Expremier Thaksin Shinawatra schickt seine Schwester Yingluck in den Wahlkampf: "Ein Klon von mir"
Anfangs belächelt, nun aber am Sprung an die Spitze: Yingluck Shinawatra, die 43-jährige Schwester des ins Exil geflüchteten Expremiers Thaksin, will das zerrüttete Land versöhnen.
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Wenige Tage vor der Wahl nimmt die Kampagne endlich Fahrt auf: Die Oppositionspartei Phue Thai hat noch einmal neue Wahlplakate affichieren lassen. Ihre Spitzenkandidatin, Yingluck Shinawatra, wird in bunten Bildern als erster weiblicher Superstar der thailändischen Innenpolitik inszeniert. Zu sehen ist eine dynamische, umjubelte Frau, ihr erhobener rechter Arm und der Zeigefinger zeigen steil nach oben - eine Siegespose für die Parlamentswahl am kommenden Sonntag. Die bar jeder politischen Erfahrung angetretene Yingluck ist drauf und dran, die regierenden Demokraten unter Premierminister Abhisit Vejjajiva in der Wählergunst zu überholen.
Noch vor wenigen Wochen war die Entscheidung, Yingluck als Spitzenkandidatin ins Rennen zu schicken, belächelt worden. Niemand traute ihr zu, auf dem schwierigen Terrain der thailändischen Innenpolitik Fuß fassen zu können. Doch die Nominierung der 43-Jährigen, die sich im Wahlkampf ohne allzu kritische Kommentare durch das Königreich lächelt, sollte sich als genialer Schachzug jener Person erweisen, die Yinglucks Bruder ist und eine der umstrittensten Figuren Thailands in den vergangenen zehn Jahren darstellt: Expremier Thaksin Shinawatra.
Der 2006 durch einen Militärputsch aus dem Amt gejagte, wegen Korruption verurteilte und teilweise um sein Vermögen gekommene frühere Regierungschef kontrolliert vom Exil in Dubai aus nach wie vor die unter anderem Namen von ihm gegründete Phue-Thai-Partei.
Die Shinawatras stammen aus dem Norden Thailands und gelten als Selfmade-Milliardäre. Yingluck war als Managerin im Telekom- und Immobiliengeschäft ihres Bruders tätig. Er sagt, sie sei "ein Klon von mir" .
Versöhnung fraglich
Neben der Aufregung um die Person Yinglucks herrscht auch Sorge, was der Wahlsonntag am 3. Juli politisch bringen wird. Der oberste General der Armee, Prayuth Chan-ocha, erinnerte seine Landsleute daran, "die Richtigen und Guten" zu wählen. Er meinte damit nicht Yingluck und Phue Thai. Selbst wenn Yingluck mit Unterstützung der "Rothemden" , einer ihrer Partei nahestehenden Bürgerbewegung, die ihre Anhänger vor allem im strukturschwachen Nordosten des Landes rekrutiert, die Mehrheit gewinnt, wird sie Partner brauchen. Derzeit ist niemand bereit, mit Phue Thai zu koalieren.
Als wahrscheinlich gilt das Szenario, dass die Demokraten - als zweitstärkste Kraft die Repräsentanten der Mittelschicht in Bangkok - die bisherige Mehrparteienkoalition weiterführen.
"Wir alle fürchten den Konflikt nach der Wahl" , sagen Chumporn Pudjusanont, Dekan an der Chulalongkorn-Universität, und Payungsak Chartsutipol, der Präsident der Industriekammer, zum Standard. Ob Yingluck, wie sie es selbst ausdrückt, "ihre weiblichen Eigenschaften" einbringen kann, um das quer durch die Gesellschaftsschichten zerrüttete Land zu versöhnen, ist fraglich.
Schmerzvoll ist die Erinnerung an die Unruhen im Frühjahr 2010, als friedliche Kundgebungen durch gezielte Provokationen außer Kontrolle gerieten, ein Geschäftsviertel abgebrannt wurde und die Armee auf die Demonstranten zu schießen begann. Mehr als 90 Menschen starben damals. (Andrea Waldbrunner aus Bangkok/DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2011)
Wissen
Ein Drahtzieher im Exil in Dubai
Im September 2006 besetzen Polizei und Militär die Hauptstadt Bangkok. Premier Thaksin Shinawatra, der bei der Uno in New York weilt, wird suspendiert. Er ruft aus dem Ausland den Notstand aus, kann aber nichts mehr ausrichten. Die Junta setzt eine Regierung ein, ein Verfassungsreferendum folgt. 2006 erklärt Thaksin seinen Rücktritt als Chef der Partei Thai Rak Thai und gründet die Phue-Thai-Partei. Er versucht aus dem Exil in Dubai ein Comeback, kann aber wegen Strafverfahren derzeit nicht nach Thailand zurück.