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Tiroler Rettung ab Juli als "Ambulance" im neuen Auto

27. Juni 2011, 17:51
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    foto: apa/herbert p. oczeret

    Bis zum Frühjahr 2012 ist die Rettung in Tirol noch unter 144 erreichbar.

Nach viermaliger Ausschreibung übernimmt "Rettungsdienst Tirol", die Organisation dauert noch

Innsbruck - Noch nicht gänzlich fertig umstrukturiert, aber bereits mit neuen Autos tritt der "Rettungsdienst Tirol" ab 1. Juli seinen Dienst an. Laut Gesetz hätte das schon am 1. Jänner passieren sollen, dieser Termin musste aber verschoben werden. Auffälligste Änderung vorerst wird das neu beschriftete Auto sein: Die Notarztwägen sind künftig "internationalisiert", also mit "Ambulance" zum "Rettungsdienst Tirol" beschriftet.

Im Wagen sitzen Mitarbeiter jener Bietergemeinschaft, die die Ausschreibung des Landes zur Neuorganisation der bodengebundenen Rettung, also Notfallrettung und Krankentransporte, gewonnen hat: Notärzte und Sanitäter von Rotem Kreuz, Arbeitersamariterbund, Johanniter und Malteser. Vorerst rettet nur das Rote Kreuz, ab Oktober kommt der Samariterbund dazu. Erreichbar soll die neue Rettung mittelfristig auch nicht unter vier verschiedenen Nummern sein. 

Die Rettungseinsätze sollen zudem zentral, über die Landesleitstelle koordiniert werden. Bis das funktioniert, dauert es aber ebenfalls noch: Ab Oktober sollen erst einmal die verschiedenen Bezirksleitstellen und alle Organisationen der Bietergemeinschaft mit der Landesleitstelle zusammengeschlossen werden. Bis zum Frühjahr 2012 sollte dann die Neuorganisation abgeschlossen sein. Bis dahin sind die Telefonnummern 14 844 für Krankentransporte und 144 für die Rettung aber weiterhin gültig.

Seit zwei Jahren Kritik

Der zuständige Landesrat Bernhard Tilg (VP) verspricht auch ab Juli beretis "bestmögliche Qualität". Von der Ausschreibung bis zur Präsentation der neuen Rettungsautos sah sich Tilg über fast zwei Jahre von der Opposition kritisiert. Die Grünen befürchten eine "Verteuerung und Verschlechterung" des Notarztsystems. Durch das neue System kämen nicht nur Notärzte zum Einsatz, sondern auch Turnusärzte. Dadurch müssten "weniger gut für den Rettungseinsatz geeignete Mediziner ausrücken", fürchtet Gebi Mair.

Außerdem könnten einige Ortsstellen aus Kostengründen keine Rettungseinsätze, sondern nur noch Krankentransporte durchführen. Bei einem Unfall müsse dann ein Rettungswagen von einem anderen Stützpunkt kommen. Diese Abwertung werde zu "massiven Problemen" bei der Rekrutierung von Freiwilligen führen. "Um Taxi zu spielen, geht nämlich keiner freiwillig zur Rettung", sagt Mair.

Teurer als zuvor

Auch reiche das Geld nicht aus, um alle Ortsstellen zu erhalten. Um den Status quo zu sichern, müssten erst wieder die betroffenen Gemeinden zuzahlen. Damit käme das Rettungssystem insgesamt teurer als vorher. Nach langen Diskussionen war im Juni 2010 der Zuschlag an die inländische Bietergemeinschaft rund um das Rote Kreuz gegangen. Bereits 2009 hatte es Kritik an der Neuorganisation der Rettung gegeben. Tilg musste immer wieder sein Konzept eines Rettungsdienstes für weniger als 30 Millionen Euro verteidigen.

Bernhard Ernst von der "Liste Fritz" hatte etwa die "dilettantische" vierfache Ausschreibung beanstandet. Das Rettungswesen werde zwar "professionalisiert", die Ehrenamtlichkeit aber zurückgedrängt. Befürchtet worden war auch die Zerschlagung des einheimischen Rettungswesen. Denn neben dem Bieterkonsortium hatte sich auch der dänische Falck- und der bayrische MKT-Konzern beworben. (Verena Langegger, DER STANDARD-Printausgabe, 28.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
1 2 3
nosferatus3
01
28.6.2011, 14:21
aus dem rettungsdienst

wurde ein beinhartes geschäft. sollte die arbeiterkammer einmal die arbeitsbedingungen unter die lupe nehmen.

El Clandestino ****
00
28.6.2011, 11:37
hand vorm gesicht

wo man oft (an den postings) wieder sieht das in tirol der horizont bei der eigenen tal/ortsgrenze aufhört....traurig

DocSnyder
 
00
28.6.2011, 11:35
ich kenn mich da jetztz nicht aus..

...aber warum musste 4 mal ausgeschrieben werden ?
hats so viel ausschreibungen gebraucht bis der richtige das geschäft bekam ?
wär ja die in österreich übliche vorgehensweise :)

spritze Fenta - sei bambutscha
00
28.6.2011, 11:44
fast

das problem war, dass das land zuerst einmal ein rettungsdienst niveau gefordert hat, dass dem 21. jahrhundert entspricht. nach der 1. ausschreibung sind die aber draufgekommen, dass das auch entsprechende kosten verursacht und haben dann solange die anforderungen gesenkt, bis ein akzeptabler preis angeboten wurde.
die bietergemeinschaft hat aber so günstig angeboten, dass sie nicht wirklich positiv bilanzieren kann und so betteln sie weiter um spenden.
die firma falck, die in mehreren ländern professionellen rettungsdienst anbietet, hat gemeint, dass sie unter diesen rahmenbedingungen nicht vernünftig arbeiten kann und hat sich zurückgezogen.
die urspüngliche idee der ausschreibung war gut. die umsetzung eine katastrophe.

Lucius Vorenus
00
28.6.2011, 19:30

Die Umsetzung ist eine Katastrophe, die Idee aber genauso, weil bestimmte gesellschaftliche Bereiche nicht ausgeschrieben/privatisiert werden dürfen! Man hatte bisher ein gut funktionierendes System das auch finanziell tragbar war, warum man plötzlich auf die Idee gekommen ist den Rettungsdienst ausschreiben zu müssen ist mir ein Rätsel. Man wollte wahrscheinlich blind Kosten einsparen und herauskommen wird ein System, welches letztendlich teurer als das bisherige wird.

F96
10
28.6.2011, 23:09

So gut war das System bei weitem auch wieder nicht. Solange man meint mit Rettungssanitätern statt Notfallsanitätern mit Notkompetenzen auskommen zu können, wird sich kaum etwas verbessern. Rettungssanitäter die nur einen Theoriekurs der knapp über zwei Wochen dauert und 160 Praxisstunden (die man nicht einmal Rettungsdienst absolvieren muss) absolvieren sind wohl kaum für PROFESSIONELLEN Rettungsdienst zu gebrauchen. Jedoch ist es ja viel einfacher der Bevölkerung zu sagen, dass alles einfach superübertoll sei anstatt etwas zu verbessern

Lucius Vorenus
00
29.6.2011, 00:29

Aber das ist doch genau der Punkt! Ein professioneller Rettungsdienst kostet Geld. Geld dass das Land eben nicht bereit ist auszugeben und bei der Ausschreibung ging es ja in erster Linie darum den Preis für den Rettungsdienst zu drücken. Ein Schuss der jetzt nach hinten los geht, denn einerseits mehr Qualität fordern und gleichzeitig darf das aber ja nichts kosten wird halt nicht funktionieren! Die Blaulichtorganisationen würden ja selbst gerne noch professioneller Arbeiten, aber mit begrenzten Mitteln ist das halt schwer zu bewerkstelligen!

spritze Fenta - sei bambutscha
00
28.6.2011, 21:56

das system ist österreichweit nur in wien auf akzepzablem niveau. tirol wandelt zwar nicht in rettungsdienstlichen abgründen zb öberösterreich, ist aber vom ideal weit weg. wie schon gesagt, hätte eine ausschreibung ein hohes niveau vorschreiben können (ausrüstung, ausbildung, usw.).
ein problem ist wie in vielen anderen bereichen, dass verschiedene kostenträger involviert sind. eine gute präklinische versorgung kostet zwar oberflächlich gesehen mehr, spart aber kosten in der krankenhausbehandlung und rehabilation. aber dafür ist man in österreich zu kurzsichtig.

Lucius Vorenus
00
29.6.2011, 00:33

Das Niveau ist auch in Tirol auf einem guten Niveau, nach oben gibt's natürlich immer Spielraum, aber es ist nicht so als ob man noch mit Pferdekutschen und Pflaster aus dem zweiten Weltkrieg den Rettungsdienst absolviert. Wie bereits beschrieben ist es halt problematisch wenn man eine Ausschreibung macht und viele kostspielige Vorschreibungen macht und das soll dann alles weniger kosten als bisher. Das ist schlichtweg nicht machbar!

gefürstete grafschaft tirol
10
28.6.2011, 11:30
Finde die Reform grundsätzlich gut. Alle Organisationen müssen zusammenarbeiten.

Was gibts daran zu kritisieren? Klar ist auch, dass das RK die beleidigte Leberwurst gibt. Ihnen wurden die Flügel, zu Recht, anständig gestutzt.

kernoelpapst
00
28.6.2011, 11:07
Never change a winning team!

Warum man dort drüben im Westen alles über'n Haufen schmeissen musste, wird wohl niemand so richtig beantworten können, außer vielleicht dieser Landesrat, der das alles ausgelöst hat. Ich halte es jedenfalls für einen Unsinn!

17+4
61
28.6.2011, 11:01
keine spende für einen Verein, der

AMBULANCE auf seine Autos schreiben muss.
Wenn schon nicht mehr Rettung, dann hätte man wenigstens AMBULANZ schreiben können.

...so sollen sie schauen, wie sie das Geld in England auftreiben.

ein Glück, dass es bei uns noch 'Rotes Kreuz' heißt, kulturlose Bande.

El Clandestino ****
21
28.6.2011, 11:33

horizont von ca. 1qm

und wahrscheinlich auch noch tomaten vor den augen, gell.....armseelig

Jake Gittes
01
28.6.2011, 09:50

Tolle Reform. Motto: Wie macht man ein gutes, bestehendes System ein bisschen schlechter.

anton-aus-tyrol
 
00
28.6.2011, 10:18

Bestehend ja, gut kann man diskutieren. In Tirol gab es keine Möglichkeit im Rettungs- und Ambulanzbereich irgendwas zu machen ohne das Rote Kreuz. In Wien gibt es den Zusammenschluss seit Jahren und es funktioniert wirklich gut. Ich denke, dass mehrere Organisationen zusammenarbeiten ist eine gute Idee. Das bringt auch einen Know-how Transfer und Vorab-Abstimmung für Katastrophenfälle und Großambulanzen.

Lucius Vorenus
00
28.6.2011, 19:37

Das stimmt so allerdings nicht. Man hat auch bisher zusammengearbeitet z.B.: bei gemeinsamen Übungen oder wenn eine Veranstaltung nicht mit den eigenen Leuten besetzt werden konnte hat man von den anderen Organisationen Leute angefordert. Natürlich war die Zusammenarbeit nicht in diesem Ausmaß gegeben wie bisher, was aber einige zu vergessen scheinen ist die Tatsache, dass unter den neuen Bedingungen alle Blaulichtorganisationen leiden werden. Die "bessere Zusammenarbeit" hätte man auch ohne Ausschreibung erreichen können und dient den zuständigen Politkern mehr als Propaganda und Rechtfertigung!

kein nick will mir mehr einfallen
00
28.6.2011, 09:25
oblomow II
10
28.6.2011, 08:58
tirol?

ähäm? wo was?

das klingt eher nach absurdistan ...

gebimair.at
13
28.6.2011, 08:07

Warum das bisherige Rettungswesen zerschlagen werden musste und eine Zentralisierung und Monopolisierung notwendig war, wird wohl niemand wirklich verstehen. Neben den vielen Fehlinvestitionen der Landesregierung wird auch noch eine weitere Frage interessant werden: Wie sieht es mit dem Grundrecht auf freie Arztwahl aus? Ist es verfassungsrechtlich zulässig, dass nur mehr eine einzige Organisation für den qualifizierten Krankentransport zuständig ist? Ich bin schon gespannt auf die erste Klage in diesem Fall und was dann passieren wird.

MfG
Gebi Mair
www.gebimair.at

kernoelpapst
02
28.6.2011, 11:11
Freie Arztwahl im Notfall?

Dem an einem Herzanfall vielleicht sterbende Patient wird es ziemlich wurscht sein, welcher Arzt von welcher Organisation gerufen wird, wenn der dem Patient bestmöglich zu helfen vermag. Ebenso ist es mir ehrlich gesagt wurscht, ob Sanitäter des Roten Kreuzes, des ASB, der Johanniter oder des rosa Teddybären kommen und mir helfen, wenn ich verunfallt im Strassengraben liege und mir nicht mehr selber helfen kann ...

anton-aus-tyrol
 
00
28.6.2011, 10:19
Zentralisierung und Monopolisierung

die Zentralisierung stimmt vielleicht, aber die Monopolisierung war bisher auch gegeben durch das RK.

gebimair.at
00
28.6.2011, 22:19

Es geht natürlich nicht um die Notfallrettung, aber um den qualifizierten Krankentransport, da halte ich das Prinzip mehrerer Anbieter und somit der freien Arztwahl für wichtig.

MfG
Gebi Mair
www.gebimair.at

Dr. Eckstein
 
00
28.6.2011, 09:53

Eine ernstgemeinte Frage:

Das Rettungswesen ist doch kaum ein "Markt", niemand wählt hier frei und nach Qualität den besten Anbieter aus.

Ist es hier nicht völlig sinnvoll, eben keine Parallelstrukturen in Verwaltung, aber z.b. auch in Reservekapazitäten, zu haben?

Natürlich kann die jetzige Lösung möglicherweise im Detail Verschlechterungen bieten, aber ich verstehe nicht, warum es generell schlechter sein soll, derartige Dienste von einem Anbieter zentral zu verwalten, als durch viele "Konkurrenten", deren Erfolg eben nicht von der freien Wahl der Konsumenten, sondern notwendig von intransparente Abmachungen abhängt.

Lucius Vorenus
00
28.6.2011, 19:41

Diese "Parallelstrukturen" sind dem Land bisher allerdings günstiger gekommen als die neue Zentralisierung! Der vereinbarte Kostenrahmen wird garantiert nicht halten, da die Organisationen bereits jetzt darunter stöhnen wo der "neue" Betrieb noch nicht einmal gestartet ist.

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