Männermode Paris

Gut gerüstet durch die Seifenblasen

27. Juni 2011, 19:09
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    foto: ap/michel euler

    Entwürfe von Dries Van Noten

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    foto: thibault camus/ap/dapd

    Die Rüschenskulpturen, die Walter Van Beirendoncks Modeschau beendeten, entstanden aus einer Zusammenarbeit des belgischen Designers mit dem österreichischen Künstler Erwin Wurm und sind in einer Ausstellung des Künstlers im Middelheim-Museum in Antwerpen zu sehen - wenn sie nicht gerade über den Laufsteg laufen.

Bei den Männermodeschauen in Paris gab Kim Jones bei Louis Vuitton sein Debüt. Herausragend die Kollektionen von Dries Van Noten und Lanvin.

Ende und Neuanfang liegen selten so nahe beieinander wie in der Mode. Während John Galliano vergangene Woche noch vor Gericht stand und diverse Abhängigkeiten von Drogen und Alkohol eingestand, beklatschte man auf den Pariser Männermodeschauen bereits die ganz dem Geiste Gallianos verpflichtete Kollektion seines Nachfolgers. Bill Gaytton, der 23 Jahre an der Seite des britischen Designers werkte, wird in Zukunft das Label "John Galliano" führen. Wer Gallianos weitaus wichtigeren Job, jenen als Chefdesigner bei Dior, übernimmt, darüber hüllt sich der Luxuskonzern LVMH dagegen weiterhin in Schweigen. Die kommende Woche stattfindende Haute-Couture-Schau im Musée Rodin bereitet inzwischen ein Designteam vor.

Kontinuität scheint eine der Devisen der am Sonntag zu Ende gegangenen Männer-Defilees gewesen zu sein. Und das, obwohl man davon angesichts des regen Kommens und Gehens hinter den Kulissen beileibe nicht sprechen kann. Während der Pariser Modeschauen gaben der japanische Kleiderriese Uniqlo und Jil Sander bekannt, dass sich ihre Wege trennen werden. Damit geht eine der vielversprechendsten Partnerschaften der Mode bereits nach drei Jahren zu Ende.

Neubeginn bei Vuitton
Zum Start der Defilees wurde man dagegen Zeuge eines hoffnungsvollen Neubeginns, jenes von Louis Vuitton mit Kim Jones, dem neuen Männerdesigner des französischen Luxuslabels. Er schickte Louis Vuitton auf Reisen - und zwar nach Afrika, jenen Kontinent, auf dem Jones auch selbst geboren wurde. Voluminöse rot-blaue Massai-Schals, vorne geschlossene Sandalen und kastige Rucksäcke, deren Trägerelemente auch auf den mit den Initialen LV besteppten Jacken zu finden waren, injizieren der Kollektion eine Sportlichkeit, die ihr guttut. Und auch die formelleren Teile der Kollektion besaßen diesmal eine besondere Leichtigkeit: Sie kam am besten in den pyjamaähnlichen Nadelstreifanzügen zum Ausdruck.

Neben Jones ist Alessandro Sartori der zweite Neuzugang in der riesigen Markenwelt von LVMH. Er verantwortete in den vergangenen Jahren Zegnas Zweitlinie Z Zegna. In Mailand zeigte er gerade eine monochromatische Kollektion, bei der er sehr gekonnt mit Proportionen spielte. Für LVMH wird Sartori dagegen - wie während der Modeschauen bekanntgegeben wurde - die Schuhmarke Berluti in ein Herren-Lifestyle-Label umbauen.

Zu einem solchen entwickelt sich auch immer mehr Maison Martin Margiela, das zum Markenkonglomerat rund um Diesel gehört. In Paris' noblem achten Arrondissement sperrte man gerade das erste Margiela-Hotel auf (mehr dazu nächstens im RONDO). Auch Margiela wird von einem Designteam geleitet, nachdem sich der Designer selbst vor ein paar Jahren zurückgezogen hatte. Mit wechselndem Erfolg: Für kommendes Frühjahr schaffte man es aber, eine dezent mit transparenten Details und wiederkehrenden Mustern spielende Kollektion vorzustellen, die wie ein Plädoyer für mehr Tragbarkeit wirkte. Die Zeiten, als die Marke ein Synonym für einen dekonstruktiven Modeansatz war, sind schon ähnlich lange vorbei wie bei Issey Miyake, wo mittlerweile auch ein Designteam die Herrenlinie verantwortet. Eine klare Identität bekommt ein Label - wie die inspirationslose Miyake-Schau zeigte - aber damit nur schwer.

Damit tun sich aber auch andere Marken nicht leicht. Vor allem jene, deren Gründer noch immer eine übermächtige Strahlkraft haben. Zum Beispiel Yves Saint Laurent, wo Designer Stefano Pilati u. a. Yves' Safarilook seine Reverenz erwies, aber dessen Kollektion seltsam schwer anmutete. Die Loafers aus gegossenem Gummi könnten aber der Hit der nächsten Saison werden. Auch bei Dior Homme kommt der belgische Designer Kris Van Assche nicht wirklich von der Stelle. Er schickt immer mönchischere Kollektionen auf den Laufsteg. Hochgeschlossene Westen und Blousons, Anzüge mit schmalen Revers und Krägen, Weiß, Schwarz, einige Erd- und Blautöne. Und dazu Details wie Silberringe an den Knöpfen oder breite Lederapplikationen. Fertig ist seine Kollektion. Auch bei seinem eigenen Label sah das Ergebnis nicht großartig anders aus.

Wie stark ein reduzierter, minimalistischer Ansatz sein kann, zeigt Rick Owens, der mindestens genau so gern wie Kris Van Assche mit Tunikas arbeitet: Diesmal stehen sie sogar im Zentrum einer Kollektion, die man ähnlich wie jene von Ann Demeulemeester (sie hat allerdings einen weitaus "romantischeren" Ansatz) als Reverenz gegenüber dem Arabischen Frühling auffassen kann: Über die Tunikas zieht Owens kompliziert geraffte Sakkos und Westen, darunter wahlweise enge Hosen oder weite, asymmetrisch geschnittene Röcke. Ein Look, der mehr Theorie als Praxis ist, aber zum Konsequentesten gehört, was die Männermode derzeit zu bieten hat.

Die Höhepunkte am Laufsteg
Womit wir bei den Highlights dieser Männermodeschauen wären. Zu ihnen zählt die Kollektion von Dries Van Noten, der derzeit sowohl bei den Damen als auch bei den Herren einen fantastischen Lauf hat. Seine stonewashed Jeans zählen zu den Keypieces des heurigen Sommers, die von den Modemenschen auf den Schauen rauf und runter getragen wurden. Für kommendes Frühjahr hat Van Noten an Outdoor-Kleidung Maß genommen. Funktionale Details wie wasserundurchlässige Nähte werden in seiner mehrheitlich in Mitternachtsblau, Burgunder und einem strahlenden Rot gehaltenen Kollektion zu Schmuckelementen. Glänzendes Nylon trifft bei ihm auf grobes Leinen, und das mitunter in einem Kleidungsstück.

Wie viele andere Designer in Paris (aber nicht in Mailand) hält er sich mit Farben und Mustern zurück. Anders Antonio Marras bei Kenzo, der ein blumiges Finale samt Seifenblasen inszenierte, oder der Belgier Walter Van Beirendonck, der ein Feuerwerk an Mustern auf dem Laufsteg entfachte und es in Rüschenskulpturen kulminieren ließ. Diese entstanden als Zusammenarbeit des Designers mit Erwin Wurm und sind derzeit in einer Wurm-Personale am Middelheim-Museum in Antwerpen zu sehen,

Den überzeugenden Abschluss der Männermodeschauen lieferte aber Lanvin: Die Kollektion von Lucas Ossendrijver war gleichzeitig auch der Höhepunkt unter all den ernsten, in sich gekehrten Kollektionen, die auf den Pariser Laufstegen dominierten. Ledershirts schimmerten, als wären sie Brustpanzer, V-Ausschnitte sahen aus, als ob sie von Stricken zusammengezogen würden. Am markantesten waren aber die Sakkos. Ihre Schulterlinien setzten entweder ganz tief an oder zogen sich spitz in die Höhe: Als wären die Anzüge Rüstungen. Was immer da im kommenden Frühjahr auf uns zukommt: Die Mode ist gewappnet. (Stephan Hilpold aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.06.2011)

--> Ansichtssache von den Pariser Männermodeschauen:

--> Nackte Füße, kurze Hosenbeine

--> Ritter in glänzender Rüstung

 

cat fish
00
29.6.2011, 21:10

Also das grüne Kleidungsstück von Van Beirendoncks würde ich in Wien gerne öfters, sowohl an Männern, als auch an Frauen, sehen

Juwlius1
00
28.6.2011, 17:50

Bitte kann einer den Wurm abstellen?! Das ist doch nur mehr öde (Kultur-)Publikumsberieselung.

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