Ein Scheitern der EU wäre das maximale Unglück

Hans Rauscher, 28. Juni 2011, 17:33

Griechenland droht auf den Status "eines verarmten Drittweltlandes" zurückzufallen

Griechenland droht auf den Status "eines verarmten Drittweltlandes" zurückzufallen, wenn es sich nicht ändert.

Dies sagen nicht arrogante Deutsche oder Österreicher, sondern eine Gruppe griechisch-stämmiger Wirtschaftswissenschafter - darunter ein Nobelpreisträger-, die in den USA und Europa lehren. Der Appell der Wirtschaftsweisen richtet sich ebenso an die verrottete politische Klasse wie an den griechischen "kleinen Mann" von der Straße, der sich auch in einem unhaltbaren System eingerichtet hat. Dies sei "die letzte Chance für Griechenland, sich zu modernisieren", warnen die Ökonomen.

In diesen Tagen entscheidet sich, ob die Griechen diese Chance ergreifen, ob sie die Verantwortungslosigkeit auf allen Seiten - vom rechtsnationalen Oppositionsführer Antonis Samaras bis zu den kommunistischen Gewerkschaften - abschütteln können.

Es fällt aber auch eine Vorentscheidung darüber, was aus der EU wird.

Der Leitgedanke der Europäischen Union ist es, durch immer mehr Annäherung, Angleichung und Kooperation eine höhere Ebene zu erreichen, in der das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Ein vereintes Europa ist einfach besser als die alte Uneinigkeit. Die vielbeschriebenen "Streitereien" in der EU, die am Ende aber doch immer zu einem Kompromiss führen, sind nichts anderes als eine sublimierte Form der nationalen Auseinandersetzungen, wie sie in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts Europa zerrissen. Es wird wohl keinen Krieg mehr geben - aber auch ohne Krieg war das Europa der nationalen Egoismen, der Abschottung und Nichtkoordinierung schlicht und einfach ein viel tristerer, perspektivloserer Ort als heute.

Die darunterliegende Idee war es, die wirtschaftlich schwächeren Länder, aber auch die neueren Demokratien durch die Vorteile des größeren Marktes und der (lockeren) Abstimmung der Politik allmählich an die stärkeren und älteren Demokratien anzugleichen: wirtschaftlich wie auch in der Qualität der politischen Kultur.

Das hat auch großteils funktioniert. Jenseits allen rechtspopulistischen Geschreis hat auch Österreich eindeutig profitiert (was Strache als "Euro-Zone" will, wäre das alte Großdeutschland mit Satelliten wie den Niederlanden) . Die EU ist die große integrative Kraft in Europa. Und sie will es weiter sein. Kroatien ist ein Beitrittskandidat mit vielen Schwächen vor allem in der politischen und rechtsstaatlichen Kultur.

Und nun kommt Griechenland, bereits seit 1981 Mitglied (länger als Österreich!), und zeigt, dass es den Beitritt nicht zur Modernisierung nutzte und jetzt dank einer verantwortungslosen Finanzpolitik den Rest mitzureißen droht.

So war das irgendwie nicht gedacht. Aber ein solcher noch nie dagewesener Prozess der Einigung kann nicht ohne Krisen ablaufen. Die einzige Frage ist, ob Europa stark genug ist, diese Krise zu bewältigen. Die Antwort lautet: "Wahrscheinlich schon", aber genau kann man es nicht wissen. Sicher ist nur, dass es ein Unglück sondergleichen wäre, sollte das nicht gelingen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2011)

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robinsons freitag
00
Die EU hätte Griechenlands (verspäteten) Eintritt in den Euro

kaufmännisch korrekt prüfen sollen, statt sich zur exakt gleichen Zeit mit idiotischen Sanktionen gegen Ö abzulenken.

Aber nein – es kam wie es kommen musste: pseudopolitische Hysterie statt nüchterne Analyse, fauler (Lobbying-) Leichtsinn statt statt strenger Rechnung (= gute Freunde).

Ich halte die Griechenlandkrise für die größte, aber auch letzte Chance der EU, in Zukunft zukunftsorientierte, staatsmännische Prioritäten zu setzten.

Sonst wird pseudoideologische Politik und ökonomisches Wunschdenken Europa binnen einer Generation unwiderruflich in den Abgrund reiten.

(Beängstigend, dass man intellektuelle Redlichkeit und politisches Handwerk heut zu Tage extra einfordern muss!)

Geo-Graf
00
30.6.2011, 11:54
MOAN
10
29.6.2011, 20:01

was Rau für ein Unglück hält, ist meistens der richtige Weg

zimbo
 
00
29.6.2011, 18:53
Austritt !!

Und Wiederaufbau.

Fischotter
00
29.6.2011, 18:42
Wenn Österreich mit dieser EU-Titanic nicht untergehen will, so gibt es keine Alternative zum Austritt.

Wie könnte man es später einmal seinen Kindern und Kindeskindern gegenüber verantworten, ihnen sagen zu müssen: "Wir haben leider zu lange zugeschaut und uns der Illusion hingegeben, die EU könnte sich bessern, bis es endgültig zu spät war, um das sinkende EU-Schiff noch rechtzeitig zu verlassen".

Fischotter
00
29.6.2011, 18:36
Es wird ein Segen sein, so bald die EU Geschichte sein wird

Die EU-Vasallen der heimischen Medien à la Rauscher sind mit ihrem Latein am Ende.

zimbo
 
02
29.6.2011, 18:54
Swoboda koennen sie behalten, aber ich fuerchte wenn die Wirtspflanze keinen Saft mehr liefert, wird er wieder da sein.

Te Ata
01
29.6.2011, 18:34
Mit Verlaub:

Die griechischen Steuerzahler haben immer schon auf gaaaanz arm und Dritte Welt gemacht und sich mit dem dadurch Ersparten noch ein Häuserl gebaut. Das unfertig blieb, weil man dann - erraten - keine Steuern zahlen musste.

Der deshalb arme Staat liess sich von der EU den Grossteil seiner Infrastruktur finanzieren oder kofinanzieren.

Hätte es die viel später für die EU-Osterweiterung verwendeten Kopenhagener Kriterien gegeben, wäre Griechenland nie reingekommen. Wahrscheinlich bis heute nicht.

Toxo Logic
 
03
29.6.2011, 17:42

Das Ziel der EU war es immer den Markt zu vergrößern um die Umsätze zu erhöhen. Alles andere wurde immer hineingedichtet um dem Ganzen ein schönes Mäntelchen umzuhängen.
Einzig und allein aus Profitgier wurde die EU gegründet und ständig erweitert.

her wig
00
29.6.2011, 19:51
Solange es UNSER Profit ist...

Franz Klug
01
29.6.2011, 16:45
Provinzialismus ist politisch durch die EU in Österreich mehr geworden! Leider:(

Ich hatte schon vor dem EU-Beitritt allen Mensch, die damals behaupteten wir müssen in die EU damit der österr. Provinzialismus, vor allem der Haiderismus (FPÖ), weniger wird, gesagt, dass ich nicht glaube, dass durch den EU-Beitritt etwas besser wird, da ja niemand von der EU von Kaisers bis Stinatz, von Hörbranz bis Freistadt, den Europa/Weltgeist/Kant predigen wird und daher werden die eher konservativen ängstlichen Geister weiterhin Haider/FPÖ wählen.
Empirisch schauts nun so aus, dass durch den EU Beitritt die FPÖ, unser politischer Provinzialismus, nicht schwächer, sondern noch stärker geworden ist und nun schon über 30% liegt.

MacTux
00
29.6.2011, 16:23

grunsätzlich ja dazu, dass man die krise aus europa heraus lösen kann und muss. einzelstaatliche aktionen bringen recht wenig.
wenn ich mir aber ansehe was für id****n von den einzelstaaten da nach brüssel in die gremien und parlamente entsandt werden, dann habe ich da schon meine zweifel ob das ein gutes ende nehmen wird. man braucht ja nur die letzten bestellungen und umzüge aus österreich in richtung europäische institutionen ansehen und man kann sich da ausmalen was die anrichten wenn sie plötzlich x-fache budgets und verantwortungen zu tragen haben.

einen inneren und einen äusseren ring einzustellen, wie das vor einigen jahren leider schon abgelehnt wurde, könnte ein lösungsansatz sein. zusätzlich starke strukturen mit einfluss und d

MacTux
00
29.6.2011, 16:24

... die besten leute nach brüssel schicken nicht sen bodensatz aus st.woauchimmer.

1116er
00
29.6.2011, 15:38
Die einzige Frage ist, ob Europa stark genug ist, diese Krise zu bewältigen

natürlich!
allein das größenverhätnis griechenland - EU lässt keinen anderen schluss zu.

das einzige, was europa schädigen kann, sind massenhaft unaufgeklärte und verhetzte bürger.

Werner Faygmann
01
29.6.2011, 16:09
Ja, verdammt...

...diese uneinsichtigen Bürger... man sollte sich glatt ein anderes Volk wählen! - Frag mich nur, wo die Experten beim Herandämmern der Krise waren...

FranzKpunkt
02
29.6.2011, 16:44

Kein Zynismus. Der einzige Grund wieso Griechenland der EU gefährlich werden könnte ist, weil die europäischen Banken massiv mit cds gegen Griechenland spekulieren und keiner weiss in welchem Ausmass. Weil Griechenlands Defizit ist ja lächerlich. Glaube sie zahlen 30mrd Euro Zinsen, und wenn sie von der EZB kaufen dürften wärens auf einmal nur mehr 5mrd. Dazu unversteuertes Auslandsvermögen der Griechen bei ca 220mrd Euro. Davon 10% und Generallamnesie und die Griechen wären Europas Vorzeigeland. Alles nur eine Frage des politischen Willens.

HornToBeWild
19
29.6.2011, 14:55

wieso sieht dem ganzen niemand in die Augen und spricht aus was Sache ist? Die EU entscheidet krampfhaft über das Volk hinweg, sagt das, was D,F,GB will und zieht uns alle gemeinsam runter.

Was hat sie uns Gutes gebracht (außer "ooh, ich muss an der Grenze nicht mehr warten" und "ich brauch im Urlaub ned Geld wechseln")?

HornToBeWild
01
29.6.2011, 14:51

drum sagen ja auch internationale Experten, dass sich die EU gerade dort befindet, wo Jugoslawien 1983 war. Und man wird nicht daraus lernen, und das System wird wieder scheitern.

Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
 
12
29.6.2011, 14:20
verrottete politische Klasse

Grauenhafte Polemik, scheußlicher Wortgebrauch.
Erinnert an sehr sehr schlimme Zeiten.

Peter_23
14
29.6.2011, 13:00
Wirtschaftswissenschafter - darunter ein Nobelpreisträger

Hinweis: Es gibt in den Wirtschaftswissenschaften keinen Nobelpreis. Zumindest keinen Preis vom Herrn Nobel.

Und mit Nebensätzen wie:

"die in den USA und Europa lehren."

ist auch klar woher der Wind weht. Typische US-Economics und US-Denkschule. Die halt nicht nur Inglish quasseln können, sondern auch ein bisserl griechisch. Na, auch schon was. Das macht die Sache nur leider nicht viel besser, denn dieses US-Kapitalsystem floppt massiv.

Und damit sind alle diese Pseudo-Experten aus US-Wirtschaft-Eliteunis nicht mehr wert als Strohmänner. Leider.

Eisteefetischist #1
01
29.6.2011, 14:18

Man sollte diese Analysen wirklich einem Medizinmann aus Burundi überlassen.

Peter_23
02
29.6.2011, 17:13
Ja, der würde per Zufall in etwa genausoviel zusammenbringen wie diese Wirtschaftswissenschaftler

Das ist ja das traurige.

(Der Medizinmann aus Burundi ist aber vielleicht nicht so überheblich wie die meisten Wirtschaftler, die glauben es genau zu wissen/zu verstehen. So gesehen wäre der Medizinmann aus Burundi vielleicht sogar eine Spur besser)

system1
11
29.6.2011, 12:15
transferunion

wenn ich 1 glas heisses wasser mit 1 glas kaltem wasser mische, bekomme ich dann heisses wasser? oder nur ein lauwarmes? eben. oder: 2 jugendliche gehen abends feiern. der eine hat 0 euro, der andere 100. können beide nun je 100 euro ausgeben?

Peter_23
00
29.6.2011, 13:08
Zu Ihrer zweiten Frage: Ja.

Offensichtlich ist Ihnen Geldwirtschaft kein Begriff.

Einer von den beiden muss sich nur als Bank halten. Nennen wir ihn J1. J1 behält sich selber mal 10 Euro und verleiht 990 Euro an den anderen, J2 genannt, welcher sich verschuldet. J2 braucht aber nicht soviel Geld, und will es sparen. Er zahlt also 890 Euro auf sein Bankkonto bei J1 ein, kriegt dort tolle Zinsen, und mit haut mit 100 Euro auf den Putz.

J2, auch nicht faul, hat nun 900 Euro und denkt sich das investieren zu müssen. Denn investieren ja ganz was tolles. Ist sich aber noch unsicher und haut auch wie J1 mal 100 Euro auf den Putz.

Folge: Beide Jugendliche geben 100 Euro aus. J2 hat dann sogar noch 890 Euro am Sparbuch, J1 immherin 790 Euro zum investieren über!

flieger1961
00
29.6.2011, 13:50
"Offensichtlich ist Ihnen Geldwirtschaft kein Begriff"

Mir offenbar auch nicht - wie kann jemand, der nur EUR 100 hat (ich halte mich nur an system1's Beispiel) EUR 990 verleihen? Ich hoffe, er borgt sich EUR 900 von Ihnen aus! ;-)

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