Neutronenstern verschlingt gigantische Materiewolke

28. Juni 2011, 16:27
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Astronomen beobachteten vier Stunden langes Aufflammen in einem ungewöhnlichen Doppelsternsystem

Genf - Mit viel Glück und der technischen Hilfe des ESA-Weltraumobservatoriums XMM-Newton ist es Genfer Forschern gelungen, ein beeindruckendes Spektakel im Weltall zu beobachten; im Doppelstern-System IGR J18410-0535 hat ein Neutronenstern dabei offenbar mehr zu fressen bekommen, als er auf einmal schlucken konnte: Eine enorme Gas- und Teilchenblase traf auf den rund zehn Kilometer großen Überrest einer Supernova und führte zu einer regelrechten Röntgenstrahlen-Explosion, die den superdichten Stern für rund vier Stunden aufleuchten ließ.

Das Paar bildet eine spezielle Klasse von Rönten-Doppelsternsystemen; im Unterschied zu herkömmlichen derartigen Objekten, die eine kontinuierliche Röntgenquelle darstellen, treten hier nur selten und unregelmäßig Strahlenausbrüche auf. Was die Beobachtung der sogenannten SFXTs (Supergiant Fast X-ray Transients) so schwierig macht, ist die Unvorhersagbarkeit ihres Aufflammens. Daher sprechen die Astronmen hier von einem großen Glücksfall; hätten sie das System nicht zufällig mit dem Röntgenobservatorium XMM-Newton im Visier gehabt, dann wäre ihnen die kosmische Eruption entgangen.

Beim System IGR J18410-0535 kreist der Neutronenstern um einen blauen Sterngiganten der Spektralklasse B0 I, der Material in Form von stellarem Wind in wechselnden zeitlichen Abständen ins All schleudert. Was bei dem nun registrierten größeren Gasausbruch passierte, berichten die Forscher um Enrico Bozzo im Fachmagazin Astronomy & Astrophysics:  Ein Teil der Gaswolke traf auf den Neutronenstern, der mit seiner enormen Schwerkraft versuchte, sich den "Brocken" einzuverleiben; das Ergebis war eine Explosion, die dazu führte, dass der Neutronenstern im Röntgenlicht zehntausendfach heller strahlte als normalerweise. Die Gaswolke hatte nach Angaben der Wissenschafter eine Ausdehnung von rund 16 Millionen Kilometern und vereinte eine Masse von 1019 Kilogramm. (red/APA)

  • Künstlerische Darstellung des Neutronensterns, auf den eine Gaswolke des blauen Sternengiganten trifft.
    foto: esa/aoes medialab

    Künstlerische Darstellung des Neutronensterns, auf den eine Gaswolke des blauen Sternengiganten trifft.

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