Kontaktfreudige Mitarbeiter gesucht

28. Juni 2011, 11:59
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Regionalbanken rekrutieren gerne jungen Nachwuchs aus der Umgebung - Am wichtigsten ist die Kontaktfreudigkeit

Katharina Kammlander steht wie jeden Morgen an der Kasse und kümmert sich um den Bargeldverkehr der Raiffeisenbank Hainburg. Zeit für kurze Gespräche mit den Kunden nimmt sie sich dabei auch, denn als Hainburgerin sieht sie in der Filiale viele bekannte Gesichter. Seit vier Jahren ist die 26-Jährige als Serviceberaterin tätig. Dabei war eine Karriere im Finanzdienstleistungssektor nach der AHS-Matura gar nicht vorgesehen. Nach dem Gymnasialabschluss schloss sie mangels fehlender Jobangebote eine Lehre zur Friseurin ab und arbeitete vier Jahre in dem Beruf. Durch Zufall hörte sie zum richtigen Zeitpunkt, dass "die Raika jemanden sucht."

Basisausbildung für Bankberater

Der Anfang war nicht einfach, der Gymnasiastin fehlten nicht nur die kaufmännische Grundausbildung, sondern auch Kenntnisse von EDV-Anwenderprogrammen wie Excel. "Wir hatten zwar Informatik, aber das Programmieren nutzte mir im Berufsalltag wenig", erzählt Kammlander. Die Theorie rund um Buchhaltung und Rechnungswesen lernte sie jedoch schnell in der Basisausbildung für Bankberater. Insgesamt umfasst die Grundausbildung vier Wochen, zwei Wochen Theorie und zwei Wochen Kundengespräche üben. Wer aber auch noch als Spezialist im Wertpapierbereich oder als Assistent tätig sein will, besucht die Ausbildung bis zu drei Monate.

Mit Kunden umgehen

Vor den ersten Kundengesprächen hatte Kammlander keine allzu große Angst. Letztendlich zähle auch, "wie gut man mit den Kunden umgehen kann", so die junge Bankberaterin. Auch für ihren Kollegen, Peter Krautsieder ist es wichtig "mit den Kunden zu sprechen, damit sie gerne zu uns kommen." Der 28-Jährige hat ebenfalls die AHS-Matura in der Tasche und schon während der Schulzeit beim Vater in der Wechselstube beim Grenzübergang zur Slowakei in Berg als Aushilfe Erfahrung sammeln können. Gleich nach dem Schulabschluss begann er in einer Bankfiliale in Wien als Kassier zu arbeiten und ist seit 2008 bei der Raiffeisenbank in Hainburg dabei.

Für Krautsieder, der ausschließlich in der Kundenberatung tätig ist, zählen die Kundenterminisierung und ausführliche Beratungsgespräche, die nicht selten bis zu einer Stunde dauern, zum Berufsalltag. Dabei gehe es ihm nicht ums Verkaufen der Vorgaben willen, sondern darum, mit dem Kunden gemeinsam herauszufinden, welche Wünsche und Pläne in Zukunft anstehen. "Einer der einen Apfel will, wird mit einer Birne nicht glücklich." In Hainburg gefällt ihm besonders, dass die Anonymität nicht so groß ist wie in Wien.

Taschengeld und Nova Rock

"Hier ist alles viel persönlicher", bestätigt auch seine Kollegin Kammlander. Sie ist nicht nur für die Hauptkasse und damit auch für die Befüllung des Bankomaten, die Ausleerung der Münzbox oder die Geldbestellung, sondern auch speziell für die Beratung von jüngeren Bankkunden wie Schülern, Lehrlingen oder Studenten zuständig. "Wir begleiten die Kunden in allen Lebensphasen und bei Jugendlichen kommt es in dieser Phase eben zu vielen Umstellungen. Die haben ganz andere Bedürfnisse." Sie meint damit den Führerschein, das erste Auto, die erste Wohnung oder den ersten Festivalpass für das Nova Rock. Bei den jüngeren Kunden gehe es auch darum beim ersten Umgang mit der Bankomatkarte zu helfen und mit dem Taschengeldkonto ein "Reinschnuppern" im Umgang mit Geld zu gewähren. Generell werden die Kunden von Generation zu Generation weitervermittelt. "Wenn die Eltern Kunden bei uns und zufrieden sind, schicken sie auch ihre Kinder zu uns", erzählt Kammlander. Sympathie und starke Kundenbindung erachtet sie in ihrem Job als besonders wichtig.

Kontaktfreudigkeit

Für ihren Chef, Bankstellenleiter Josef Fux, sind "offene Mitarbeiter, die den Kontakt mit Kunden nicht scheuen" unersetzlich. Ihm sind gute Umgangsformen und Kontaktfreudigkeit wichtig, schließlich "repräsentiert jeder von uns die Bank nach außen." Wer dazu auch noch eine HAK- oder HBLA-Matura aufweisen kann, liegt besonders im Vorteil. Aber auch ohne Matura kann man Karriere in der Bank machen. "Ein Handelsschulabschluss verweigert keine Bankenkarriere, denn vom Bankgeschäft lernt man in der Schule sehr wenig", betont Fux. Seit zwei Jahren gibt es an der Raiffeisenbank Bruck-Carnuntum auch die Möglichkeit sich als Lehrling zur Bankkaufmann- oder frau ausbilden zu lassen.

Bei der Konkurrenz wird ebenfalls mit Vorliebe nach jungen Mitarbeitern aus der Umgebung gesucht. "Wir nehmen jedes Jahr junge Leute auf, speziell aus der Region, aber nicht nur Akademiker oder Maturanten", sagt Doris Prosenbauer, Filialleiterinder Sparkasse Hainburg. Nicht nur kaufmännische Fertigkeiten und schulische Ausbildung zählen, sondern auch "die Bereitschaft auf Menschen zuzugehen." (Güler Alkan, derStandard.at, 28.6.2011)

  • Beraterin Katharina Kammlander und Berater Peter Krautsieder
    foto: derstandard.at/güler alkan

    Beraterin Katharina Kammlander und Berater Peter Krautsieder

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