Nach jahrzehntelangem Ringen einigt sich die EU auf ein Gemeinschaftspatent
Luxemburg/Brüssel - Jahrzehntelang wurde diskutiert, am Montag hat sich die EU auf ein gemeinsames EU-Patent festgelegt. Beim Sonder-Ministerrat zur Wettbewerbsfähigkeit in Luxemburg segneten die EU-Mitgliedsländer das neue Gemeinschaftspatent für 25 Länder ab, das bei der Patent-Anmeldung vor allem zu deutlichen Kosteneinsparungen führen wird. Spanien und Italien machen wegen eines Sprachenstreits nicht mit. Beifall kam von der ungarischen Ratspräsidentschaft sowie von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier.
Das neue EU-Paket soll spätestens in zwei Jahren in Kraft treten, so die Hoffnung Barniers. Laut der Minister-Einigung muss ein Unternehmen eine Anmeldung zum europäischen Patent nicht mehr in alle Landessprachen übersetzen. Es reicht eine Übersetzung auf Deutsch, Englisch und Französisch. Mit dem Verzicht auf die Übersetzung in alle Landessprachen ersparen sich Unternehmen damit bis zu 14.000 Euro an Übersetzungskosten. Bisher war eine Patent-Anmeldung in den wichtigsten EU-Staaten mit durchschnittlich 20.000 Euro zehnmal so teuer als ein Patent etwa in den USA oder in Japan anzumelden.
Von den 27 EU-Mitgliedsländern beteiligen sich Italien und Spanien wegen der Einschränkung auf die drei Sprachen zunächst noch nicht an dem Paket. Ein späterer Einstieg ist aber möglich.
Das Vorhaben muss nun noch mit dem Europaparlament ausverhandelt und durch dieses abgesegnet werden. Sowohl Barnier als auch der ungarische Staatssekretär Zoltan Csefalvay zeigten sich überzeugt, dass eine solche finale politische Verabschiedung bereits Ende 2011 erreicht werden könnte.
Antrieb für Investitionen
"Das ist der finale, entscheidende Beitrag der ungarischen Präsidentschaft, um ein einfacheres, billigeres und robusteres Patent-System in der EU zu erreichen, das uns für Jahrzehnte nicht gelungen ist", sagte Csefalcay. Das neue System solle europäische Unternehmen zu Investitionen im Bereich Innovation anregen.
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier erklärte, das Projekt befinde sich nun auf der Zielgeraden und verwies auf die anstehende Zusammenarbeit mit dem EU-Parlament. Wenn wir den gegenwärtigen Schwung und den kooperativen Geist beibehalten, dann kann ein gemeinsames Patent in Europa innerhalb der nächsten zwei Jahre Realität werden.
Infrastrukturministerin Doris Bures hatte bereits vor der Abstimmung erklärt, es gehe um den Abbau von "unnötigen bürokratischen Hürden". Sie erhofft sich durch die Erleichterungen einen weiteren Anstoß für Unternehmen, "in Forschung und Entwicklung zu investieren und Patente einzureichen". Derzeit würden österreichische Unternehmen jährlich 1.500 Patente beim europäischen Patentamt anmelden, rund 600 davon werden erteilt, so Bures. (APA)