Burgstaller bestreitet Vorwurf der Kreditschädigung

27. Juni 2011, 17:46

Ex-Buchhalterin der Osterfestspiele klagt die Landeshauptfrau

Salzburg - Die Finanzaffäre um die Salzburger Osterfestspiele geht vor Gericht weiter: Die ehemalige Buchhalterin des Festivals, Brigitte K., klagte die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) wegen Ruf- und Kreditschädigung. Burgstaller habe ihr in einem ORF-Interview eine Mitschuld an der mutmaßlichen Veruntreuung von Geldern der Osterfestspiele angelastet. K. fordert Unterlassung und Widerruf. Die Staatsanwaltschaft Salzburg stellte das Strafverfahren gegen K. wegen der Mittäterschaft zur Untreue vor wenigen Tagen ein. Burgstallers Anwalt, Herbert Hübel, kündigte einen Antrag auf Fortführung der Strafverfolgung an.

Am Beginn des Zivilprozesses gegen die Landeshauptfrau am Montag versuchte Richter Walter Dalus das Verfahren mit einer Unterlassungserklärung außergerichtlich beizulegen. Vergeblich: Die beiden Parteien konnten sich nicht einigen. Dalus stellt ein großes Programm in Aussicht: 15 bis 20 Zeugen sollen Auskunft darüber geben, welche Rolle die Klägerin bei den Osterfestspielen gespielt habe. Ob die Zeugen aussagen werden, ist ungewiss. Gegen viele von ihnen laufen noch Strafverfahren.

Der Prozess begann mit ei- ner mehrstündigen Einvernahme der Landeshauptfrau. Burgstaller blieb beim Vorwurf, das Verhalten der Klägerin sei nicht in Ordnung gewesen, aber "ich habe ihr kein kriminelles Verhalten unterstellt". Bei der Aussage im Interview, "die Menschen sollten mehr Mumm und Mut haben und nicht bei jedem kriminellen Akt mittun", handle es sich um eine persönliche Meinung. Es gebe einen Unterschied zwischen einer Tatsachenbehauptung und persönlichen Werturteilen, konkretisierte Burgstaller. Zudem habe sie den Namen der Klägerin in dem Interview bewusst nicht genannt.

Burgstaller warf K. in der Einvernahme vor, dass sie wichtige Informationen nicht weitergab. Sie hätte wissen müssen, dass 1,9 Millionen Euro zu Unrecht an den ehemaligen technischen Direktor der Salzburger Sommerfestspiele überwiesen wurden, da alle Rechnungen über den Schreibtisch der Klägerin gingen. Seine Leistungen seien in einem Kooperationsvertrag zwischen den Osterfestspielen und den Sommerfestspielen, bei denen K. mitgewirkt habe, inkludiert gewesen. Als der Finanzausschuss der Osterfestspiele über die Insolvenzgefahr diskutierte, hätte Brigitte K. zudem darauf hinweisen sollen, dass das Geschäftsjahr 2008/09 aufgrund einer Spende einen Überschuss bringe.

Die Verhandlung wurde auf Oktober vertagt. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2011)

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17 Postings
parapente
15
28.6.2011, 09:21
Ein Buchhalter

sieht alle Belege und weiss, auf welche Kostenstelle sie zu buchen sind.
Ob die Belege rechtens sind, kann er meistens nicht beurteilen. Ein Buchhalter ist ausschliesslich für die korrekte Buchung und für die Vorbereitung zur Bilanz, bzw. den Rechnungsabschluss verantwortlich.

der_kleine_pariser
 
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Die Dame war Chefbuchhalterin und ist Steuerberaterin. Lesen hilft.

Wenn sie's nicht gerdeht hat, sollet sie's zumindest überreissen haben.

Und wenn sie's überrissen hat, sollte sie's dem Eigentümer oder dessen Vertreter melden.

Yossarian
10
29.6.2011, 15:18

Der Buchhalter wird meist gefragt, wie man es denn buchen muss damit es nicht auffaellt.

Das Unschuldslamm, das nur sein Pflicht tut, gibt es in der Realitaet oft nicht.

tramezzino
00
28.6.2011, 11:47

das ist aber nur die theorie. der buchhalter von al capone war der wichtigste mann.

la papagena
11
28.6.2011, 15:17

Buchhalter/innen haben naturgemäß in den meisten Unternehmen eine wichtige Funktion. Aber sie für den Dreck, den ihre Chefs am Stecken haben, verantwortlich zu machen, ist absolut nicht akzeptabel.

Im übrigen stellt sich wohl auch für viele andere Arbeiternehmer nicht selten die Frage:
Schweigen aus Loyalität und Angst um den Job oder Auspacken und Kündigung riskieren?

Laut Burgstallers Logik müssten jetzt wohl die Arbeiter und Angestellten von Baufirmen scharenweise ihre Chefs verpfeifen, wenn diese Schwarzarbeiter beschäftigen.

Und was ist eigentlich mit all den Steuerberatern, die täglich damit beschäftigt sind, die Bilanzen von Auftraggebern zu frisieren?

parapente
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So ist es auch in der Praxis.

Ein Hauptbuchhalter (der also das Hauptbuch führt!) ist meist gut bezahlt und wird sich hüten gegen seinen Chef zu arbeiten. Er wird auch nirgends einen anderen Posten bekommen, weil man sich beim vorigen Chef erkundigt warum er nicht mehr bei ihm arbeitet.

Dass Steuerberater "frisieren" ist umwahrscheinlich, er fürchtet um seine Zulassung. Er sucht aber um Ausweichen im überaus komplizierten EStG bzw. BAO.

der_kleine_pariser
 
00
18.9.2011, 16:44

Nun, der Chef war hier aber Frau Burgstaller (als Eigentümervertreterin)

der_kleine_pariser
 
00

Der fall ist hier ganz anders gelagert.

Die öffentliche Hand ist ja der Eigentümer der Firma. Und wenn nun in einer Firma etwas >abgezweigt< wird, so sollte das ein loyaler Mitarbeiter jedenfalls dem Eigentümer melden.

Walter J. Ferstl
26
28.6.2011, 09:05
Landeshauptfrau versucht sich an Buchhalterin "abzuputzen".

Schäbig.

(Dezent ausgedrückt).

der_kleine_pariser
 
00

das klingt so als wäre die Dame ein kleines Buchhalterlein.

Was sie beileibe nicht ist.

tramezzino
00
28.6.2011, 11:48

& steuerberaterin ist die dame.

parapente
03
28.6.2011, 09:24
SEHR dezent ausgedrückt!

good news 08
23
28.6.2011, 09:03
Burgstaller ist stur oder schlecht beraten

Gegen eine kleine Buchhalterin mit schweren Geschützen aufzufahren um von der eigenen Verantwortung abzulenken ist schäbig.
Dass es der Landeshauptfrau nicht zu blöd ist, die für sie unangenehme Angelegenheit zu prolongieren, zeigt, dass Burgstaller stur oder schlecht beraten ist.
Burgstaller ist als David im WEB-Prozess groß geworden. Als Goliath in diesem Prozess kann sie nicht gewinnen, egal wie der Richter entscheidet.

la papagena
04
28.6.2011, 09:01
"die Menschen sollten mehr Mumm und Mut haben und nicht bei jedem kriminellen Akt mittun"

also sprach Frau Landeshauptfrau.....

und hat offenbar nichts Besseres zu tun als gegen eine Buchhalterin Krieg zu führen -

noch bevor die Prozesse gegen die Hauptbeschuldigten Klaus Kretschmer (ex-technischer Direktor der Sommerfestspiele) und Michael Dewitte (ex-Geschäftsführer der Osterfestspiele) begonnen haben.

Wilhelm Exner
20
28.6.2011, 11:36
Geklagt hat nicht Burgstaller, sondern die Buchhalterin

Es ist ja sooo einfach, die Politiker zu beschuldigen. Wenn Frau Brigitte K. die Landeshauptfrau klagt, darf sie sich nicht wundern, dass diese ihre Sichtweise einbringt. Jede/r hat an ihrem und seinem Platz Verantwortung. Die Hauptverantwortung wohl die Hauptbeschuldigten, aber auch die Buchhalterin, genauso wie Burgstaller an ihrem jeweiligen Platz.

Walter J. Ferstl
11
28.6.2011, 12:48
"die Menschen sollten ... nicht bei jedem kriminellen Akt mittun"

... dies in einem Interview zu sagen ist wohl keine "Sichtweise" mehr und auch kein "persönliches Werturteil", wie Burgstaller es bezeichnet.

Das ist eine öffentliche Unterstellung, dass Frau K. eine strafbare Handlung begangen habe.

Cape Of Green Hope
01
27.6.2011, 21:13
Burgstaller und Saustaller...

...grauslich...

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