Moskau droht seinem Nachbarn erneut mit einem Stopp von Stromlieferungen, sofern dieser seine Schulden nicht bezahlt
Moskau - Russland hat seinem wirtschaftlich stark angeschlagenen Nachbarland Weißrussland erneut mit einem Stopp der Stromlieferungen gedroht, falls es seine Schulden nicht begleichen sollte. Die Lieferungen würden in der Nacht zum Mittwoch ausgesetzt, da Minsk nicht die volle Summe gezahlt habe, sagte ein Sprecher des russischen Stromversorgers InterRao. Sobald die Zahlungen erfolgt seien, werde die Versorgung wieder aufgenommen. Die Gespräche mit dem weißrussischen Energieversorger Belenergo seien konstruktiv.
"Belenergo hat nicht genug russische Rubel. Sie haben uns geschickt, was sie haben", sagte der InterRao-Sprecher. Laut der Zeitung "Wedomosti" geht es bei dem Streit um rund 600 Mio. Rubel (14,9 Mio. Euro) für Stromlieferungen im April. Weißrussland hat nach eigenen Angaben zwar genug Belarus-Rubel, um die Rechnung zu begleichen, kann die Summe aber nicht - wie verlangt - in russischer Währung begleichen.
InterRao hatte schon Anfang Juni für sechs Tage die Stromversorgung unterbrochen und seinem traditionellen Verbündeten in der vergangenen Woche erneut mit einem Lieferstopp gedroht, bevor ein weiterer Zahlungsaufschub vereinbart wurde. Weißrussland erhält nur zehn Prozent seiner Elektrizität aus Russland, der Großteil wird im eigenen Land produziert. Dennoch bedeutet die drohende Stromkappung einen weiteren Schlag für die zehn Millionen Weißrussen.
Weißrusslands autokratisch herrschender Präsident Alexander Lukaschenko leugnet, dass sich sein Land in einer Wirtschaftskrise befindet. Russland und vier weitere ehemalige Sowjetrepubliken hatten dem Land kürzlich einen Kredit von drei Mrd. Dollar (2,11 Mrd. Euro) gewährt. Moskau stellte aber die Bedingung, dass Weißrussland wichtige Betriebe privatisieren muss, wovon vor allem russische Konzerne profitieren dürften. (APA)