Wenn die alte Urschel reitet

27. Juni 2011, 17:57

Der Streit um die Ortstafeln in Kärnten geht an die politische Schmerzgrenze

Bei aller Sympathie: Das Nein des Rates der Kärntner Slowenen zum neuen Volksgruppengesetz kommt reichlich spät. Und es ist überraschend. Auf Verständnis können die Slowenenvertreter mit dieser Position kaum hoffen. Eher im Gegenteil. Sie laufen jetzt ernsthaft Gefahr, den FPK-Vertretern in die Hände zu arbeiten, die sich bereits wieder in übler Polemik gegen die Slowenen üben.

"Hintennach reitet die alte Urschel", lautet ein altes Kärntner Sprichwort. Gemeint ist damit: Im Nachhinein ist man immer klüger. Aber auch: Hintennach ist zu spät und vergebens. Das trifft auf die Reaktion der Slowenenfunktionäre ganz gut zu. Sie werden nichts mehr erreichen. Politisch ist kaum noch etwas herauszuholen.

In Gesprächen hinter vorgehaltener Hand haben Vertreter der Kärntner Slowenen ein übles Bild der Gespräche mit Staatssekretär Josef Ostermayer von der SPÖ und Landeshauptmann Gerhard Dörfler von der FPK gezeichnet. Man habe ihnen das Messer angesetzt, das seien keine Verhandlungen gewesen, sondern Vorgaben, sie seien verraten und verkauft worden, seien mit Erpressung und Bestechung konfrontiert gewesen.

Mag sein. Den Beteiligten ist das durchaus zuzutrauen.

Aber das hätten die slowenischen Vertreter gleich und offensiv kommunizieren müssen. Und sie hätten dem Verhandlungsergebnis nicht zustimmen und das Memorandum nicht unterschreiben dürfen. Im Nachhinein jammern: bringt nichts.

Die Forderungen, die sie jetzt erheben, klingen seltsam. Noch zehn Ortschaften mehr, die zweisprachig beschildert werden? Aus Sicht der Slowenen mag ihnen das zustehen, aber die Verhandlungen sind vorbei und abgeschlossen. Diese Basarmethoden sind höchst irritierend. Da tut sich ein Außenstehender schwer, das ernst zu nehmen.

Dass sich die Slowenenvertreter in ihrer Stellungnahme im zweiten von zwölf Punkten dafür einsetzen, jetzt auch noch Tschechisch, Slowakisch und Romanes als Amtssprache zuzulassen, ist nett und zeugt von selbstlosem Engagement. Aber bringt es ihr eigenes Anliegen weiter? Keinen Millimeter. Die Prioritätensetzung ist befremdlich und zeugt von politischer Naivität. Oder ist das Taktik, die niemand durchschaut?

Es mag richtig sein, dass die Slowenen vom Staatssekretär und vom Landeshauptmann über den Tisch gezogen wurden. Aber es ist erschreckend, wie schlecht das politische Marketing und die Kommunikation der Slowenenverbände funktionieren. Eine politische Einigung hinterlässt immer einen Interpretationsspielraum. Und den hat sich Staatssekretär Ostermayer offenbar zunutze gemacht. Die Gemeindeklausel, wonach weitere zweisprachige Ortstafeln mit einfacher Mehrheit aufgestellt werden können, in eine Fußnote zu verpacken, ist in der Tat höchst merkwürdig.

Verfassungsjuristen setzen viel fundamentaler an: Die Auswahl der 164 Gemeinden sei willkürlich, und die Grenze von 17,5 Prozent slowenisch-sprachiger Bevölkerung schlicht völkerrechtswidrig. Das hieße: Neuverhandlungen. Das will niemand.

Es muss ein politischer Kompromiss sein, der in ein Gesetz gegossen wird, um den Betroffenen Rechtssicherheit zu geben. Vor der Beschlussfassung soll noch nachgebessert werden. Ohne Erpressung, nicht im Basar. Ohne Messer zwischen den Zähnen, aber mit den richtigen Prioritäten. Auch, wenn es schon richtig wehtut. (Michael Völker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2011)

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Posting 1 bis 25 von 67
1 2
zeekaa
00
28.6.2011, 16:54
Krawuzi-kapuzi!

Seria
00
28.6.2011, 16:26

es sollte jeder Gemeind überlassen sein auch italj oder chines Ortstafeln aufzustellen. Könnte dem Fremdenverkehr gut tun. Besonders in rICHTUNG CHINESISCH SOLLTE MAN DIESEN MARKT MIT 1.3 MRD MENSCHEN IN BETRACHT ZIEHEN und Straßenbezeichnungen u entsprechende Ortstafeln berücksichtigen und in China eine große Werbekampagne starten

Sabine Werner
10
28.6.2011, 16:10

das grenzt ja an rufmord - hinterher rumposaunen man hätte das messer angesetzt, gedroht......geht es nicht noch ein bißchen tiefer und primitiver? wer jetzt noch nicht diese miese taktik einiger ewiggestriger - in diesem falle zur abwechslung einmal slowenenvertreter - durchschaut, der seinen einzigen lebenssinn einfach im boykott, miesmachen und rumnölen sieht - dem ist nicht mehr zu helfen. war nicht so eine gute idee, in diesem falle kann man den miesmacherspies leider nicht mehr umdrehen - quertreiber um ihrer selbst willen sind einmal mehr ein slowenenverband. es soll endlich die blöden tafeln aufgestellt werden und basta. Aber ich denke auch wenn in jeder Ortschaft in K. ne Tafel steht, wird was nicht passen................

ulli52
 
00
28.6.2011, 15:39
hintenach san die krumpen...

(steirisches sprichwort)

mehr fällt mir zu ortstafeln nicht mehr ein...

aisa
10
28.6.2011, 13:50
nicht vergessen

Man darf halt nicht vergessen, dass das obwohl Slowenen ja auch Kärntner sind...

Colonel Grande
10
28.6.2011, 12:35
Nichts weiter

als ein paar Funktionäre die um ihren "Job" bangen.

Einfachsimple
02
28.6.2011, 11:01
Was stimmt jetzt wirklich?

In der Berichterstattung wurde gemeldet, dass laut Slowenen der Text des Kompromiss-Memorandums mit dem Text des Gesetzesentwurfes nicht übereinstimmt.
Herr Völker, Sie sollten darüber berichten, ob das stimmt und welche Passagen nicht gleich sind.

Peter G
04
28.6.2011, 11:12
stimmt !

Also, ich bin schon verwirrt.

2 Slowenenvertreter sagen, das Memorandum findet sich im Gesetzesentwurf wieder.
1 Slowenenvertreter sagt, das Memorandum findet sich im Gesetz nicht vollständig wieder ...

?????
Wortklaubereien ?
Oder objektiv richtig, bzw. falsch ?

Der elegante Herr von nebenan
 
110
28.6.2011, 09:50

Also als Aussenstehender kann ich nur Folgendes sagen:

Entweder es handelt sich um Kasperltheater, welches genau niemanden mehr interessiert: Dann sind ein paar Ortstafeln mehr oder weniger wurscht.

oder

Es besteht ein tiefgreifendes gesellschaftliches Grabenproblem zwischen Slowenen und Deutschkärntern und dieser Streit ist nur als Symptom zu deuten: Dann sind ein paar Ortstafeln mehr oder weniger ebenfalls wurscht. Denn dadurch würde sich das Problem auch nicht lösen

Peter G
02
28.6.2011, 10:38
zweiteres

Ich würd' sagen, es handelt sich zum zweiteres.

Und wie das so ist mit Demütigungen und Verletzungen, die sind sehr schwer (wenn überhaupt) wieder gut zu machen.

Ein Gesetz kann ein sinnvolles Miteinander regeln. Alte Wunden heilen, das kann kein Gesetz.

Sabine Werner
10
28.6.2011, 16:11

was den für dämliche alte demütigungen? kann man nicht endlich einmal von beiden seiten gut sein lassen, aber nein - man will ja mit gewalt das feuer am lodern halten.

Der elegante Herr von nebenan
 
21
28.6.2011, 10:52

Dann wäre ich dafür dieses Gesetz durchzuziehen und anschließend sollte man die Dinge thematisieren um die es wirklich geht.

Aber gut: Bei dieser politischen Landschaft in Kärnten wird da wohl nie etwas Vernünftiges rauskommen.

Peter G
01
28.6.2011, 11:03
Ich fürchte, Sie haben recht

Ich habe gestern in einem Kommentar geschrieben:
Ein Kompromiss (= geplantes Gesetz) muss allen weh tun, damit es ein Kompromiss ist.

Mittlerweilen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es allen Beteiligten halbwegs "gleich weh" tut.
Den Slowenen tut dieser Kompromiss offensichtlich weh.
Ob er aber den Deutschkärntnern - insbesondere der FPK - "im gleichen Maße weh tut", da habe ich mittlerweilen Zweifel.

Andererseits sind das nur philosophische Überlegungen ..... wie will man denn diesen "Schmerz" messen und aufrechnen ?

dasandere
00
28.6.2011, 10:11
wobei

in zweiterem Fall, Ausdrücke wie "Basarmentalität" auch nicht helfen werden...

Harti01
60
28.6.2011, 09:40
ES geht nicht um NeuverhandluNgen

SONDERN UM EINE ANSTÄNDIGE und im Sinne der Slowenen GRÖSSZÜGIG formulierte Gesetztesvorlage,

das wäre auch im Sinne der (sonst recht peinlichen) Briefbefragung !

daemeth
11
28.6.2011, 13:09

die mehrheit der slowenenvertreter sind dafür...

einzig dieser komische rat...der ständig probleme macht, zickt schon wieder herum.

Harti01
61
28.6.2011, 09:36
Dieser Artikel hat im Standard nichts verloren,

kein Wort von den kärntner-Grünen die die Gesetztesvorlage auch kritisiert haben......

Harti01
22
28.6.2011, 09:30
Mal sehr langsam (gilt auch für den Standard) !!

Die GRÜNEN in Kärnten haben auch festgestellt, dass sich im vereinbarten "Gesetztesvorschlag" Dinge die vereinbart wurden NICHT WIEDERFINDEN !

Es muss erlaubt sein, das einzufordern, denn über den Tische gezogen wurden die Slowenen jetzt schon länger.....

PS. Die Art und Weise von Inzko ist mir auch unsympatisch....

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
55
28.6.2011, 09:14
Werter Herr Völker,

das Kaperltheater um die Kärtner Ortstafeln geht schon lange an die politische Schmerzgrenze.

Aber nicht etwa weil die Slowenenvertreter jetzt "wieder" verzögern, sondern weil es in der österreichischen Innenpolitik möglich war und ist, einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag und mehrere Erkenntnisse des Verfassungsgerichts einfach zu ignorieren.

Und daß bei Verhandlungen mit dem von unserem rückgratlosen Bundeskanzler bestellten Medienstaatssekretär und eitlen Pfau Ostermayer die Kärntner Slowenen, und der Staatsvertrag, keine Chance hatten, war mir von vorneherein klar.

Die Verhandlungen waren eine Farce und die "Ergebnisse" verhöhnen jede Rechtsstaatlichkeit in diesem Operettenstaat.

sawi48
24
28.6.2011, 07:21
Es scheint ja,

als wurde etwas anderes vereinbart als in der Gesetzesvorlage steht.

Ist es wirklich so ein Problem, die Vereinbarung mit der Gesetzesvorlage zu vergleichen und etwaige Diskrepanzen auszugleichen ?

Wär das nicht etwas für Aufdeckungsjournalisten ?

Aber eigentlich müßte die Veröffentlichung durch die "Volksvertreter" geschehen - wir als Volk haben das Recht auf Information !

Harti01
10
28.6.2011, 09:32
Die Grünen haben das auch schon bestätigt !

Tino67
 
07
28.6.2011, 08:31
Der Text des Memorandums ist ja veröffentlicht!

Schauen Sie sich auf der Parlaments-Homepage die Regierungsvorlage für das Volksgruppengesetz an: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/... ndex.shtml
Unter Vorblatt und Erläuterungen finden Sie den Text des Memorandums samt Unterschriften!

sawi48
00
28.6.2011, 08:35
Danke !

site:°~+*-||!#.\>
90
28.6.2011, 02:20

Wenn der Auto-Fetischist-Völker reitet, entsteht kein intelligenter Kommentar.

Ortstafeln sind für PS-Freaks nur verhasste Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Christoph Karl Steininger
13
28.6.2011, 00:18
Es ist unerträglich hier von den Verzögerern zu lesen,

daß die damals recht hatten!
Österreich hat sich in einem völkerrechtlichen Vertrag zu was verpflichtet.
40 Jahre lang hat man verzögert, auf die Verzögerer verwiesen, abgewiegelt usw.
Und nun sollen es die Vertreter der Slowenen sein die die neue Regelung vereiteln. Die schon vorher von vielen Kräften vereitelt wurde?
Ich finde das zum ko**en!

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