrenden Zinssatz, das sie niemals zurückzahlen können. Als Dank für die Selbstlosigkeit der Banken zahlt dann der Staat des jeweiligen Landes seinen Banken den Finanzausfall.

Idiotensicheres Pyramiedenspiel, sofern man eine Bank ist. Kapital aus nichts.

Mork vom Ork
01
29.6.2011, 19:12

wenns so idiotensicher ist kaufens halt griechische Anleihen ...

oder verwechseln sie gerade Rendite mit Zinssatz?

Altgläubiger haben nämlich schon ziemliche verluste ...

blablabla blablabla
00
29.6.2011, 21:32
Altgläubiger haben nämlich schon ziemliche verluste ...

meines Wissens wurde bis jetzt auch bei kurzfristigen alles auf Heller und Pfennig zurückbezahlt. Als die Probleme ruchbar wurden hat es kurze Absetzschwierigkeiten gegeben die wurden aber von den Spekulanten aufgefangen. Und die Papiere sind im Verhältnis zur Laufzeit und dem Zinssatz ja eher gestiegen. Dadurch gibt es auch eine schöne Rendite.

märchenonkel
00
29.6.2011, 21:11
Da sind wir bei einem interessanten Ounkt; Ich hab's versucht, aber die Bank wollte nichts verkaufen. Komische Sache.

blablabla blablabla
01
29.6.2011, 16:48
fast richtig,

wahrscheinlich so:

die Bank zahlt nichts, wie ja die Franzosen wollen und der Steuerzahler sichert ihre Anleihen ab für die sie 25% Rendite kassieren.

die sind doch nicht blöd und zahlen was. Der Deutsche Homburg hat gesagt die Bank ist nur den Aktionären (und deren Gewinn verpflichtet). Vom Steuerzahler haben Sie aber trotzdem Staatshilfe genommen. Die lieben Banker.

Pyros
20
29.6.2011, 18:15

Mein Nachbar hat sich für die Finanzierung seines Hauses von der Bank Bankenhilfe geben lassen. Der Asso!

blablabla blablabla
00
29.6.2011, 21:25
mein Beileid,

GS1
00
29.6.2011, 14:30
Fragezeichen

Die Überlegung kann Griechenland seine Schulden jemals tilgen bedarf dringend einer Antwort. Kann dies nicht positiv beantwortet werden ist jede Hilfestellung nur das hinaus zögern eines Konkurses. Falls für die vollständige Rückzahlung kein Plan vorliegt erhebt sich die Frage wer profitiert von den Hilfsmilliarden. Sind das die Griechen oder die Inhaber von Schuldverschreibungen die unverschämt hohe Zinsen auf Kosten der europäischen Bürger kassieren?

Andreas Prucha
00
29.6.2011, 15:53

Öhm.. gibt es *irgendein* Land (seltsame Stadt-Staaten mit Steuerpradies-Status ausgenommen), das seine Schulden jemals vollständig tilgen kann? Ich hab da meine Zweifel. So wie es ausschaut leben so gut wie alle Länder von einem Kredit zum Anderen.

Mork vom Ork
00
29.6.2011, 19:14

estland z.b.

Kapitalismus Luege
00
29.6.2011, 12:14
Griechen wander aus !

Deutschland und Frankreich warten.

- oder laßt euch in deren Schuldknechtschaft führen.

avision
10
29.6.2011, 14:20
Die Mär ...

Schade,
Griechenland ist keine Bank, denn die paar Milliarden wären für die Rettung einer angeschlagenen europäischen systemrelevanten Bank, ein Klax!

Toxo Logic
 
16
29.6.2011, 11:55

Richtig, in Wirklichkeit geht es nur um die Köpfe der verlogenen Politiker. Griechenland wird seine Pleite verkraften und wenn ein paar Banken dabei krepieren haut das nicht den Finanzmarkt zusammen.
Wie immer geht es nur um den Platz an den Futtertrögen und da könnten viele von den heutigen "Volksvertretern" mit ihren Lobbyisten verdrängt werden.

Mork vom Ork
01
29.6.2011, 19:19

ich bin auch für eine Entschuldung, nur über eine Insolvenz wärs wahnsinn ... Dann fliegt uns sofort Spanien, Irland, Italien um die Ohren.

Ein bisserl sachverstand solltens schon investieren bevor sie muskeln spielen lassen.

In wirklichkeit gibts einen Marktwert (der liegt bei 60-70%) für die Anleihen - um diesen Marktwert sollten "Investoren" - ja das sind die anderen EU-Mitglieder - die Anleihen aufgreifen dürfen und damit eine ->bedingte<- Entschuldung darstellen. Bedingt durch die Umsetzung von Sparmassnahmen.

Problem: es fehlen sowohl rechtsgrundlage als auch wiederspricht es den Grundprinzipien so ziemlich jeder Verfassung.

Aus, die Maus
00
29.6.2011, 15:16

Alternativszenario: "ein paar Banken krepieren" - Angst breitet sich in der Bevölkerung aus - Sparer heben ihre Guthaben ab: beginnend in Portugal, weiter nach Spanien, Italien, Irland, Großbritannien,usw.....was dann ?
Nur die Gelddruckmaschine kann den Kollaps unseres Systems verhindern........Megainflation in Europa

nur so dahingedacht

Toxo Logic
 
00
29.6.2011, 16:51

Banken sind fast täglich irgendwo pleite, gerade eine in Dänemark. Alle auf einmal wegen einer Griechenlandpleite aber sicher nicht. Bestimmt keine in Österreich. Die meisten Griechen haben ihr Geld inzwischen schon längst auf Auslandsbanken überwiesen und ich denke Iren und Portugiesen ebenso. Die Megainflation droht eher wegen der ständigen Rettungsaktionen der Politiker. Die EZB kauft ja laufend riskante Anleihen aus Griechenland und Portugal und "druckt" damit Geld.

Aus, die Maus
00
30.6.2011, 16:15

damit bestätigen Sie meine Meinung, dass aufgrund der Rettungsaktionen Inflationsgefahr droht, danke

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